Der editierte Text

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20. Febr. 1935

Mein liebes kleines Schwesterchen (Details anzeigen)!

Du hast einen so guten und lieben Brief an mich geschrieben, dass ich gleich antworten muss. Also ich sitze seit 2. Jan. hier in Chicago (Details anzeigen) in einer Junggesellen-Wohnung, während Hannah (Details anzeigen) mit Leib und Seele an ihrem Kommenden arbeitet. Es hat einige Vorzüge, mal allein in einer fremden Stadt zu leben; man hat Ruhe zu sich selbst zu kommen; was in New York (Details anzeigen) fast unmöglich ist. Auch kann diese und jene Arbeit gedeihen, die in New York (Details anzeigen), das sich zu einer Kombination von Frankfurt (Details anzeigen), Dresden (Details anzeigen) und Berlin (Details anzeigen) entwickelt hat, ebenfalls unmöglich ist. Über die Stadt Chicago (Details anzeigen) habe ich in dem Brief 1 an Vaterchen (Details anzeigen) einiges geschrieben; in einem späteren Rundbrief (Details anzeigen) soll mehr folgen. Voriges Weekend war ich in Detroit (Details anzeigen), der Welt-Auto-Centrale, und habe die Ford-Werke besichtigt. Am 14. Januar März will ich{z} mit einem Seminar in Autos nach New Orleans (Details anzeigen) am Golf von Mexico (Details anzeigen) fahren und dann allein über Florida (Details anzeigen) und die Atlantische Küste zurück. Ich freue mich sehr darauf. Es | ist eine Fahrt wie etwa Berlin (Details anzeigen)-Spanien (Details anzeigen)-Nordafrika (Details anzeigen)-Ägypten (Details anzeigen)-Konstantinopel (Details anzeigen)-Moskau (Details anzeigen)... das Fahrgeld für das Ganze sind keine 40 Dollar! Hier habe ich schrecklich viel zu tun; ausser den 4 Stunden Kolleg dauernd Vorträge und Diskussionen. Jedenfalls bin ich hier ganz anders in Amerika (Details anzeigen) als in New York (Details anzeigen) und das ist gut...... denn was bleibt mir anders übrig, als hier eine Existenz zu gründen... und mein Schwesterchen (Details anzeigen) möglichst alle zwei Jahre einmal in Europa (Details anzeigen) zu treffen... Ich freue mich über alles, was Du über Euch und die Kinder schreibst, ausser dass es Erhard (Details anzeigen) nicht gut geht. Kann er nicht im April auf einen Monat nach Italien (Details anzeigen)? Vielleicht kann Vaterchen (Details anzeigen) etwas helfen! Schließlich ist seine Gesundheit die Grundlage Euer aller Existenz!–– Von Frede (Details anzeigen) und Trudchen (Details anzeigen) lange nichts gehört. Wahrscheinlich sind sie mir etwas böse wegen {Mane}. Aber nach aller Reaktion, die ich gelesen habe, kann ich nicht anders als es voll bejahen.–– Inzwischen habt ihr vielleicht schon seine Entgegnung auf die ich{?} warte. – Erdmuthe (Details anzeigen) entwickelt sich höchst produktiv, ohne aufzuhören, höchst kindlich zu sein. Wir | sind sehr glücklich über sie. Der Geburt sehe ich, wie selbstverständlich, mit Freude und Sorge zugleich entgegen. – Die Autobiographie, von der ich Vaterchen (Details anzeigen) schrieb, ist nun zu Stande gekommen; Ich werde im Mai daran arbeiten.

Nun noch einige Bitten:

1) Ist die Kiste an Delliehausen (Details anzeigen) weg? Wenn nicht, bitte sofort, da die Bücher jetzt abgehen. Ich erwarte sie mit Sehnsucht; aber es ist natürlich ein Stückchen Trennung mehr.

2) Kannst Du Dich nicht einmal auf dem Ministerium bei Deinem Bekannten erkundigen, wie meine rechtliche Lage ist. [sic!] Ich nehme an, dass die Pension ruht, aber jederzeit wieder aufgenommen werden kann, wenn ich zurückkomme. Oder trifft das nicht zu?

3) Bitte schicke doch 10M an Herrn Pfarrer (Details anzeigen), Dresden A. 27, Krausestr. 3. mit dem Bemerken: 'als Dank und Beihilfe von P.T. (Details anzeigen)'

Habt ihr die 'Geschichte von Joseph und seinen Brüdern' von Thomas Mann (Details anzeigen) gelesen? Sonst tut es gleich! Es macht die | Geschichten ungeheuer lebendig und ist voll von Lebensweisheit. Auch Erhard (Details anzeigen) kann viel für die Predigt daraus lernen.

Nun muss ich Schluss machen und die englische Übersetzung eines Aufsatzes von mir über Barth (Details anzeigen) durchsehen.

Unsere Freunde Wolfers (Erdmuthes (Details anzeigen) Patin) sind Yale-University (Details anzeigen) Direktoren eines College geworden, eine fabelhafte Sache für Amerika (Details anzeigen) und eine glänzende Stellung, allerdings vor allem repräsentativ.

Und nun leb wohl mit Gruß und Kuss!

Dein großer Bruder! (Details anzeigen)


Fußnoten, Anmerkungen

1nicht überliefert

Register

aSeeberger, Elisabeth
bChicago, Illinois
cTillich, Hannah
dNew York City
eNew York City
fFrankfurt am Main
gDresden
hBerlin
iChicago, Illinois
jTillich, Johannes Oskar
kRundbrief von Paul Tillich an Unbekanntvom 17. April 1935
lDetroit, USA
mNew Orleans, Louisiana
nGolf von Mexico
oFlorida
pBerlin
qSpanien
rNordafrika
s
tIstanbul
uMoskau
vVereinigte Staaten von Amerika
wNew York City
xSeeberger, Elisabeth
yEuropa
zSeeberger, Erhard
aaItalien
abTillich, Johannes Oskar
acFritz, Alfred
adFritz, Gertrude
aeFarris, Erdmuthe
afTillich, Johannes Oskar
agDelliehausen, Georg
ahAé, Karl
aiTillich, Paul
ajMann, Thomas
akSeeberger, Erhard
alBarth, Karl
amFarris, Erdmuthe
anYale University
ao
apTillich, Paul

Überlieferung

Signatur
USA, Cambridge, MA, Harvard University, Harvard Divinity School Library, Tillich, Paul, 1886-1965. Papers, 1894-1974., bMS 649/184(9)
Typ

Brief, eigenhändig

Postweg
unbekannt - unbekannt
voriger Brief in der Korrespondenz
Brief von Paul Tillich an Elisabeth Tillich vom Weihnachten 1935
nächster Brief in der Korrespondenz
Brief von Paul Tillich an Elisabeth Seeberger vom 2. Mai 1935

Entitäten

Personen

Orte

Erwähnte Briefe

Zitiervorschlag

Brief von Paul Tillich an Elisabeth Tillich vom 20. Februar 1935, in: Paul Tillich, Korrespondenz. Digitale Edition, hg. von Christian Danz und Friedrich Wilhelm Graf. https://tillich-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L10167.html, Zugriff am ????.

Für Belege in der Wikipedia

{{Internetquelle |url=https://tillich-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L10167.html |titel=Brief von Paul Tillich an Elisabeth Tillich vom 20. Februar 1935 |werk=Paul Tillich, Korrespondenz. Digitale Edition. |hrsg=Christian Danz, Friedrich Wilhelm Graf |sprache=de | datum=20.02.1935 |abruf=???? }}
L10167.pdf
erwähnte Briefe