Der editierte Text

| 99 Claremont Avenue
New York 27, N.Y. (Details anzeigen)
March 4, 1946

Lieber Harald (Details anzeigen):

Das war eine grosse Freude einmal direkt von Dir zu hoeren und dazu noch von Gertrud Siemsen (Details anzeigen). Uber Gertrud Siemsen (Details anzeigen) wusste ich nichts mehr seit Kriegsbeginn, dagegen habe ich korrespondiert mit dem andern „halben“ Kollegen Assistenten aus Frankfurt a/M/ (Details anzeigen), Franz Steinrath (Details anzeigen), der im Kriegsgefangenenlager ist und folgende Adresse hat: H 300248, P O W Camp 7. Great Britain (Details anzeigen). Er scheint daselbst seine Haupttaetigkeit aus Frankfurt a/M (Details anzeigen) fortzusetzen, naemlich philosophische Buecher zu lesen, Es ist so merkwuerdig zu erleben, wie sich eine verschlossene Welt wieder oeffnet,

Von Dir habe ich indirekt viel gehoert und nie anders als mit groesster Begeisterung. Ich bin sehr stolz darauf. Wie Du hast ertragen koennen, was Du durchgemacht hast mit den anderm, das ist mir unverstaendlich. Aber ich weiss aus meiner eignen Erfahrung, dass in konkreten Situationen man mehr Kraft in sich vorfindet, als man in vorgestellten Situationen glaubt haben zu koennen.

Ich habe Deine Berliner Adresse meinem Freunde Gerhard Colm (Details anzeigen) gegeben, ein hoher Beamter aus Washington (Details anzeigen) der fuer 3 Monate heruebergefahren ist und mit dem Du so offen wie mit mir sprechen kannst. Er wird versuchen, sich mit Dir in Verbindung zu setzen, aber vielleicht kannst Du ihm auch direkt im office von General Lucius Clay (Details anzeigen) erreichen. Er ist Civil- Finanz Sachverstaendiger. Er hat auch die Adresse meiner Schwester Elisabeth (Details anzeigen). Seht Ihr Euch manchmal? Auf alle Faelle gebe ich sie Dir noch einmal: Frau Pfarrer Seeberger (Details anzeigen), Berlin-Tempelhof (Details anzeigen), Friedrich Franz St. 10. Ich hoffe, dass wir bald wieder ein Paket schicken koennen, eventuell durch eine Gruppe von hiesigen Studenten, die an meine Freunde schicken, so weit es technisch moeglich ist. – Die Hoffnung, Euch wiederzusehen, wird wohl auf lang nicht erfuellt werden koennen. Es ist ausserordentlich schwer, selbst in dringenden Faellen einen Pass zu bekommen und unsereins koennte so wie so nur herueber, wenn er einen wichtigen Auftrag von hier oder einen dringenden Ruf von drueben hat. Das gilt fuer amerikanischen Buerger, die wir seit 1940 sind, ebenso wie fuer Nichtbuerger. Ich bin Dir besonders dankbar fuer Deinen Bericht ueber Fritzens in Teltow (Details anzeigen), ueber die ich mir oft Sorgen mache. Wenn Du Pakete kriegst, waere ich Dir dankbar, wenn Du etwas an meine Schwester Seeberger (Details anzeigen) und meinen Schwager Fritz (Details anzeigen) geben koenntest. Ich habe keinen andern Weg zu ihnen. Solltest Du meine Schwester (Details anzeigen) sehen, sage ihr doch, dass ihr und meines Schwagers Seeberger (Details anzeigen) |:Briefe1:|angekommen sind und dass wir dankbar, wenn auch tief erschuettert ueber jedes Wort sind, das sie geschrieben haben. Sage doch auch Pfarrer Fritz (Details anzeigen), dass ich gern einmal eine Nachricht von ihm haette.

Ich habe viele Aufsaetze, alle in englisch geschrieben, sie wuerden manche Baende ausmachen, und vielleicht wird bald ein Band herauskommen. Aber ich weiss nicht, ob ich Euch etwas davon schicken soll, da ich nicht weiss, wer von Euch englisch kann (Ich meine so, dass das Lesen keine Qual ist) Bitte schreib mir doch ueber all diese Dinge sobald Du Zeit und Gelegenheit hast. Ich habe nichts dagegen, wenn Du meine alte Sekretaerin (Details anzeigen) benutzt, falls Ihr noch eine Schreibmaschine habt. Gruess sie auf alle Faelle sehr herzlich.

P.S. Unseren Kindern geht es sehr gut, Erdmuthe (Details anzeigen) ist eine schoene College Studentin con 20 Jahren, Rene (Details anzeigen) ein hochaufgeschossener, kluger Junge von 10 Jahren.


Fußnoten, Anmerkungen

1liegen nicht vor

Register

aNew York City
bPoelchau, Harald
cSiemsen, Gertrud
dSiemsen, Gertrud
eFrankfurt am Main
fSteinrath, Franz
gGroßbritannien
hFrankfurt am Main
iColm, Gerhard
jWashington, D.C.
kClay, Lucius Dubignon
lSeeberger, Elisabeth
mSeeberger, Elisabeth
nBerlin-Tempelhof
oTeltow
pSeeberger, Elisabeth
qFritz, Alfred
rSeeberger, Elisabeth
sSeeberger, Erhard
tFritz, Alfred
uSiemsen, Gertrud
vTillich, Paul
wFarris, Erdmuthe
xTillich, René Johannes Stefan

Überlieferung

Signatur
USA, Cambridge, MA, Harvard University, Harvard Divinity School Library, Tillich, Paul, 1886-1965. Papers, 1894-1974.
Typ

Brief, maschinenschriftlich mit handschriflichen Einfügungen

Postweg
unbekannt - unbekannt
voriger Brief in der Korrespondenz
Brief von Harald Poelchau an Paul Tillichvom 8. Juli 1937
nächster Brief in der Korrespondenz
Brief von Harald Poelchau an Paul und Hannah Tillich vom 21. September 1946

Entitäten

Personen

Orte

Zitiervorschlag

Brief vpn Paul Tillich an Harald Poelchau vom 4. März 1946, in: Paul Tillich, Korrespondenz. Digitale Edition, hg. von Christian Danz und Friedrich Wilhelm Graf. https://tillich-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L11532.html, Zugriff am ????.

Für Belege in der Wikipedia

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