Der editierte Text

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Donnerstag Nachm.

Mein liebes süsses Hannahchen (Details anzeigen)!

Gestern kam Dein Brief1 mit den vielen Briefen, die ich korrigiert und abgefertigt habe; an Ilse-Margot (Details anzeigen) habe ich noch einiges dazu geschrieben über meine Sachen. Ihre Adresse ist Berlin-Südende, Halskestr. 38{???}. Die Adresse von Margot Faust (Details anzeigen) ist nicht Höcknitzer' sondern Küknitzerstr. Hoffentlich klappt nun alles. Ich habe auch noch an Elisabeth (Details anzeigen) geschrieben, dass sie ja die eine Bücherkiste mitschickt. Ich habe sie ferner gebeten, mal auf dem Ministerium nachzusehen, wie eigentlich meine rechtliche Lage jetzt ist. –– Es ist gut, dass Du die Briefe | selbst umschreibst. Mach es nur recht deutlich und ohne Fehler! Übrigens weiss ausser 1-3 Leuten (Eckart (Details anzeigen), K. L. Schmidt (Details anzeigen)) von denen ich eine schnelle Antwort haben wollte[,] niemand etwas von meiner Adresse; und auch das war nur für eine Antwort berechnet, so dass weiter alles andere über N.Y. (Details anzeigen) geht. Eckart (Details anzeigen) hat wieder Lust gezeigt zu kommen. Aber da sein Semester am 1. April anfängt und ich im März nicht hier bin, so hat es nur Zweck, wenn er in diesem Kurz-Semester nicht liest und herüber von April-Mai herüberkommt. Aber ich glaube kaum daran. – Übrigens ist es komisch, wie sich das Schwer| gewicht der Post immer mehr nach Amerika (Details anzeigen) verlegt. Viele amerikanische Korrespondenz wegen Vorträge und Artikel (am 5ten März zwei Vorträge in St. Louis (Details anzeigen), die aber nichts bringen). Mit Deutschland (Details anzeigen) die nächsten Verwandten und Freunde, ferner die Emigranten-Sachen ... dann Du und Erdmuthe (Details anzeigen). Hier noch Ulich (Details anzeigen), Wolfers (Details anzeigen) u.s.w.|:Bitte schreibe mir doch die genaue Adresse meiner Bank, damit ich den ganzen Rest ausser dem, was ich für die Reise brauche, überweisen lassen kann.:| Dies alles zusammen ist einfach zu viel ohne Sekretärin, wenn man nebenbei noch arbeiten soll. Dabei habe ich z.B. weder an Löwe (Details anzeigen), noch an Peter (Details anzeigen) noch an Karolus (Details anzeigen) noch an den Küssel (Details anzeigen) noch an ein Dutzend andere dringende Sachen, die sich anhäufen, geschrieben. Das Ganze wird immer | mehr zu einem unlöslichen Problem. Hier häufen sich die Dinge immer mehr. z.B. vorgestern von 1/26-1/21 Nachts Vortrage und Diskussion in einem Kollege. Gestern 6-8 Lunch Supper mit einem Professor. Dann der "Tillich-Diskussions-Kreis". Dazu immer von 11-12 Stunde und von 1/23-1/24 Kolleg. Dazu vorige Woche 30 Examensarbeiten aus New York (Details anzeigen). Jetzt kommen die Studenten und wollen Diskussions-Abende haben. (Eben die dritte Post ohne irgend etwas; hoffentlich hast Du nichts falsch geschrieben). – (Eben ruft Prof. Palgi an und bittet dringend um eine Partie Schach. –– Heut Abend ist hier im Club Tanz; ich sitze mit (Details anzeigen)Paucks (Details anzeigen) und ihren Freunden zusammen; man kann nur | am eignen Tisch auffordern)... Meine Spaziergänge, mein Tagebuch, alles hört auf; in die Stadt komme ich auch nicht mehr. ––

Nun habe ich noch gar nicht ausführlich von Detroit (Details anzeigen) erzählt. Ich kam Freitag Abend an und wurde im Kinderspielzimmer ihres reizenden Hauses untergebracht; er ist fein, aber sehr dekadent. Am nächsten Morgen fuhr ich mit ihm durch Stadt, Seeufer, zwei Museen. Sie ist Redakteurin und konnte erst später. Das Museum ist die Glanzleistung von Valentiner (Details anzeigen) und einigen anderen, die ich dann am Abend kennen lernte. Vor allem ein sehr guter Türke mit einer reizenden Türkischen Frau. Sie sind jetzt in Ann Arbor (Details anzeigen) ('Annas's Laube'), der Staats-Uni| versität von Michigan (Details anzeigen), wo auch Laun (Details anzeigen) ist und Prof Werner (Details anzeigen) aus Hamburg (Details anzeigen) und wohin ich für den 2ten März eingeladen bin. (Es liegt näher als Chicago (Details anzeigen))[.] Ich wurde auch Valentiner (Details anzeigen) vorgestellt. Er freute sich sehr über meine Wertschätzung der New Yorker {Riveres} und sagte, das wäre sehr selten. – Dann Lunchen mit Sterns (Details anzeigen) (Details anzeigen) und wieder ins Museum; abgeholt und zu Sterns (Details anzeigen) (Details anzeigen), wo die Gäste bald kamen; nur Deutsche, gegen 12 Nachts noch 2 Museumsleute, die auf der Durchfahrt von St. Franzisko (Details anzeigen) nach New York (Details anzeigen) waren; prachtvoll freche Kerls, begeistert von Franzisko (Details anzeigen): Da müssen wir bald hin. – Am nächsten Morgen eine Früh| stücks- Mittags- und Tee-Einladung an drei verschiedenen Stellen. Bei dem Frühstück einen 'weissen' Ukrainer, der anscheinend faszistische [sic!] Propaganda treibt und von dem wir das Gefühl hatten, dass er uns bespitzelt. Mittags eine sehr kultivierte jüdische Familie, der Vater Hauptbaumeister bei Ford, G Kreissler u.s.w. Nachher Besichtigung eines fabelhaften Landerziehungsheims mit prachtvollem Museum. Dann Tee zu der Familie eines französischen Belgius, dessen Frau mich am nächsten Tag zu Ford fahren sollte, da beide Sterns (Details anzeigen) (Details anzeigen) im Dienst sein mussten. Sie sprechen franz| zösisch, was meiner Seele wohltat. Abends in David Copperfield (Details anzeigen) (hat mich sehr gepackt) und nachher wieder bei der belgischen Familie. Am nächsten Morgen Ford. Schrecklicher Eindruck von laufendem Band. Das Auto desillusioniert: Alle Minute wird ein Spielzeug zusammengesetzt. – Dann Mittag mit Sterns (Details anzeigen) (Details anzeigen) in der Stadt, Besichtigung ihrer Zeitung und Abfahrt. Du siehst höchst reichhaltig. Die Stadt ist grauenvoll. Leben darin ohne Auto unmöglich, meilen- und meilenlange Strassen, unermesslich. Deutschland (Details anzeigen) rückt langsam aus dem Horizont des 'Mittelwest'. Ich lese die Times nicht mehr | regelmässig und finde die Situation langweilig. Zum Sprechen komme ich viel; aber das Wichtigste ist doch Lesson. –––

Oft kann ich es vor Sehnsucht gar nicht mehr aushalten. Es war schon zu lange und wird noch lange dauern. Ach mein liebes Hannahchen (Details anzeigen); wie sehr fühle ich mich zu Dir gehörig und zu nichts anderem!

Dein Paulus (Details anzeigen)!


Fußnoten, Anmerkungen

1Nicht überliefert.

Register

aTillich, Hannah
bIlse-Margot
cHahl, Margot
dSeeberger, Elisabeth
eSydow, Eckart von
fSchmidt, Karl Ludwig
gNew York City
hSydow, Eckart von
iVereinigte Staaten von Amerika
jSt. Louis
kDeutschland
lFarris, Erdmuthe
mUlich, Robert
nWolfers, Arnold
oLöwe, Adolf
pHeimann, Eduard
qMennicke, Carl August
rBewohnerinnen und Bewohner des "Haus auf dem Küssel", ???
sNew York City
tPauck, Marion
uPauck, Wilhelm
vDetroit, USA
wValentiner, ???
xAnn Arbor
yMichigan, USA
zLaun, Margarete von
aaWerner, Heinz
abHamburg
acChicago, Illinois
adValentiner, ???
aeStern, William
afStern, ???
agStern, William
ahStern, ???
aiSan Francisco
ajNew York City
akSan Francisco
alStern, William
amStern, ???
anDickens, David Copperfield, 1850
aoStern, William
apStern, ???
aqDeutschland
arTillich, Hannah
asTillich, Paul

Überlieferung

Signatur
USA, Cambridge, MA, Harvard University, Harvard Divinity School Library, Tillich, Paul, 1886-1965. Papers, 1894-1974., bMS 721/3(6)
Typ

Brief, eigenhändig

Postweg
unbekannt - unbekannt
voriger Brief in der Korrespondenz
Brief von Paul Tillich an Hannah Tillich von 1935
nächster Brief in der Korrespondenz
Brief von Paul Tillich an Hannah Tillich von 1935

Entitäten

Personen

Orte

Literatur

Zitiervorschlag

Brief von Paul Tillich an Hannah Tillich von Frühjahr 1935, in: Paul Tillich, Korrespondenz. Digitale Edition, hg. von Christian Danz und Friedrich Wilhelm Graf. https://tillich-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L10125.html, Zugriff am ????.

Für Belege in der Wikipedia

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L10125.pdf