Brief von Elisabeth Tillich an Paul und Hannah Tillich vom 7. August 1935

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Der editierte Text

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Mein lieber großer Bruder (Details anzeigen),

nun kommt wieder ein Geburtstag heran und wie immer müssen meine Wünsche zu Dir in die Ferne wandern über das Meer hinüber. Du weißt ja wieviel Gutes, Liebes und Schönes ich Dir zum neuen Lebensjahr wünsche und wenn auch mancher Wunsch des vergangenen Geburtstags nicht in Erfüllung ging, so |:ist:| doch der eine herrlich erfüllt: "Euer Junge (Details anzeigen) ist da." Und was für ein Prachtkerl! M.L. (Details anzeigen) hat sehr viel von ihm erzählt und das süße Bildchen, was Hannah (Details anzeigen) mir geschickt hat, läßt ihn ganz klar als ein {Brockenbaby} erscheinen. Ich möchte ihn so gern einmal im Arm haben und nach Herzenslust "knudeln". – Nun | wünsche ich Dir neben all der großen Freude in Deiner Familie, viel Erfolg in Deiner Arbeit und ein|:en:| doppelt so gefüllten Geldbeutel wie im vergangenen Jahr. Wer weiß, was in Amerika (Details anzeigen), dem "Lande der unbegrenzten Möglichkeiten" nicht noch alles wirklich wird. –

Ich habe heute ein stilles Abendstündchen und da will ich Dir und besonders auch Hannah (Details anzeigen) vielmals danken, daß ihr mich zur Patin Eures Jungen genommen habt. Ich glaube, die beiden Patentanten hier unter dem Tempelhofer (Details anzeigen) Pfarrhausdach hängen schon jetzt mit großer Liebe an ihrem Patenjungen, und wenn ich auch jetzt und vielleicht in den nächsten kommenden Jahren nicht viel meine Liebe ihm zeigen kann, wer weiß, wie das Leben noch wechselt, und vielleicht kommt zwischen uns auch einmal so ein feines| Verhältnis, wie es zwischen mir und meinem ältesten Patenkind {Ekke (Details anzeigen) } ist. Wir werden uns hier über den Rufnamen nicht einig, und da Du den Namen Stephan als ersten gesetzt hattest, nannten wir ihn (Details anzeigen) eben immer Stephan und so betet Waltraud (Details anzeigen) eben jeden Abend für Erdmuthe (Details anzeigen) und Stephan (Details anzeigen), und ich glaube, daß [sic!] werde ich ihr kaum mehr austreiben können. Wir sind nun seit 10 Tagen wieder hier. Es ging mit einem Kopfsprung herein, die Situation nicht verändert, genau die gleichen ?lichen Freundlich- und Feindlichkeiten, dazu für Erhard (Details anzeigen) viel Arbeit, manchmal täglich 3 Beerdigungen hintereinander. Wir hoffen, daß unsere Erholung recht lange anhält, vorläufig ist man von dem Klimawechsel noch etwas müde. Die Zeit in Bayern (Details anzeigen) war herrlich; wir sind diesmal sehr viel gelaufen, auch Heidi (Details anzeigen) hat schon größere | {K?touren} mitgemacht. Es ist zu fein, wenn man mit seinen großen Kindern so um die Wette wandern und Klettern kann. Einige Bildchen lege ich Dir bei. Unsere Seeberger Verwandten, die ja in Brandenburg (Details anzeigen) wohnen, haben mit ihren Söhnen uns auch viel gezeigt und den Kindern beigebracht. Auch Erhard (Details anzeigen)s Schwager aus Österreich (Details anzeigen) war mit seinem ältesten Sohn einige Tage dort und hat viel Interessantes von seinem schweren Leben dort als Evangelischer erzählt. Am vorletzten Tag kam dann noch überraschender Besuch. Hans-Jürgen (Details anzeigen) hatte einmal vor einigen Jahren einen Dr. Augustin (Details anzeigen) hier auf einer Ausstellung kennen gelernt. Dieser ist Besitzer einer großen Druckerei in Hamburg-Glückstadt (Details anzeigen), zugleich aber Professor für chinesische Sprache an der Pariser Akademie 2 Monate im Jahr, und neben manchen anderen auch Weltreisender. Übrigens ein in ganz Deutschland (Details anzeigen) bekannter Mann. Dieser hatte | vor einigen Jahren an Hans-Jürgen (Details anzeigen) im Anschluss an ein Gespräch |:in einer Ausstellung:| so viel Interesse genommen, daß er ihm regelmäßig schrieb und zu jedem Weihnachten beschenkte. Nun hatte er erfahren, daß Hans-Jürgen (Details anzeigen) in Margarethen (Details anzeigen) war und hatte ihn dort aufgesucht und nachdem wir einen netten Tag zusammen verlebt hatten, (er ist ein fabelhaft interessanter Mensch) hat er den Jungen noch zu einer Autotour bis Nürnberg (Details anzeigen) eingeladen und ihm die schönen Südbayrischen Städte gezeigt. Da war natürlich die Freude groß und die Schule schmeckt weniger. –

Väterchen (Details anzeigen) geht es nicht besonders, ich glaube aber, daß es bei ihm mehr nervlich als organisch ist. Es war ja bei ihm immer nicht leicht zu trennen, und er leidet wohl besonders schwer unter der Altersschwäche. – Jetzt ist aber eine glückliche Wendung darin gefunden, daß Gisela (Details anzeigen) , die ja auf dem Kindergärtnerinseminar ist, bei Väterchen (Details anzeigen) wohnt in der Woche. Mir ist damit eine große Sorge abgenommen. | Gisela (Details anzeigen) ist ein selten lieber und feiner Mensch, der ihm viel sein kann und vor mancher einsamen Stunde bewahren kann. – Übrigens ist in der vergangenen Woche Onkel Arthur {Silling} am Herzschlag gestorben, wir haben ihn alle sehr gern gehabt. – M.L. (Details anzeigen) muß natürlich viel und dauernd erzählen. Jetzt ist aber seit 2 Tagen Walter mit Frau hier, da sehen wir uns kaum. Aber alles, was sie erzählt, interessiert brennend, besonders auch über Deine Arbeit. Über Eure Geschenke, die Ihr uns mitschicktet, ist große Freude. Waltraud (Details anzeigen) fragt alle Bekannten nach {Tiervokabeln} aus und ich will mir aus dem Kleid zum Winter ein {totchickes} neues arbeiten lassen, in welchen ich hoffe alle Menschen "zu bezaubern". Das tut nämlich auch mal recht wohl. – Jetzt hab ich Euch so allerlei "vorgeklönt" und vieles vieles [sic!] nicht erzählt, was mir auf dem Herzen liegt. – Vielleicht gibt es im nächsten Jahr doch einmal ein Wiedersehen. – 1000 gute Wünsche und Gottes Segen zum Geburtstag.

Euch vier grüße ich vielmals und dem Geburtstagskind einen dicken Kuß

Eure dankbare Elisabeth (Details anzeigen) mit ihren vier Kindern


Fußnoten, Anmerkungen

Register

aBerlin-Tempelhof
bTillich, Paul
cTillich, René Johannes Stefan
dWerner, Marie Luise
eTillich, Hannah
fVereinigte Staaten von Amerika
gTillich, Hannah
hBerlin-Tempelhof
iFritz, Eckehardt
jTillich, René Johannes Stefan
kSeeberger, Waltraud
lFarris, Erdmuthe
mTillich, René Johannes Stefan
nSeeberger, Erhard
oBayern
pSeeberger, Adelheid
qBrandenburg
rSeeberger, Erhard
sÖsterreich
tSeeberger, Hans-Jürgen
uAugustin, Heinrich Wilhelm
vGlückstadt
wDeutschland
xSeeberger, Hans-Jürgen
ySeeberger, Hans-Jürgen
zSankt Margarethen
aaNürnberg
abTillich, Johannes Oskar
acWalker, Gisela
adTillich, Johannes Oskar
aeWalker, Gisela
afWerner, Marie Luise
agSeeberger, Waltraud
ahSeeberger, Elisabeth

Überlieferung

Signatur
USA, Cambridge, MA, Harvard University, Harvard Divinity School Library, Tillich, Paul, 1886-1965. Papers, 1894-1974., bMS 649/184(8)
Typ

Brief, eigenhändig

Postweg
unbekannt - unbekannt
voriger Brief in der Korrespondenz
Brief von Elisabeth Tillich an Paul und Hannah Tillich vom 26. März 1935

Entitäten

Personen

Orte

Zitiervorschlag

Brief von Elisabeth Tillich an Paul und Hannah Tillich vom 7. August 1935, in: Paul Tillich, Korrespondenz. Digitale Edition, hg. von Christian Danz und Friedrich Wilhelm Graf. https://tillich-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L10220.html, Zugriff am ????.

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