Brief von Eugen Rosenstock–Huessy an Paul Tillich vom 5. Februar 1935

Zum TEI/XML DokumentDeprecated PDFAls PDF herunterladen

Der editierte Text

|
Ständige Adresse Aarau (Details anzeigen) Schweiz (Details anzeigen) Landhausstrasse bei Hüssy
Auf Deck der Rotterdam Sonntag 12.5.

Lieber Tillich (Details anzeigen),

Ich wollte noch etwas meinen Akten auf der Durchreise durch New York (Details anzeigen) hinzufügen; indes ich wüsste zu Gut, dass Sie wie Sie gesagt hatten, gerade an jenem Tage besetzt waren. Es half aber alles nichts: die Ohren läuteten mir von Tillichs: Hildedore Kantorowicz (Details anzeigen).1 {Dean Suerry (Details anzeigen)} und {C.S. Danderiner (Details anzeigen)}, ungefähr die 3 einzigen Personen, die ich in New York (Details anzeigen) sprach, sprachen auch an Ihnen und Ihrer Frau (Details anzeigen). Wenn dieser Brief übers Meer zurückgereist sein wird, wird hoffentlich bei Ihnen alles wünschbar und heilsam verlaufen sein. Spendieren Sie eine Postkarte.

Die Zusätze zu meinen Daten betreffen nur Juli Persönlichkeiten in der Schweiz (Details anzeigen), durch die vielleicht Ihr Freund (Details anzeigen) seine Angriffsbasis {verweitern} kann: Das eine ist der Missionsdirektur Hartenstein (Details anzeigen) in Basel (Details anzeigen), das andere der bekannten Augustinus–Weise Eugen Zeller (Details anzeigen), Direktur von Beuggen (Details anzeigen), dem schweizer Waisenhaus| auf Badischem Boden. Hartenstein (Details anzeigen) ist noch – für Schweizer Begriffe – sehr jung, Eugen Zeller (Details anzeigen) ist schon ein Patriarcher „und seine Stimme gilt was in der Gemeinde.“ Er ist natürlich kein Professor, aber ein Theologe von Graden ist er trotzdem.

Ich habe das– beinahe hätte ich geschrieben: Schweizer Schiff– „Rotterdam (Details anzeigen)“ gewählt, weil es mir trotz Rückreisebillets nicht passte, auf der „Deutschland (Details anzeigen)“ in irgend eine falsche Rolle gedrängt zu werden. Diese tugendhaften Bedenken haben natürlich die Folge, dass man mit der geringen Geizlosigkeit holländischer Tugend vorlieb nehmen muss. In Holland (Details anzeigen) herrschen ja Tugend Sauberkeit und Hässlichkeit[,] diese drei und zwischen Ihnen als dem Dialektiker und mir als dem Trinitarier kann nur die Frage sein, ob wir diese drei als unabhängig an einander oder wechselseitig bedingt der Seiten der selben Substanz anzusehen haben.|

Meine Reise in die Schweiz (Details anzeigen), das Herüberholen meiner Frau (Details anzeigen), und schliesslich mein Werben um den Schweizer {Doktorhut} – sie kommen mir doch auch jetzt, wo ich mich Europa (Details anzeigen) nähere,– nur als endgültiges aufpacken aller Habseligkeiten vor. Neben der mir deutschen Vergangenheit, die ich 1933 mitnehmen konnte, haben wir oder speziell ich eben noch eine schweizerisch–europäische Vergangenheit und auch diese bedarf einer letzten Abklärung und Dokumentierung. Es ist weniger eine Rückkehr als die Durchschreitung jenes bekannten Spieles wie ein Wolf, ein Kohlkopf und ein Schaf übers Wasser geschafft werden können. Das geht nicht mit einer Überfahrt. Erst fuhr ich, dann Frau (Details anzeigen) und Sohn (Details anzeigen), und nun müssen noch mal Mann und Frau folgen. Ich schreibe Ihnen diese Erfahrung zwecks Traumdeuterei Ihrer eigenen Wünsche. Wenn Sie versprechen, vom | Pfluge nicht zurückzublicken sondern nur nach der Schweiz (Details anzeigen) müssen um endgültig nach Amerika (Details anzeigen) fahren zu können, so tun Sie das in Gottesnamen. Denn vielleicht sind Sie das erste Mal noch nicht genz hinübergelangt. Aber fahren Sie nicht aus irgend welchen Gründen der Nächstenliebe oder Politik.

Im übrigen sind Ratschläge ja dazu da, nicht befolgt zu werden. Kennen Sie Ernst Michels (Details anzeigen)Von der kirchlichen Sendung der Laien (Details anzeigen)“? Er hat darin seinen guten Exkurs über das Thema Ihrer Cambridger Vorlesung, über die kirchliche Lehre von der {Ungefänglichkeit} zum Guten. Er ist sehr klar und enthält allen Segen Barths (Details anzeigen) was man sich nur wünschen kann. Da Sie Glaube ich das gemein katholische Element ja auch unbefangen bejahen, so empfehle ich Ihnen diese Laiengeste und prägnanteste Darstellung. Ich kann Ihnen das Buch schicken. ———

Mit guten Wünschen Ihr

Eugen Rosenstock (Details anzeigen)


Fußnoten, Anmerkungen

1„Hildedore“ bezieht sich auf Hildegard Dorothea Oldenburg die Tochter von Dorothea (Details anzeigen) (geb. Rosenstock) und Hermann Ulrich Kantorowicz (Details anzeigen).

Register

aAarau
bSchweiz
cTillich, Paul
dNew York City
eOldenburg, Hildegard Dorothea
fOldenburg, Hildegard Dorothea
gKantorowicz, Hermann Ulrich
hDean Swrry
iDanderiner, C.S.
jNew York City
kTillich, Hannah
lSchweiz
m
nHartenstein, Karl
oBasel
pZeller, Eugen
qBeuggen
rHartenstein, Karl
sZeller, Eugen
tRotterdam
uDeutschland
vHolland
wSchweiz
xRosenstock–Huessy, Margrit
yEuropa
zRosenstock, Paula
aaRosenstock Huessy, Hans
abSchweiz
acVereinigte Staaten von Amerika
adMichel, Ernst
aeMichel, Von der kirchlichen Sendung der Laien, 1934
afRosenstock- Huessy, Eugen
agRosenstock- Huessy, Eugen

Überlieferung

Signatur
USA, Cambridge, MA, Harvard University, Harvard Divinity School Library, Tillich, Paul, 1886-1965. Papers, 1894-1974., bMS 649/180(7)
Typ

Brief, handschriftlich

Postweg
Auf Deck der Rotterdam zwischen New York und Boulogne - unbekannt
voriger Brief in der Korrespondenz
Brief von Eugen Rosenstock an Paul Tillich vom 7. Februar 1935
nächster Brief in der Korrespondenz
Brief von Eugen Rosenstock–Huessy an Paul Tillich vom 3. Juni 1935

Entitäten

Personen

Orte

Literatur

Zitiervorschlag

Brief von Eugen Rosenstock–Huessy an Paul Tillich vom 5. Februar 1935, in: Paul Tillich, Korrespondenz. Digitale Edition, hg. von Christian Danz und Friedrich Wilhelm Graf. https://tillich-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L10199.html, Zugriff am ????.

Für Belege in der Wikipedia

{{Internetquelle |url=https://tillich-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L10199.html |titel=Brief von Eugen Rosenstock–Huessy an Paul Tillich vom 5. Februar 1935 |werk=Paul Tillich, Korrespondenz. Digitale Edition. |hrsg=Christian Danz, Friedrich Wilhelm Graf |sprache=de | datum=12.05.1935 |abruf=???? }}
L10199.pdf