Der editierte Text

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Tillich (Details anzeigen)
3041 Broadway November 1, 1949

New York 27, N.Y. (Details anzeigen)

Lieber Rathmann (Details anzeigen):

Ich beantworte Ihren heutigen Brief 1 umgehend. Die Tatsache, dass nun aus den Neuen Blaettern doch etwas werden soll, bewegt mich sehr. Ich hatte gedacht, dass der Plan wenig Aussicht auf Verwirklichung haette und Heimann (Details anzeigen) war noch pessimistischer als ich. Ich habe in der letzten Zeit kaum etwas in der politisch-religioesen Linie geschrieben. Meine letzte Veroeffentlichung, die gerade erschienen ist und von der ich Ihnen einen Sonderdruck schicken werde, sobald er da ist heisst: THE PRESENT THEOLOGICAL SITUATION IN THE LIGHT OF THE CONTINENTAL EUROPEAN DEVELOPMENT (Details anzeigen). Ich weiss nicht, ob er fuer die Zeitschrift geeignet sein wuerde.

Die PROTESTANT ERA (Details anzeigen) ist vor langer Zeit an Frau Albrecht (Details anzeigen) geschickt worden. Das Buch muss laengst angekommen sein.

Die Uebersetzungen, die ich habe, sind ausgezeichnet so weit ich sie angesehen habe. Es ist aber voellig ausgeschlossen, dass ich sie Wort fuer Wort durchsehe. Wenn Herr Braune (Details anzeigen) , der meine Theologie gut kennt, die endgueltige Redaktion der Uebersetzungen zu uebernehmen bereit waere, waere ich voellig beruhigt, dass kein ernsthafter Fehler vorkommen wuerde. Ich schicke Ihnen infolgedessen die 3 Manuscripte zurueck und bitte, mir keine weiteren zu schicken. Wenn die Uebersetzung auf dem gleichen Niveau bleibt, ist alles in Ordnung. Ich schicke einen Durchschlag dieses Briefes an Frau Albrecht (Details anzeigen). Ich habe auch eine Uebersetzung unter dem Titel MENSCH UND GESELLSCHAFT IM RELIGIOESEN SOZIALISMUS, von Dr. Mosse (Details anzeigen), dem Schwager von Panofsky (Details anzeigen), der hier im Union Theological Seminary arbeitet. Sie ist im ganzen und grossen ordentlich, nur am Anfang muesste der Text etwas fuer Ihre Zwecke zurecht gestutzt werden. Ich wuerde das Ihnen oder einem Ihrer Mitarbeiter ueberlassen.

Mir liegt vor allen Dingen am meisten daran, dass die PROTESTANT ERA (Details anzeigen) herauskommt. Ueber die Predigtsammlung hatte ich irgendwann eine Verhandlung, weiss aber nicht mehr mit wem. Und da ich seit einem Jahr nichts mehr darueber gehoert habe, nehme ich an, dass das Buch frei ist.

Mit Collmer (Details anzeigen)s Vorschlag, der auch mit mir frueher korrespondiert hat, bin ich sehr einverstanden. Was die andern Veroeffentlichungen betrifft, so ueberlasse ich Ihnen Auswahl und Organisation voellig. Ich habe in dem Jahr meinerv Rueckkehr aus Deutschland (Details anzeigen) erlebt, dass ich von hier aus einfach nichts tun und nichts entscheiden kann. Und um das zu begruenden, moechte ich Ihnen jetzt dazu meine Situation deutlich schildern. Ich habe einen Vertrag mit der University of Chicago (Details anzeigen) Press, dass der erste Band meiner Systematischen Theologie in diesem Oktober im Manuscript| abgeliefert werden soll. Vor naechsten Januar ist gar nicht daran zu denken und auch das ist nur moeglich, wenn ich jede halbe Stunde dafuer ausnutze. An der Fertigstellung haengt nun noch etwas anderes, sehr wichtiges. Ein Unternehmen, genannt „Library of Living Theology“ will ihren ersten Band ueber mich bringen. Er wird geschrieben von 12 Autoren, die ueber verschiedene Gebiete meines Denkens referrieren und sich kritisch aeussern. Ich antworte dann in einem kritischen Schlussteil. Das ist fuer meine Situation hier von groesster Bedeutung und koennte natuerlich auch in Deutschland (Details anzeigen) von grossem Interesse sein. Aber die Autoren, die dieses Buch schreiben, koennen erst an ihre Arbeit gehen, nachdem der erste Band meiner Systematischen Theologie in Druckbogen vorliegt. Das bedeutet natuerlich eine ausserordentliche Verschaerfung des Druckes auf mich den ersten Band fertig zu stellen. Ich gebe Ihnen darum die Vollmacht, mit Ihnen und meinen theologico-politischen Freunden alles mit meinem „Nachlass“ zu machen, was Sie wollen. Ich kann einfach nicht helfen und ich weiss, dass ich bei Euch Allen in guten Haenden bin. Ich weiss das besonders, seit ich die Uebersetzungen gesehen habe.

Ich habe von Steinrath (Details anzeigen)'s Tod nichts gewusst und bin aufs Tiefste erschuettert. Woran ist er gestorben? Ich hoffe, dass Gertie Siemsen (Details anzeigen) mir Naeheres schreiben wird.

Wegen meiner Reise nach Deutschland (Details anzeigen) habe ich vor einigen Wochen einen Brief an Braune (Details anzeigen)2 geschrieben, den er offenbar noch nicht beantworten konnte, da die Frage der Finanzierung noch nicht erledigt ist. Bis das geschehen ist, kann ich nichts Definitives ueber mein Kommen sagen. Im uebrigen haengt das Problem auch recht eng zusammen mit der Frage meiner Systematischen Theologie. Sagen Sie doch Braune (Details anzeigen), dass ich fuer eine vorlaeufige Antwort auf die anderen Fragen (Fakultaet etc.) sehr dankbar waere.

P.S. ich finde einen Aufsatz, den mir Heimann (Details anzeigen) gegeben hat unter dem Titel „Sozialismus.“ Ich weiss nicht wo er herkam und was Sie mit ihm machen koennen.|:1000 Dank! Und Gruss Ihnen dreien! Paulus T. (Details anzeigen):|


Fußnoten, Anmerkungen

1liegt nicht vor
2liegt nicht vor

Register

aTillich, Paul
bNew York City
cRathmann, August
dHeimann, Eduard
e
f
gAlbrecht, Renate
hBraune, Walther
iAlbrecht, Renate
jMosse, Dr.
kPanofsky
l
mCollmer, Paul
nDeutschland
oChicago, Illinois
pDeutschland
qSteinrath, Franz
rSiemsen, Gertrud
sDeutschland
tBraune, Walther
uBraune, Walther
vTillich, Paul
wHeimann, Eduard
xTillich, Paul

Überlieferung

Signatur
USA, Cambridge, MA, Harvard University, Harvard Divinity School Library, Tillich, Paul, 1886-1965. Papers, 1894-1974., bMS 117(14)
Typ

Brief, maschineschriftlich mit handschriftlichen Einfügungen

Postweg
unbekannt - unbekannt
voriger Brief in der Korrespondenz
Brief von Paul Tillich an August Rathmann vom 20. Mai 1949

Entitäten

Personen

Orte

Zitiervorschlag

Brief von Paul Tillich an August Rathmann vom 1. November 1949, in: Paul Tillich, Korrespondenz. Digitale Edition, hg. von Christian Danz und Friedrich Wilhelm Graf. https://tillich-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L11302.html, Zugriff am ????.

Für Belege in der Wikipedia

{{Internetquelle |url=https://tillich-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L11302.html |titel=Brief von Paul Tillich an August Rathmann vom 1. November 1949 |werk=Paul Tillich, Korrespondenz. Digitale Edition. |hrsg=Christian Danz, Friedrich Wilhelm Graf |sprache=de | datum=01.11.1949 |abruf=???? }}
L11302.pdf