Der editierte Text

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Sehr geehrter Herr (Details anzeigen)

Wir danken Ihnen verbindlichst für Ihr gefl. Schreibens vom 25. v. M. (Details anzeigen) und die Aufstellung des umfassenden Planes für die Wege zur Philosophie, von welchem wir Ihnen beiliegend die gewünschten zwei Abschriften übersenden. Es ist uns im Augenblick nicht möglich, auf das Ganze näher einzugehen.1

Vielleicht wäre es gut, wenn Thema 27, „Das System der Wissenschaften“, da es die Prinzipien der Einteilung betrifft, von Ihnen selbst als erstes bearbeitet würde. Sobald es uns möglich ist, werden wir auf die Sache zurückkommen. Für heute danken wir nochmals verbindlichst für die Umsicht, mit welcher Sie den Plan angefaßt haben. Herrn Albers (Details anzeigen) haben wir ebenfalls eine Abschrift gesandt.2


Fußnoten, Anmerkungen

1Tillich (Details anzeigen) hielt am 23. Juni 1920 auf dem 28. Evangelisch-sozialen Kongress in Berlin (Details anzeigen) ein Korreferat über „Masse und Persönlichkeit“, das in der Tagespresse aufmerksam wahrgenommen wurde. Auch der politisch rechts orientierte und deutschnationale Wilhelm Ruprecht (Details anzeigen) bekam von diesem Korreferat mit und zeigte sich weiter irritiert und skeptisch über Tillichs (Details anzeigen) politische Haltung. Am 9. Juli 1920 schrieb er diesbezüglich an Emanuel Hirsch (Details anzeigen) (Archivsignatur: Nachl. 494, G 1888–1936. G 1920. 125; Blatt 148–228): „Sollte T. (Details anzeigen) wirklich politisch so weit links gegangen sein? Angenehm wäre uns das nicht, wenn wir auch hoffen, daß er uns kein Kuckucksei in die Sammlung legen würde, wenn die Bezeichnung U. überhaupt richtig ist. [...] Vielleicht wissen Sie etwas darüber.“ Hirsch (Details anzeigen) versuchte zu beruhigen, er hielte Tillich (Details anzeigen) „für einen radikalen Tolstoianer mit Nietzsche (Details anzeigen)-Einschuß. Und zwischen Tolstoi (Details anzeigen)schülern und Unabhängigen (Marxisten, Bolschewisten) klaffen ja Gegensätze sehr tiefer Art. Vgl. das Schicksal Mereschkowski's (Details anzeigen)“ (Archivsignatur: ebd.).
Auch gegenüber dem liberalprotestanischen Berliner Pfarrer Wilhelm Schubring (Details anzeigen) äußerte sich Ruprecht (Details anzeigen) scheinbar skeptisch. Schubring (Details anzeigen) ergriff ebenfalls Partei für Tillich (Details anzeigen), erwähnte in diesem Zusammenhang jedoch Tillichs (Details anzeigen) schwer verständlichen Vortragsstil (Archivsignatur: Nachl. 494, G 1888–1936. G 1920. 126; Blatt 232–234): „Schneemelcher (Details anzeigen) sagte im Gegenteil: er hat die Kunst[,] einfache Dinge auf schwierige Begriffsreihen zu bringen.“ Dies sorgte bei Ruprecht (Details anzeigen) für Zweifel an der Eignung Tillichs (Details anzeigen) für die Herausgabe einer populären Reihe von Einführungen, die er wieder Hirsch (Details anzeigen) mitteilte (vgl. Brief von Wilhelm Ruprecht an Emanuel Hirsch vom 5. August 1920; Archivsignatur: Nachl. 494, G 1888–1936. G 1920. 125; Blatt 148–228). Hirsch (Details anzeigen) versuchte erneut zu beruhigen, Schubrings (Details anzeigen) Eindruck beruhe darauf, dass er andere Erwartungen an Tillichs (Details anzeigen) Vortrag hatte, der mehr idealistisch als praxisorientiert gewesen ist und „[w]ahrscheinlich sind Schubring (Details anzeigen) usw ältere Herren, die eine Leist[un]g danach beurteilen, ob sie die Tendenz billigen.“ In einem Zusatz ergänzte Hirsch (Details anzeigen): „Inzwischen bekam ich von einem relig.-sozial. Teilnehmer des Kongresses eine Schilder[un]g. Die relig.-soz. Hälfte der Zuhörer hat Tillichs (Details anzeigen) Vortrag als Höhepunkt empfunden. Es hat anscheinend zwischen 2 Gruppen auf dem Kongress ein Gegensatz bestanden, und Schubring (Details anzeigen) gehört ganz der einen Gruppe an“ (Archivsignatur: ebd.).
Ruprechts (Details anzeigen) Bedenken waren aber auch dadurch nicht ausgeräumt und er suchte weitere Beratung.
2Ruprecht (Details anzeigen) schickte die Abschrift an Albers (Details anzeigen) und teilte auch ihm den Tillich (Details anzeigen) genannten Vorschlag mit (Archivsignatur: Nachl. 494, G 1888–1936. G 1920. 124; Blatt 3–32): „Man sähe dann zugleich, ob Tillich (Details anzeigen) fähig ist, allgemein verständlich zu schreiben. Auf dem Evangelisch-sozialen Kongreß soll er ganz unverständlich orakelt haben. Das macht mir den ganzen Plan etwas unheimlich.“ Albers (Details anzeigen) antwortete umgehend (Archivsignatur: ebd.): „Ich habe die beste Hoffnungen auf Tillich (Details anzeigen). [...] Sein Plan ist klar, vernünftig und weckt hohe Erwartungen. Worüber hat er denn auf dem Ev.-soz. Kongreß orakelt? Ich kann auch klarer schreiben, als sprechen.“

Register

aTillich, Paul
bBrief von Paul Tillich an den Verlag Vandenhoeck & Ruprecht vom 25. August 1920
cTillich, Paul
dBerlin
eRuprecht, Wilhelm
fTillich, Paul
gHirsch, Emanuel
hTillich, Paul
iHirsch, Emanuel
jTillich, Paul
kNietzsche, Friedrich
lTolstoi, Lew Nikolajewitsch
mMereschkowski, Dimitri S.
nSchubring, Wilhelm
oRuprecht, Wilhelm
pSchubring, Wilhelm
qTillich, Paul
rTillich, Paul
sSchneemelcher, Wilhelm Christoph Robert August
tRuprecht, Wilhelm
uTillich, Paul
vHirsch, Emanuel
wHirsch, Emanuel
xSchubring, Wilhelm
yTillich, Paul
zSchubring, Wilhelm
aaHirsch, Emanuel
abTillich, Paul
acSchubring, Wilhelm
adRuprecht, Wilhelm
aeAlbers, August
afRuprecht, Wilhelm
agAlbers, August
ahTillich, Paul
aiTillich, Paul
ajAlbers, August
akTillich, Paul

Überlieferung

Signatur
Deutschland, Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz, Handschriftenabteilung, Nachlass 494 (Archiv des Verlages Vandenhoeck & Ruprecht), Nachl. 494, G 1888–1936. G 1920. 126; Blatt 350–395
Erstpublikation
Friedrich Wilhelm Graf: „Ein unbekannter Systementwurf Paul Tillichs. Zur Entstehungsgeschichte von Tillichs Das System der Wissenschaften nach Gegenständen und Methoden“ . In: Zeitschrift für Neuere Theologiegeschichte 27/1 (2020), S. 26–170, hier: 90.
Typ

Brief, maschinenschriftlicher Durchschlag
Adressiert: „3. September 20 Herrn Dr. Paul Tillich, Berlin-Friedenau.“

Postweg
unbekannt - Berlin-Friedenau

Entitäten

Personen

Orte

Briefe

Zitiervorschlag

Brief von Gustav Ruprecht an Paul Tillich vom 3. September 1920, in: Paul Tillich, Korrespondenz. Digitale Edition, hg. von Christian Danz und Friedrich Wilhelm Graf. https://tillich-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L00678.html, Zugriff am ????.

Für Belege in der Wikipedia

{{Internetquelle |url=https://tillich-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L00678.html |titel=Brief von Gustav Ruprecht an Paul Tillich vom 3. September 1920 |werk=Paul Tillich, Korrespondenz. Digitale Edition. |hrsg=Christian Danz, Friedrich Wilhelm Graf |sprache=de | datum=03.09.1920 |abruf=???? }}
L00678.pdf