Der editierte Text

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Lieber Hermann! (Details anzeigen)

Deine beiden Briefe1 habe ich erhalten. sie kamen ziemlich kurz nacheinander an. Nicht nur ich, sondern alle unsere Freunde sind Dir zu grossem Dank für Deinen zweiten Brief2 verpflichtet. Während wir die Tatsachen hier meistens besser wissen, als die drin, sind uns solche Schilderungen, wie Du sie gibst, etwas völlig neues. Erst durch deinen Brief3 habe ich die reale ungeheure Gefahr der Paganisierung, von der ich hier oft gesprochen habe, kennen gelernt. In meinem hiesigen ersten Vortrag über die religiöse Lage in Deutschland sprach ich als mögliche Zukunftsperpektive von einer kleinen Insel orthodoxer Kirchlichkeit in einem Ozean von Heidentum. ich wusste damals noch nicht, da ich Deinen Brief4 noch nicht hatte, wie sehr diese Vision die Wirklichkeit war. Ich bitte Dich darum, schreibe, soviel Du irgend kannst. Es handelt sich darum, den Weltprotestantismus zu zwingen, die deutsche Realität als eigenes Schicksal zu sehen und auf sich zu nehmen. Denn auch hier gibt es einen entleerten Säkularismus und eine heidnisch-barbarische Unterströmung. In der nächsten Woche spreche ich über all diese Dinge in Chicago (Details anzeigen) und Berlin (Details anzeigen) an verschiedenen Universitäten. Es ist nur so schade, dass der Zwang, Englisch zu reden, alle feinen Nuancen unmöglich macht. Die Broschüren sind auch angekommen. Dass du mein geliebtes Italien (Details anzeigen) siehst, ist mir eine grosse Freude. In Rom (Details anzeigen) kannst Du mindestens hundert Kirchen grüssen, die ich mit Hannah (Details anzeigen) besucht habe. Und wenn Du unter den Zypressen der Villa d'Est in Tivoli (Details anzeigen) liegst, denke an uns.

Und nun Deine Frage nach dem Haus von G o e s c h (Details anzeigen) in Ascona (Details anzeigen). Nach unserer letzten Orientierung wohnt in dem einen dieser Häuser Baronin Fides Stitencron, die älteste Tochter von Goesch (Details anzeigen) mit ihrem Mann und ihren drei Kindern. An sie musst Du unter Berufung auf mich schreiben. Die Adresse ist: R o n c o sopra Ascona, Tessin (Schweiz) Casa Goesch (Details anzeigen). Falls irgend etwas frei ist, werden sie es Dir sehr gern vermieten, | da sie in schwieriger Geldlage sind. Falls Du keine positive Antwort bekommst, fahre einfach nach Ascona (Details anzeigen), nimm Dir für eine Nacht ein Hotel und suche Dir dann etwas. Du wirst reichlich billige Zimmer finden, und auch sonstige Möglichkeiten billig zu leben. Ronco (Details anzeigen) noch mehr als Ascona (Details anzeigen) ist ein Paradies. Doch ist Ascona (Details anzeigen) insofern günstiger, als es einen herrlichen Badestrand hat. Wenn Du lange dort bleibst, kann es passieren, dass ich auch dorthin komme. Denn ich plane sehr ernsthaft Ende Mai eine Forschungsreise nach Deutschland zu machen, in der die vorläufige Entscheidung über mein nächstes Jahr oder vielleicht die ganze Zukunft zu fallen hätte. Schreibe mir darum bitte dauernd Deine genaue Adresse. Und schreibe mir auch, was Du über die Möglichkeiten eines rein arbeitsmässigen völlig zurückgezogenen Daseins in Deutschland denkst. Denn dies ist im Grunde meine einzige Sehnsucht.

Schreibe bald wieder.

Sehr herzlich Dein

Paul (Details anzeigen)

Hannah (Details anzeigen) interessiert sich dafür, wie es deiner Mutter (Details anzeigen) in Deutschland geht? Ist sie ganz unbehelligt?


Fußnoten, Anmerkungen

1Nicht überliefert.
2Nicht überliefert.
3Nicht überliefert.
4Nicht überliefert.

Register

aSchafft, Hermann
bBerlin
cBerlin
dItalien
eRom
fTillich, Hannah
gBerlin
hSavigny, Friedrich Karl von
iAscona
jGoesch, Heinrich
kGoesch, Heinrich
lAscona
mAscona
nAscona
oAscona
pTillich, Paul
qTillich, Hannah
rSchafft, Johanna

Überlieferung

Signatur
USA, Cambridge, MA, Hessisches Staatsarchiv Marburg , Hessisches Staatsarchiv Marburg, 340 Schafft Nr. 19
Typ

Brief, maschinenschriftlich

Postweg
unbekannt - unbekannt
voriger Brief in der Korrespondenz
Undatierter Brief von Paul Tillich an Herrmann Schafft vermutlich Frühjahr 1934

Entitäten

Personen

Orte

Zitiervorschlag

Brief von Paul Tillich an Hermann Schafdtaus dem Jahr 1936, in: Paul Tillich, Korrespondenz. Digitale Edition, hg. von Christian Danz und Friedrich Wilhelm Graf. https://tillich-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L10249.html, Zugriff am ????.

Für Belege in der Wikipedia

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