Der editierte Text

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D. 6te Jan.

Lieber Papa (Details anzeigen)!

Heute kam dein Brief vom Weihnachtstag (Details anzeigen). Ich antworte gleich, da morgen die „Europa“ fährt. Ich danke Dir sehr für alles Liebe was Du schreibst. Traurig nur, dass der Brief auch die Nachricht vom Tode Onkel Pauls (Details anzeigen) enthält. Ich habe ihn sehr geliebt und bedaure, dass er uns so fremd geworden ist, auch dass ich ihn zum Abschied nicht mehr gesehen habe. Wie schwer es für Dich ist, kann ich ganz fühlen. Vielleicht ist dies das Schwerste am Älterwerden, dass die nahen Menschen immer weniger werden. Etwas davon liegt ja auch in dem Schicksal der Zerstreuung, das mein Freundeskreis erfahren hat. Denn von kaum einem weiss man, ob und wann im Leben man ihn wieder sieht. Auch sind wir persönlich sehr getroffen von dem Tode unseres Freundes Heller (Details anzeigen), der in Spanien (Details anzeigen) letztlich an den Folgen seiner Lage an Herzschlag gestorbern ist, und für dessen wundervolle Frau (Details anzeigen), eine| Tochter des Dichers Falke (Details anzeigen)[,] wir uns jetzt alle bemühen. Unsere Haupttätigkeit vor Weihnachten bestand darin, dass wir Briefe nach Deutschland (Details anzeigen) und manches anderes Land schickten und dabei über Euch und all die anderen sprachen und Euch im Geiste nahe waren. Auch einen Baum haben wir besorgt, eine schöne Doppeltanne, die wir nicht mit Lametta, sondern mit Kugeln behängten; sehr schwer war es Lichter zu bekommen, da die New Jorker [sic!] alle, z. T. unter polizeilichem Druck wegen der Feuergefahr, bunte elektrische Birnen am Baum haben. Ausserdem war das grosse deutsche Geschäft, das diese Dinge hat, völlig ausverkauft; und die anderen führen keine Waren mehr, die von uns kommen. – Um ½ 5 (6 Stunden nach Euch) zündeten wir den Baum an. Erdmuthe (Details anzeigen) hatte so viele schöne Dinge von allen Leuten bekommen, daß wir kaum fertig wurden, um um 6 zu Niebuhrs (Details anzeigen) (Details anzeigen) zu gehen und um 8 zu Fries (Details anzeigen) [sic!] , also dem Theologischen und dem Philosophischen Freund. Es war bei| beiden sehr nett und herzlich; aber natürlich nicht das, was in Deutschland (Details anzeigen) war. Übrigens waren wir schon mittags eingeladen und am 1. Feiertag wieder Mittag und Abend; immer bei unseren Kollegen. Den 2ten Feiertag gibt es hier nicht; dafür waren wir am Abend in der Eröffnung der Metropolitain [sic!] -Opera, wohl das Glanzvollste, was wir an Gesellschaft je gesehen haben, sofern Glanz mit Hermelin und Diamanten identisch ist. In der Neujahrsnacht waren wir mit deutschen Freunden in der Stadt: Ein ungeheurer, überwältigender Betrieb und Lärm; aber trotz der gefallenen Prohibition harmlos und ordentlich. Die Hälfte von Fällen schwerer Betrunkenheit, viel |:weniger als:| unter dem Gesetz!! Im Übrigen wird die Arbeit immer schwerer und dringlicher. Schon habe ich 10 S. Kolleg in Englisch geschrieben und durchkorrigiert; aber es sind noch kaum 3 Kollegstunden von dem einen Kolleg. Das andere, schwerere habe ich noch kaum |:nicht:| angefangen! – Zwischen Weihnachten und Neujahr hatten wir hier den kältesten Tag seit 1917. Dabei waren wir auf dem Land, d. h. in einem der meilenlangen Land| hausvororten von New York (Details anzeigen) bei unseren Frankfurter Freunden Sommerfelds (Details anzeigen) (Details anzeigen), die wie übrigens die meisten unserer deutschen Bekannten in einem reizenden |:Land:|haus wohnen. – – –

Sonst wenig Neues; über Eure Sachen weiß ich ziemlich genau Bescheid, da die Frankfurter Zeitung regelmäßig kommt und die Times täglich fast über das Kirchliche berichten; es steht absolut im Brennpunkt der hiesigen kirchlich interessierten Kreise. – Lies den Brief in Tempelhof (Details anzeigen) und Teltow (Details anzeigen) vor und sage Frede (Details anzeigen), er soll mir doch die Barthschen Broschüren1 schicken und die Neue Kirche [o]der wie es heißt, bestellen. So etwas kommt doch nur selten her. – Das Heft für Dich haben wir damals in Hamburg (Details anzeigen) fertig gemacht. Pfarrer Hunzinger (Details anzeigen), Hamburg (Details anzeigen) 5, Koppel 11, sollte es eingeschrieben schicken. Wenn das nicht geschehen ist, schreibe doch eine Postkarte an ihn. Ich wäre sehr traurig, wenn es verloren gegangen wäre. Denn ich liebe es sehr und denke jetzt noch manchmal daran. – Danke Elisabeth (Details anzeigen) für das Bild und den Brief.2 Es ist alles richtig angekommen. Erdmuthe (Details anzeigen) geht es wieder gut. Sie macht große Fortschritte im Englischen. Hannah (Details anzeigen) versteht schon fast alles.

Bald mehr! In Liebe

Dein Paul (Details anzeigen)


Fußnoten, Anmerkungen

2Liegen nicht vor.

Register

aTillich, Johannes Oskar
bBrief von Johannes Tillich an Paul Tillich vom 27. Dezember 1933
cDürselen, Paul Rudolf
dHeller, Hermann
eSpanien
fHeller-Falke, Gertrud
gFalke, Gustav
hDeutschland
iGelb, Adhémar
jNiebuhr, Ursula M.
kNiebuhr, Reinhold
lFriess, Horace
mDeutschland
nNew York City
oSommerfeld, Martin
pSommerfeld, Helene
qBerlin-Tempelhof
rTeltow
sFritz, Alfred
tBarth, Theologische Existenz heute, 1933
uBarth, Für die Freiheit des Evangeliums, 1933
vBarth, Reformation als Entscheidung, 1933
wBarth, Lutherfeier 1933, 1933
xBarth, Die Kirche Jesu Christi, 1933
yHamburg
zHunzinger, Walther
aaHamburg
abSeeberger, Elisabeth
acGelb, Adhémar
adTillich, Hannah
aeTillich, Paul

Überlieferung

Signatur
USA, Cambridge, MA, Harvard University, Harvard Divinity School Library, Tillich, Paul, 1886-1965. Papers, 1894-1974., bMS 649/184(7)
Typ

Brief, eigenhändig

Postweg
unbekannt - Berlin
voriger Brief in der Korrespondenz
Brief von Johannes Tillich an Paul Tillich vom 27. Dezember 1933
nächster Brief in der Korrespondenz
Brief von Johannes Tillich an Paul Tillich vom 25. März 1934

Entitäten

Personen

Orte

Literatur

Erwähnte Briefe

Zitiervorschlag

Brief von Paul Tillich an Johannes Tillich vom 06. Januar 1934, in: Paul Tillich, Korrespondenz. Digitale Edition, hg. von Christian Danz und Friedrich Wilhelm Graf. https://tillich-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L10025.html, Zugriff am ????.

Für Belege in der Wikipedia

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L10025.pdf
erwähnte Briefe