Brief von Elisabeth Seeberger an Paul und Hannah Tillich vom 01. Juli 1946

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Der editierte Text

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Ihr Lieben (Details anzeigen) (Details anzeigen)

heute {müßte} mein ganzer Brief nur ein Dank an Euch sein, denn zwei von Euren herrlichen Paketen sind wieder in meine Hand gelangt und welche Freude haben sich|:e:| gemacht und machen sie dauernd. Und wieviel Leuten bereite ich dadurch ein Freudenstündchen. Ich glaube, Ihr wißt garnicht wie Ihr uns damit helft, es ist für uns in gewisser Weise zu mindestens eine Gesundheits{ret}tung. Ich habe augenblicklich ziemlich dicke Fingergelenke, die auch weh tun und der Arzt sagte auch, es ist eben doch eine Mangelkrankheit, die jetzt häufiger vorkämen. Und nun kann ich mir doch durch Eure herrlichen Pakete viel Gutes antun. Wenn es für Euch nur nicht zu teuer wird, denn es kostet doch auch immer etwas. Aber vielleicht geben Euch einmal |:einige:| von Euren Freunden etwas dazu. Es ist ja auch so unendlich wichtig, wenn Heidi (Details anzeigen) mit ihrem süßen, kleinen Michael (Details anzeigen) herkommt jetzt im September. Wir haben nur immer noch keine Zuzugsgenehmigung für sie| und bangen sehr sie zu bekommen. Es ist zu {hart}, wenn ihr Mann (Details anzeigen) lebte, könnte sie glatt mit Kind (Details anzeigen) herkommen und da er nun tot ist, geht es nicht. Sie bekommt ja auch keine Witwenunterstützung. Aber wir hoffen doch[,] daß es glückt, sie herzubekommen. Es ist ja so schön, daß Waltraud (Details anzeigen) jetzt hier ist. Sie geht das letzte Jahr zur Schule und hat sehr guten Musikunterricht bei einem Professor, der sie für sehr musikalisch hält. Sie will ja dann später auf der Hochschule Musik studieren. Im August wollen wir auf 4 Wochen zur Erholung in die Lüneburger Heide zu Heidi (Details anzeigen) und sie dann mitbringen. Erhard (Details anzeigen) hat den Urlaub sehr nötig, da er weit über seine Kräfte arbeitet. Aber es ist doch sehr erfreulich, daß in unsre[r] Gemeinde {kirchlich} viel Neues {angefangen} wird. Erhard (Details anzeigen) geht auch öfter zu den Rel. Sozialisten, es sind in dieser Beziehung auch allerlei Ansätze da, so tauchen da allerlei altbekannte Namen auf, wie {Liz.} Hartmann (Details anzeigen), Wegscheider (Details anzeigen) usw, auch Ernst Tillich (Details anzeigen) ist dabei[.] Er war ja mehrere Jahre im {Kz}. Sein Vater von Franz Tillich (Details anzeigen) ist von Polen (Details anzeigen) auf dem Gut seiner Verwandten in Schlesien erschossen. – Heute haben wir unten im Haus eine Volksküche| eröffnet, die sehr nötig war, da die Leute keine Feuerung haben um sich warmes Essen zu kochen. Es war für mich eine Unmenge {Verarbeiten}, aber nun klappte es recht gut und hilft hoffentlich vielen Menschen. In der letzten Woche waren Ilsemargot (Details anzeigen) und {Geri} von Reutern (Details anzeigen) 9 Tage bei uns. Es besteht zwischen uns eine Freundschaft seit Jahren und Ilsemargot (Details anzeigen) sagt immer: „es [sic!] war Pauls (Details anzeigen) bestes Geschenk, daß er mich Euch anvertraut hat.“ Sie ist ja durch ihren sehr feinen Mann auch selbst famos geworden. Ob Ihr etwas von Fausts (Details anzeigen) (Details anzeigen) wißt? Wir seit dem Zusammenbruch nicht mehr. Hansjürgen (Details anzeigen) war ja mit der ältesten Tochter (Details anzeigen) sehr befreundet, die einen Freiherr v. {Butlar} (Details anzeigen) geheiratet hat, der aber garnichts ist. Fausts (Details anzeigen) selbst war ja sehr Nazi geworden und seine Frau |:Margot (Details anzeigen):| hat wohl ziemlich gewissenlos ihren {verschiedene} Jahre jüngeren Hausfreund Hahl (Details anzeigen) geheiratet. Es war für die größeren Kinder eine verzweifelte Situation. Wo sie jetzt sind[,] wissen wir nicht. Jedenfalls geht es Faust (Details anzeigen) selbst gewiß nicht gut. – {Längstens} schicke ich Euch einmal von uns allen Photos und bitte| auch um solche von Euch allen. Ob Ihr wohl etwas von Loewenfelds (Details anzeigen) (Details anzeigen) und Pinkus [sic!] (Details anzeigen) (Details anzeigen) wißt? Wir haben ja nichts mehr von ¿ ihnen gehört, seitdem sie Gott sei Dank noch zur rechten Zeit herausgingen. – Von Euerm Haus am Meer haben wir mit viel Interesse gehört. Was muß es schön sein und wie gönne ich es Euch als Erholung und Alterssitz. Ich habe auch das selbe Gefühl, daß ich es noch irgend wann einmal sehe, so alt bin ich ja noch nicht. Denkt Euch 2 x in der Woche fliegt ein Flugzeug von Tempelhof (Details anzeigen) zu Euch. Wenn es doch einmal einen von Euch mitbrächte. Schreibt doch einmal, wie es mit Euerm Kommen aussieht.

Wenn Ihr nette Leute habt, die alte Unterwäsche oder Wolle, oder vor allem Strümpfe entbehren können[,] dann schickt so es uns doch, wir können ja alles gebrauchen, wenn es auch alt ist. Oder ein warmes Kleid? Und dann etwas zu Essen, wie Ihr es getan habt. Bin ich auch nicht eine zu große Bettelschwester? Aber wir danken Euch ja auch so unendlich für all Eure Liebe, die uns äußerlich und innerlich so froh macht. – Von Hansjürgen (Details anzeigen) kam nichts Neues und wir warten eben immer weiter. Das Schönste aus Euren Paketen hebe ich für ihn auf.

{1000} Grüße und Vielen Dank und schreibt bald wieder.

Eure Elisabeth (Details anzeigen)!

Der Inhalt der Pakete war herrlich ausgesucht in jeder Form.


Fußnoten, Anmerkungen

Register

aBerlin-Tempelhof
bTillich, Hannah
cTillich, Paul
dSeeberger, Adelheid
eSeeberger (?), Michael
f???, ??? (s. working note)
gSeeberger (?), Michael
hSeeberger, Waltraud
iSeeberger, Adelheid
jSeeberger, Erhard
kSeeberger, Erhard
l
mWegscheider, ???
nTillich, Ernst
oTillich, Franz
pPolen
qReutern, Ilsemargot von
rReutern, Gerhard von
sReutern, Ilsemargot von
tTillich, Paul
uHahl, Margot
vFaust, Erich
wSeeberger, Hans-Jürgen
x
y
zFaust, Erich
aaHahl, Margot
abHahl, Hans
acFaust, Erich
adLöwenfeld, Claire
aeLöwenfeld, Günther
afPincus, Lily
agPincus, Fritz
ahBerlin-Tempelhof
aiSeeberger, Hans-Jürgen
ajSeeberger, Elisabeth

Überlieferung

Signatur
USA, Cambridge, MA, Harvard University, Harvard Divinity School Library, Tillich, Paul, 1886–1965. Papers, 1894–1974., bMS 649/184(12)
Typ

Brief, eigenhändig

Postweg
Berlin-Tempelhof - unbekannt
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Brief von Paul Tillich an Elisabeth Seeberger vom 1. Oktober 1945
nächster Brief in der Korrespondenz
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Entitäten

Personen

Orte

Zitiervorschlag

Brief von Elisabeth Seeberger an Paul und Hannah Tillich vom 01. Juli 1946, in: Paul Tillich, Korrespondenz. Digitale Edition, hg. von Christian Danz und Friedrich Wilhelm Graf. https://tillich-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L10951.html, Zugriff am ????.

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{{Internetquelle |url=https://tillich-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L10951.html |titel=Brief von Elisabeth Seeberger an Paul und Hannah Tillich vom 01. Juli 1946 |werk=Paul Tillich, Korrespondenz. Digitale Edition. |hrsg=Christian Danz, Friedrich Wilhelm Graf |sprache=de | datum=01.07.1946 |abruf=???? }}
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