Der editierte Text

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Verehrter Herr Kollege!1

Das trifft sich allerdings schlecht. Ich lese meinem bisherigen Turnus gemäß im Winter Religionsphilosophie, jedes vierte Semester. Dazwischen ist Ihnen natürlich alles frei. Aber bei meinem Turnus muß ich bleiben. Wenn Sie das Kolleg neben mir lesen wollen, so steht dem natürlich von mir aus auch nichts entgegen; doch ist die Gleichzeitigkeit schwerlich praktisch zu empfehlen. Es tut mir leid, wenn Ihnen damit Schwierigkeiten für die Vorlesungsangabe erwachsen sollten. Ich will Ihnen daher vorsichtshalber überhaupt meinen Turnus nennen. 1.) S. Ethik 2.) W. Rel-Phil 3[.)] S. Einleitung in die Philos. 4[.)] W. Gesch d. Neueren Philos.2

– Für Ihre freundlichen Worte danke ich Ihnen bestens. Ich habe meine besten Schüler im Kriege verloren3 u bin sehr froh, wenn sich deren| {¿¿¿}4 finden. Im Übrigen bin ich selbst immer noch derartig im Lernen u Suchen begriffen, daß wir uns alle getrost Mitschüler nennen dürfen an der großen Aufgabe einer Erfrischung u Erneuerung des grundsätzlichen u dabei insbesondere des kulturphilosophischen Denkens.

Ganz ergebenst

Ihr E. Troeltsch (Details anzeigen).


Fußnoten, Anmerkungen

1Paul Tillich (Details anzeigen) lehrte nach seiner am 24. Januar 1919 vollzogenen Umhabilitierung von Halle (Details anzeigen) nach Berlin (Details anzeigen) bis 1924 als Privatdozent für Systematische Theologie an der Friedrich-Wilhelms-Universität. Im Sommersemester 1919 hielt er seine erste Vorlesung über „Das Christentum und die Gesellschaftsprobleme der Gegenwart“. Vgl. Paul Tillich: Das Christentum und die Gesellschaftsprobleme der Gegenwart (2001) (Details anzeigen).
2Troeltsch (Details anzeigen) las 1919 in dem vom 3. Februar bis 16. April laufenden ersten Zwischensemester für Kriegsteilnehmer und Hilfsdienstpflichtige zweistündig über „Hauptrichtungen der neueren Philosophie seit der Aufklärung“, in dem vom 28. April bis 15. August folgenden Sommersemester vierstündig über „Ethik und Kulturphilosophie“ sowie in dem vom 22. September bis 20. Dezember angesetzten zweiten Zwischensemester zweistündig über die „Philosophie der Geschichte“. Im anschließenden, vom 5. Januar bis 31. März 1920 dauernden Wintersemester hielt Troeltsch eine vierstündige Vorlesung über „Religionsphilosophie“. Vgl. zu den Zwischensemestern jeweils die separaten Vorlesungsverzeichnisse der Philosophischen Fakultät der Universität Berlin, für die regulären Semester die Vorlesungsverzeichnisse der gesamten Friedrich-Wilhelms-Universität. Troeltschs Vorlesung im zweiten Zwischensemester 1919 ist in einer 2006 edierten Nachschrift von Troeltschs Schüler Hans Baron (Details anzeigen) (1900-1988) überliefert. (Hans Baron: Ernst Troeltsch: Philosophie der Geschichte (2006) (Details anzeigen).)
3Troeltsch dachte hier vor allem an die 1910 in Kiel (Details anzeigen) bzw. 1911 in Tübingen (Details anzeigen) für Systematische Theologie habilitierten württembergischen Theologen Otto Lempp (Details anzeigen) und Hermann Süskind (Details anzeigen), die beide im Kriegseinsatz ums Leben gekommen waren. Süskind war im November 1914 noch an vierter Stelle im Fakultätsvorschlag für Troeltschs (Details anzeigen) Nachfolge in Heidelberg platziert worden. Vgl. Ernst Troeltsch: Zum Gedächtnis Otto Lempps und Hermann Süskinds (1915) (Details anzeigen).
4Textverlust durch Poststempel.

Register

aBerlin
bTillich, Paul
cHalle (Saale)
dBerlin
eTillich, Das Christentum und die Gesellschaftsprobleme der Gegenwart, 2001
fTroeltsch, Ernst
gBaron, Hans
hBaron, Ernst Troeltsch: Philosophie der Geschichte. Nachschrift der Berliner Vorle..., 2006
iKiel
jTübingen
kLempp, Otto
lSüskind, Hermann
mTroeltsch, Ernst
nTroeltsch, Zum Gedächtnis Otto Lempps und Hermann Süskinds, 1915
oTroeltsch, Ernst

Überlieferung

Signatur
USA, Boston, MA, Harvard University, Harvard Divinity School Library, Tillich, Paul, 1886‒1965. Papers, 1894‒1974, bMS 649/194(9)
Typ

Postkarte, eigenhändig

Postweg
Berlin-Charlottenburg - Berlin-Friedenau

Entitäten

Personen

Orte

Literatur

Zitiervorschlag

Postkarte von Ernst Troeltsch an Paul Tillich vom 14. Mai 1919, in: Paul Tillich, Korrespondenz. Digitale Edition, hg. von Christian Danz und Friedrich Wilhelm Graf. https://tillich-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L00608.html, Zugriff am ????.

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