Der editierte Text

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Lieber Onkel Paul (Details anzeigen)!

lass Dir bitte noch einmal für Deinen Besuch unf für alles das, was Du gesagt hast, von Herzen danken. Ich will nicht viel Worte davon machen - vielleicht ist es ja auch gar nicht gut, jemand zu sagen, wie sehr man ihn schätzt. Aber gegenüber so manchen Blödigkeiten, die auch gestern Abend über Euer und unser Verhältnis zueinander - Ihr, die Ihr so lange draussen wart und dort auch wirklich eine neue Heimat erworben habt, und wir, die wir aus irgendwelchen Gründen hier bleiben dürften - gesagtworden ist, möchte ich es noch einmal aussprechen, was ich auch schon gestern zu Dir persönlich gesprochen wissen wollte: wir haben Euch wirklich nötig, nicht als Zurückkehrende, aber als Gäste und Freunde. Die Zeit der Kämpfe geht nicht spurlos an uns vorrüber, und wir haben viel Enigkeit und Leidenschaftlichkeit zu überwingden. Es ist eine sehr grosse Belastung, schon wieder in solcher Not zu stehen, der wir entronnen zu sein glaubten, und die Verantwortung in ihr zu tragen. Ich habe gewiss von da her eine übertriebene sentimentale Sehnsucht nach Kameradschaft, und es fällt mir schwer einzusehen, wie allein man in dieser Situation ist. Ich bin dem gar nicht gut gewachsen und manche Empfindlichkeit für den Verdacht der Unlauterkeit mag sich daraus erklären. So ist denn die Luft, die Du mitgebracht hast, die Lust der Unberührtheit, der Sauberkeit und noblen Haltung, die Luft des freien Denkens, so ausserordentlich heilsam, und ich habe sie - von allen Sachlichen abgesehen - in diesen Tagen getrunken wie nie zuvor. Sie war das eigentliche Geschenk deines Daseins hier für mich und dafür lass Dir danken.

Herzliche Grüsse und Wünsche für Deine Arbeit von Deinem

Ernst (Details anzeigen)

Wie schwer sie errungen worden ist und welche Überwindung sie gekostet hat, das lass mich nur ahnen.


Fußnoten, Anmerkungen

Register

aBerlin-Charlottenburg
bTillich, Paul
cSeeberger, Ernst

Überlieferung

Signatur
USA, Cambridge, MA, Harvard University, Harvard Divinity School Library, Tillich, Paul, 1886-1965. Papers, 1894-1974., bMS 649/184(18)
Typ

Brief, handschriftlich

Postweg
unbekannt - unbekannt
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Brief von Ernst Seeberger an Paul Tillich vom 16. Juli 1947

Entitäten

Personen

Orte

Zitiervorschlag

Brief von Ernst Seeberger an Paul Tillich vom 28. Mai 1934, in: Paul Tillich, Korrespondenz. Digitale Edition, hg. von Christian Danz und Friedrich Wilhelm Graf. https://tillich-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L10046.html, Zugriff am ????.

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