Der editierte Text

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den 28 Mai 1934.

Lieber Onkel Paul (Details anzeigen)!

Nun habe ich endlich Zeit, Dir einmal einen Brief zu schreiben. Und ich will gleich mit dem anfangen, mit dem ich mich am meisten jetzt beschäftige, nämlich mit dem Jungvolk. Wie du weißt, ist die evangelische Jugend im Februar in die HJ. (Hitlerjugend) eingegliedert worden. Der Bund für Deutsche Bibelkreise an höhere Schule (BiK) löste sich selber auf. Ein Teil von uns ging dann in die H.J. und ein Teil darunter auch ich, ins Junfvolk. Du willst sicher gerne wissen, was eigentlich Jungvolk ist. Jungvolk ist die Jugend, die organisatorisch von 9-14 Jahren als deutsche Jugend zusammengefaßt worden ist. Also eine Unterabteilung und zwar die Jüngeren. Dort übernahm ich eine Jungenschaft (15 Jungens). Und war Ostern und Pfingsten auf Fahrt hinaus auf das Land. Da habe ich nun richtig die Jungen kennengelernt, die aus allen Ständen des deutschen Vaterlandes zusammengewürfelt sind.

| Sah daß, was ihnen Spaß machte, was sie denken, was sie fühlen. Zumal ich Pfingsten die Fahrt selber führte und nur 9 Mann mithatte. Eines steht an der Spitze, und das heißt: Kameradschaft und dieses ist beinah alles. - Pfingsten war ich mit ihnen auf einem Baumhof und das {¿¿¿}, die Pferde und alles das andere was zur Baumwirtschaft gehört, das war ihnen fremd. Aber sie interessieren sich eher viel dafür. Beinahe unbändig waren sie, als man ihnen ein 1/4 Stundes Bullenkälbchen zeigt. - Viele von ihnen haben heute noch sehr schlechte und schwierige Verhältniße zu Hause, die Nicht aus wirtschaftlichen, sondern aus anderen Nöten entspringen. Aber auf Fahrt wird alles vergessen, und sie fühlen sich von Neuem mit der Natur vereinigt und verwachsen. Ab und zu machte ich auch mit ihnen Spiele im Wald. Da schlichen sie sich {¿¿¿} an wie Indianer. Um den rechten {¿¿¿...¿¿¿} zu finden. Es war sehr anstrengend aber auch sehr lehrreich und schön.

Einmal in der Woche haben sie Dienst, da haben die Jungenschaft {¿¿¿} den wir Führer ausgestalten. Da wird dann viel von Weltkrieg | vorgelesen und {¿¿¿}. Die ist vielleicht das Hauptthema bei den Jungenschaftsabenden, bisweilen lesen wir ihnen auch von dem Leben und Werken eines Horst Wessels (Details anzeigen) oder von anderen Weltkriegshelden. ----

In der Schule haben wir auch eine sehr neues und interessantes Fach zu bekommen nämlich Biologie, Vererbungslehre und Rassenkunde. Da lernen wir dann von Zellenteilung, von der Vererbungslehre von Mendel (Details anzeigen) und noch viel mehr in diesem Sinne. Außerdem habe ich jetzt viel Griechisch, nämlich 8 Stunden in der Wohe, denn Oktober beginnen wir mit dem Xenophon. Neulich waren wir, von der neuen evangelischen Jugend, die ihre Aufgabe darin sieht, die Jugend allein um das Wort zu scharren, in Dahlem (Details anzeigen), wo der Führer von den Jungenmannschaften des BiK Pfarrer Udo Smidt (Details anzeigen) sprach und dann auch der Pfarrer von Dahlem (Details anzeigen). --

| Morgen fährt Tante Liesel (Details anzeigen) wieder nach Hause, es ist sehr schade, denn es waren sehr schöne Tage mit ihr zusammen. Nun grüße Bitte Tante Hannah (Details anzeigen) und Erdmuthe (Details anzeigen), und sei selbst herzlich gegrüßt

von Deinem treuen Wolfen

Hans Jürgen (Details anzeigen)


Fußnoten, Anmerkungen

Register

aTillich, Paul
bWessel, Horst
cMendel, Gregor
dDahlem
e;
fDahlem
gSeeberger, Elisabeth
hTillich, Hannah
iFarris, Erdmuthe
jSeeberger, Hans-Jürgen

Überlieferung

Signatur
USA, Cambridge, MA, Harvard University, Harvard Divinity School Library, Tillich, Paul, 1886-1965. Papers, 1894-1974., bMS 649/184(19)
Typ

Brief, handschriftlich

Postweg
unbekannt - unbekannt
voriger Brief in der Korrespondenz
Brief von Hans-Jürgen Seeberger an Paul Tillich vom 2. Januar 1934

Entitäten

Personen

Orte

Zitiervorschlag

Brief von Hans-Jürgen Seeberger an Paul Tillich vom 28. Mai 1934, in: Paul Tillich, Korrespondenz. Digitale Edition, hg. von Christian Danz und Friedrich Wilhelm Graf. https://tillich-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L10047.html, Zugriff am ????.

Für Belege in der Wikipedia

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