Der editierte Text

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Lieber Tillich (Details anzeigen),

Da bin ich nun in Zürich (Details anzeigen) aber noch ohne Nachricht von dem Ergehen Ihrer Frau (Details anzeigen). Wir wünschen so sehr dass alles möge gut gegangen sein. Meine Frau (Details anzeigen) sprach Schafft (Details anzeigen) in Cassel (Details anzeigen). Er war sehr interessiert zu erfahren ob Sie kämen oder nicht. Ich ging mit meiner Frau (Details anzeigen) die Orte durch. Wenn Sie kommen, sind Sie Ihren Freunden natürlich im St. Gallischen, Toggenburg (Details anzeigen) und Südufer des Untersees am erreichbarsten. Der „Adler“ in Grueningen (Details anzeigen) ist reizend1. Aber natürlich heiss im Hochsommer. Ich werde irgendwo dort zwischen 10. Und 20. angereist vor der Ausreise meiner Mutter (Details anzeigen) zu treffen suchen, falls sie reisefähig ist–was noch nicht feststeht. Hier war das erste ein Nierensteinanfall. Ich gehe daher statt nach Tarasp (Details anzeigen) in ein steintreibendes Bad, wahrscheinlich Fiuggi (Details anzeigen). Dass ich nächstes Jahr| in Harvard und Dartmouth zu dozieren habe, werden Sie inzwischen in der New York Times gelesen haben. Die Botschaft kam fast gleichzeitig aus Dartmouth und aus der New York Times. Die Presse in Amerika (Details anzeigen) ist eben fast so gut wie hier die Erdbeeren und die Blumen.

Inzwischen hat man Ihnen aus Cambridge (Details anzeigen) hoffentlich mein Exemplar der Ausgabe von Franz Rosenzweigs (Details anzeigen) Briefen übersandt2. Ich möchte dies – an Frau R. (Details anzeigen) mir gegebene – Ex–. Ihnen schenken, denn meine Frau (Details anzeigen) hat das Buch noch einmal. Ich brauche Ihnen nicht zu sagen, wie wichtig dieser Band ist. So wie man sonst–selten genug – den „Dichter“, den Grossen Arzt, den Musiker, kurz den der etwas tun muss, aus einem Briefband kommen beruf, so hier den grossen Lehrer der Theologie unter den Juden. Durch R"s (Details anzeigen) Bemer| kungen über unseren Briefwechsel wird dieser Ihnen vermutlich klarer als alles andere unser Dreieck Heidentum Judentum Christentum erhellen. Es geht weder das Judentum als Heidentum, noch das Christentum als Judentum zu frisieren, obschon es versucht worden ist, letzteres von Ihnen, und vielleicht sogar versucht worden muss. Es ist aber an den Briefen ja wichtiger, dass die Schlacht gegen den Rationalismus geschlagen wird, und dass dies zuerst von jüdischer Seite geschehen musste, ist klar. Denn die Juden sind relativ stärker auf den Rationalismus hineingefallen als die Heiden und als die Christen im letzten Jahrhundert. Wegen dieser Schlacht ist Rosenzweig (Details anzeigen) der Maimonides (Details anzeigen) unserer christlichen neuen Scholastik.

Ich bin durch den Stein noch| etwas in Mitleidenschaft gezogen, daher ein schlechter Schreiber.

Lassen Sie uns auch hören, wie Sie sich für den Sommer entscheiden. Mein Grundstück hier ist der absoluter Ruhe, endloser Zeit und Noch – lange – nichts – Geschehens. Sie versäumen – (ausser im Kreise Ihrer Freunde) – in diesem Europa nichts. Das braucht noch Jahre, ehe es zu einer geistigen oder seelischen Tat sich aufrafft. Die Zerlaufenheit und Zerlassenheit sind viel wirklicher – auch in Deutschland (Details anzeigen) vermutlicher – als die Zielstrebige Kraftmeierei. Wie könnte es auch anders sein, als dass eine auf eine Erschöpfung auf gefälschte Hirschaktivität die Leere grausig vergrüssen muss?


Fußnoten, Anmerkungen

1Hier handelt es sich um ein Gasthaus mit dem Namen „Adler“.
2Diese Briefe liegen nicht vor

Register

aAarau
bSchweiz
cZürich
dTillich, Paul
eZürich
fTillich, Hannah
gRosenstock–Huessy, Margrit
hSchafft, Hermann
iKassel
jRosenstock–Huessy, Margrit
kToggenburg St. Gallen
lGrueningen
mRosenstock, Paula
nTarasp
oFiuggi
pVereinigte Staaten von Amerika
qCambridge, MA
rRosenzweig, Franz
sFrau R.
tRosenstock–Huessy, Margrit
uFrau R.
vRosenzweig, Franz
wMaimonides
xDeutschland
yRosenstock- Huessy, Eugen

Überlieferung

Signatur
USA, Cambridge, MA, Harvard University, Harvard Divinity School Library, Tillich, Paul, 1886-1965. Papers, 1894-1974., bMS 649/180(7)
Typ

Brief, handschriftlich

Postweg
Zürich - unbekannt
voriger Brief in der Korrespondenz
Brief von Eugen Rosenstock–Huessy an Paul Tillich vom 5. Februar 1935
nächster Brief in der Korrespondenz
Brief von Eugen Rosenstock–Huessy an Paul Tillich vom 14. Juni 1935

Entitäten

Personen

Orte

Zitiervorschlag

Brief von Eugen Rosenstock–Huessy an Paul Tillich vom 3. Juni 1935, in: Paul Tillich, Korrespondenz. Digitale Edition, hg. von Christian Danz und Friedrich Wilhelm Graf. https://tillich-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L10203.html, Zugriff am ????.

Für Belege in der Wikipedia

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L10203.pdf