Der editierte Text

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31 Juli 1935

Liebe Lilly (Details anzeigen)!

Dein Brief1 hat mein Herz sehr bewegt. Es ist so viel Liebe und Erwartung darin, wie ich sie gar nicht verdiene, ich danke Dir dafür und für die Unruhe, die die geschäftliche Unfähigkeit der Pfarrer Dir gemacht hat. Ich habe nun eine Anfrage und das Telegramm bekommen. In der Anfrage steht nichts von einer Einladung und nichts von dem was ich dort soll. Auf dem Programm ist nicht zu ersehen, dass ich zu irgend etwas sprechen soll. Die Geburt hat inzwischen so viel verschlungen, dass wir nicht einmal für hier genug haben, geschweige denn dass ich auch nur einen Dollar mitbringen kann. D.h. auch wenn einiges Reisegeld gezahlt wird, ist es unmöglich zu kommen. Wäre ich vor 3 Monaten über die Sache orientiert worden, so hätte ich wahrscheinlich eher etwas flüssig machen können, aber das ist längst, längst zu spät. Wenn Du bereit bist, wie ich, von Hoffnungen zu leben, so ist eine entfernte Möglichkeit gegeben, dass ich nächstes Jahr von 1 Apr. bis 1 Juli komme. – Aber das hängt gleichfalls von mindestens drei Umständen ab: 1) Dass ich dann frei bin, weder beruflich noch häuslich gebunden, 2) Dass ich dann Geld habe. 3) Dass ich dann irgend etwas Bestimmtes in Europa zu tun habe. Aber verschliesse das in Deinem Herzen, denn durch Drüber-Reden wird es nur unwahrscheinlicher – es sei denn dass Du irgend eine wichtige Konferenz Einladung veranlassen kannst.

Hannah (Details anzeigen) und dem Jungen (Details anzeigen) geht es weiter gut. Es ist ein eigentümliches Gefühl Vater eines Sohnes zu sein, ganz anders als bei einer Tochter! Das muss wohl mit Ahnenkultus-Erinnerungen zusammenhängen – übrigens ist René (Details anzeigen) (oder Stephan?) mir lächerlich ähnlich. Den Wunsch, dass er ein kleiner Paulus (Details anzeigen) werden möge, teile ich übrigens nicht – begreiflicherweise, ich wünsche ihm was Besseres. (Der Name Stephan, den ich an sich wundervoll finde, erweckt zur Zeit in mir etwas unermessliche Assoziationen, wenn ich an Euch schreibe. Der erste Stephanos (Details anzeigen) war Märtyrer, der zweite, den Ihr kennt, scheint | den Verfolgern näher zu stehen, möge der dritte – das ist unser Wunsch für ihn – nicht nur Märtyrer sondern auch Sieger in dem Kampf sein in dem wir Besiegte sind. Und der andere Stephan?? überläufer?? Dass eine Krone (Stephanos) in diesem Kampfe verliehen wird ohne etre rené (Details anzeigen) ohne Brechung des Willens zur Macht unterscheidet meine Idee und soll Stephan René (Details anzeigen) unterscheiden von denen die ohne individuelle und allgemeine Bedürftigkeit das Reich Gottes erkämpfen wollen. Aber wenn so etwas ist und der erteilte Segen, von dem Thomas Mann (Details anzeigen) in seiner Joseph-Legende so wundervoll plastisch erzählt, dann soll dies der Segen sein, dass er hilft eine gerechtere Welt zu schaffen als die in die er geboren ist. Wenn alles klappt, soll er am 6. Juli durch unser Freund Richard Niebuhr (Details anzeigen), der zugleich mit Robert Ulrich (Details anzeigen), Mann von Elsa Brandström (Details anzeigen) – Pate sein soll. Die weiblichen Paten sollen Elisabeth (Details anzeigen) und M.L. (Details anzeigen) sein.

Mir tut so dankbar, dass Ihr Elisabeth einen so schönen Tag mit ihrer Familie bereitet habt. Sie schreibt so begeistert davon. M.L. (Details anzeigen) erzählt viel und hat hier aller Herzen erobert; aber sie weiß nicht mehr Objektiveres als wir wissen, sie bringt Heimat-Luft mit und das ist schön. Hannah (Details anzeigen) und dem Kind geht es gut. Die Hitze ist jetzt etwas bedrückend. Aber wir hoffen in der nächsten Woche aufs Land zu können für 3 Monate [Adresse immer hier] Eure Sachen waren wundervoll und sehr passend. Wann machen wir die nächste Motorboot-Fahrt? In Liebe und Treue Dir und den anderen!

Übrigens ist der Junge amerikanischer Bürger und kann es bis zum Präsidenten bringen.


Fußnoten, Anmerkungen

1Nicht überliefert.

Register

aPincus, Lily
bTillich, Hannah
cTillich, René Johannes Stefan
dTillich, René Johannes Stefan
eTillich, Paul
fStephanus
gTillich, René Johannes Stefan
hTillich, René Johannes Stefan
iMann, Thomas
jNiebuhr, H. Richard
kRobert, Ulrich
lBrändström, Elsa
mSeeberger, Elisabeth
nWerner, Marie Luise
oWerner, Marie Luise
pTillich, Hannah
qTillich, Paul

Überlieferung

Signatur
USA, Cambridge, MA, Harvard University, Harvard Divinity School Library, NL Pauck Box 44, Folder 4
Typ

Brief, maschinenschriftlich

Postweg
unbekannt - unbekannt
voriger Brief in der Korrespondenz
Undatierter Brief von Paul Tillich an Lily Pincus von 1934
nächster Brief in der Korrespondenz
Brief von Paul Tillich an Lily Pincus vom 29. November 1935

Entitäten

Personen

Zitiervorschlag

Brief von Paul Tillich an Lilly Pincusvom 31. Juli 1935, in: Paul Tillich, Korrespondenz. Digitale Edition, hg. von Christian Danz und Friedrich Wilhelm Graf. https://tillich-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L10467.html, Zugriff am ????.

Für Belege in der Wikipedia

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