Der editierte Text

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7.April 34

Lieber Paulus (Details anzeigen)!

Das Gerücht ist richtig: Ich sitze tatsächlich in dem Idyll K . Den Laden mach ich mit derlinken [sic!] Hand, sodass ich viel Musse habe, um zu lesen und zu sinnen. Da ich immer Reisetagebuch geführt habe, kann ich meine reichen Erinnerungen auf den Tag datieren und mir alles schön vergegenwärtigen.Remiscere.Man muss dafür sorgen, dass man Erinnerungen hat;ich habe dafür gesorgt.

Die Arbeit macht Freude, frisst mich nicht auf.So eine nette Vormittagsbeschäftigung ist für ältere Herren etwas ganz Reizendes.

Sooft es mir Spaass [sic!] macht, fahre ich ins Cafe Stadion am Reichskanzlerplatz (Details anzeigen), jetzigen Adolf Hitlerplatz.

Wir wohnen sooft wir wollen in Zehlendorf (Details anzeigen).

Wenn ich an dem Städtchen, in welchem Du mal Deine Arbeit über Schelling (Details anzeigen) schrie|:b:|st, vorüberfahre, denke ich unweigerlich an Dich.

Wir haben eine nette 6 Zimmer-Wohnung, sehr grossen Garten. Unser Sohn P. ist in Pommern (Details anzeigen) im Internat. In einem grossen See kann man stundenlang schwimmen.

Herrliche Frische gibt es in dem See.

Die Stadt ist ein Idyll und der Laden ist ein Idyll. Die vielen Heckenwege sind ein Idyll. Du siehst: dies ist die Tonart: Idyll. New York (Details anzeigen) würde auf mich wohl mehr wie ein sehr grosser Lunapark wirken; die Dämonie der Technik hat es mir nicht angetan, immer noch nicht. Wie Du weisst, sind des andere Dämonien, die auf mich wirken. Die priesterliche Provenienz verläugnet [sic!] sich nicht. Wann hätte dem Priester Technik imponiert! Macht, Geist, Eros, Magie... ja! Im heutigen Deutschland wird die Technik wohl geehrt, aber nicht überschätzt, Gottseidank. Die Technik steht wohl auf der Liste der zu betreuenden Gebiete, aber an letzter Stelle. Doch lassen wir das aus der Diskussion.

Idyll ist Schweigen des Dämonischen; aber es kann gerufen werden. Und | nur wenn es nicht gerufen werden kann, ist das Idyll unerträglich. Da der Adolf Hitlerplatz und der Nollendorfplatz und andere Plätze erreichbar sind, ist es – wunderschön.

Zuweilen sehe ich Giulio, der immer Feste vorbereitet, rührend eifrig und mit grösstem Talent. Leider kennst Du ihn nur ganz flüchtig. Er versorgt mich mit alten und neuen Bekannten, es hat sich gelohnt, ihn zu erziehen, zu dressieren, zu trainieren. Meisterlich!

Wenn Du schreibst, bitte an Lotte, die öfter hier ist.

Hello studiert in Tübingen (Details anzeigen), macht mir die grösste Freude; Wir korrespondieren zur Zeit über Leibniz. So was gibts noch.

Morgen sehe ich seine Mutter. Ich werde dort wohnen, wenn ein Zimmer frei ist.

So leben wir.

Was ist aus deiner Pension geworden? Wann wirst Du wieder dem Vaterlande dienen?

Gruss an Hannah. Dein

DOX (Details anzeigen)


Fußnoten, Anmerkungen

Register

aTillich, Paul
bTheodor-Heuss-Platz
cBerlin-Zehlendorf
dSchelling, Friedrich Wilhelm Joseph
ePommern
fNew York City
gTübingen
hWegener, Carl Richard

Überlieferung

Signatur
USA, Cambridge, MA, Harvard University, Harvard Divinity School Library, Tillich, Paul, 1886-1965. Papers, 1894-1974., bMS 649/202(45)
Typ

Brief, maschinenschriftlich

Postweg
unbekannt - unbekannt
voriger Brief in der Korrespondenz
Brief von Richard Wegener an Paul Tillich vom 5. September 1921
nächster Brief in der Korrespondenz
Brief von Richard Wegener an Paul Tillich vom 6. Januar 1935

Entitäten

Personen

Orte

Zitiervorschlag

Brief von Richard Wegener an Paul Tillich vom 7. April 1934, in: Paul Tillich, Korrespondenz. Digitale Edition, hg. von Christian Danz und Friedrich Wilhelm Graf. https://tillich-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L10033.html, Zugriff am ????.

Für Belege in der Wikipedia

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L10033.pdf