Der editierte Text

|

Liebste Hannah (Details anzeigen)!1

Gestern war ein schwerer Tag. Vormittag Arbeit am Vortrag, Mittag mit Heimann (Details anzeigen) und Löwe (Details anzeigen). Dann wieder Arbeit am Vortrag. Dann der Vortrag: Statt 150 500 Personen in einem viel zu kleinen Saal. Alle Bekannten, Ottes (Details anzeigen), Thurmanns (Details anzeigen) |: Netters (Details anzeigen) :|, Bendix' (Details anzeigen), Christian (Details anzeigen), Eckart (Details anzeigen), Weil,2 M. L. (Details anzeigen) Frede (Details anzeigen), Heimann (Details anzeigen), Rüstows (Details anzeigen) und zahllose andere. Ich war nicht auf der Höhe, schwer abstrakt. Gefallen habe ich nur dem jüngeren Mitarbeiterkreis, der die Sache drucken läßt. Im Schlußwort war ich wie oft, viel besser. Infolgedessen habe ich trotz Schlafmittel nur wenig geschlafen. Heute Vormittag Telephonieren und Briefe; als ich kam, waren schon 30 da, darunter scheußliche ({ Steuer (Details anzeigen) }, Reichl (Details anzeigen) etc). Heut Nachmittag um 6 fahre| ich mit Löwenfeld (Details anzeigen) nach Potsdam (Details anzeigen) (Sie3 und Wolfgang (Details anzeigen) waren natürlich auch da). – Anbei die Post an Dich und die Bilder von Wolfgang (Details anzeigen), die in einem meiner Briefumschläge waren.

Als ich gestern am Kultusministerium vorbeiging, begegnete ich Richter (Details anzeigen), der mich für Donnerstag (Zeit noch nicht bestimmt) zu sich bestellte, (wahrscheinlich Dekanatssachen). Infolgedessen, und da auch Wolfers (Details anzeigen) nur Donnerstag kann, ebenso Löwe (Details anzeigen) erst Freitag fahren kann, muß ich nun Freitag fahren. Mittwoch Mittag bin ich bei Seeberg (Details anzeigen), Donnerstag bei Arnold (Details anzeigen). – Eckart (Details anzeigen) muß „stempeln“ gehen, er ist sehr deprimiert. Heut oder morgen treffe ich M. L. (Details anzeigen) allein. – Doris (Details anzeigen) hätte Erdmuthe (Details anzeigen) und Dich gern aufgenommen. Sie war furchtbar nett.

Viele allerliebste Grüße und Küsse!
Dein

Paul (Details anzeigen)


Fußnoten, Anmerkungen

1Die Datierung des vorliegenden Briefes ist unsicher, sein Inhalt gibt jedoch einige Hinweise auf die Entstehungszeit: So werden etwa „Dekanatssachen“ erwähnt, womit vermutlich Paul Tillichs Position als Dekan der philosophischen Fakultät der Universität Frankfurt (vom 15. Oktober 1931 bis zum 15. Oktober 1932) thematisiert wird. Der im Brief erwähnte Ministerialrat Werner Richter (Details anzeigen) schied im Anschluss an den Preußenschlag am 20. Juli 1932 aus dem ministerialen Dienst aus. Komplizierter wird die Angelegenheit, wenn man den im Brief erwähnten Vortrag hinzuzieht: Dieser gefiel lediglich „dem jüngeren Mitarbeiterkreis, der die Sache drucken läßt“, so Tillich. Hiermit dürften die „Neuen Blätter für den Sozialismus“ gemeint sein, die Tillich in den Jahren 1930-1933 mitherausgab. In der oben genannten Zeitspanne vom 15. Oktober 1931 bis zum Preußenschlag im Juli 1932 erschien in den „Neuen Blättern“ jedoch kein Aufsatz Tillichs. In der Ausgabe der „Neuen Blätter“ vom April 1931 war Tillichs Aufsatz „ Das Problem der Macht (Details anzeigen) “ abgedruckt worden. In der Augustausgabe des Jahres 1932 erschien Tillichs Text „ Protestantismus und politische Romantik (Details anzeigen) “, eine Vorarbeit der wenige Monate später erscheinenden „ Sozialistischen Entscheidung (Details anzeigen) “. Die Datierung des vorliegenden Briefes bleibt vor diesem Hintergrund vage.
2Identität unsicher, es könnte der Pädagoge Hans Weil (Details anzeigen) gemeint sein, der sich 1932 bei Tillich und Carl Mennicke (Details anzeigen) habilitierte. Möglich wäre auch eine Identifizierung mit Felix Weil (Details anzeigen), dem Mitbegründer des Frankfurter Instituts für Sozialforschung, der seit 1929 in Berlin lebte (siehe in diesem Zusammenhang auch den Brief (Details anzeigen) Tillichs an seine Frau vom 9. Mai 1929). Letzten Endes muss die Identität des hier genannten „Weil“ offen bleiben.
3Gemeint sind die Potsdamer Freunde Tillichs, die das „Haus auf dem Küssel“ bewohnten: Lily (Details anzeigen) und Fritz Pincus (Details anzeigen) sowie Claire (Details anzeigen) und Günther Löwenfeld (Details anzeigen).

Register

aTillich, Hannah
bRichter, Werner
cTillich, Das Problem der Macht. Versuch einer philosophischen Grundlegung., 1931
dTillich, Protestantismus und politische Romantik, 1932
eTillich, Die sozialistische Entscheidung, 1933
fHeimann, Eduard
gLöwe, Adolf
h
iThurmann, Theodor
jNetter, Emil
kBendix, Ludwig
lHerrmann, Christian
mSydow, Eckart von
nWeil, Hans
oMennicke, Carl August
pWeil, Felix
qBrief von Paul Tillich an Hannah Tillich vom 9. Mai 1929
rWerner, Marie Luise
sFritz, Alfred
tHeimann, Eduard
uRüstow, Alexander
v???, Steuer
wReichl, Otto
xLöwenfeld, Günther
yPotsdam
zPincus, Lily
aaPincus, Fritz
abLöwenfeld, Claire
acLöwenfeld, Günther
ad???, Wolfgang
ae???, Wolfgang
afRichter, Werner
agWolfers, Arnold
ahLöwe, Adolf
aiSeeberg, Erich
ajWolfers, Arnold
akSydow, Eckart von
alWerner, Marie Luise
amWolfers, Doris
anFarris, Erdmuthe
aoTillich, Paul

Überlieferung

Signatur
USA, Cambridge, MA, Harvard University, Harvard Divinity School Library, Tillich, Hannah. Papers, 1896-1976, bMS 721/3(6)
Typ

Brief, eigenhändig

Postweg
Berlin bzw. Potsdam - unbekannt
voriger Brief in der Korrespondenz
Brief von einer unbekannten Frau an Paul Tillich vom 25. November 1929

Entitäten

Personen

Orte

Literatur

Briefe

Zitiervorschlag

Undatierter Brief von Paul Tillich an Hannah Tillich aus dem Jahr 1931 oder 1932, in: Paul Tillich, Korrespondenz. Digitale Edition, hg. von Christian Danz und Friedrich Wilhelm Graf. https://tillich-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L01522.html, Zugriff am ????.

Für Belege in der Wikipedia

{{Internetquelle |url=https://tillich-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L01522.html |titel=Undatierter Brief von Paul Tillich an Hannah Tillich aus dem Jahr 1931 oder 1932 |werk=Paul Tillich, Korrespondenz. Digitale Edition. |hrsg=Christian Danz, Friedrich Wilhelm Graf |sprache=de | datum= |abruf=???? }}
L01522.pdf