Der editierte Text

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Liebes Margot (Details anzeigen)-Kind!

Hab Dank, vielen Dank für beide Briefe, den langen, den ich hier vorfand und den kurzen, unendlich lieben, den ich heut früh bekam! ich habe mich so mitgefreut mit Deiner Lebensfreude, und ich glaube, ich könnte das auch noch, wenn die allerschwerste Sorge einmal hinter mir liegt, und mein Körper noch mitwill; er ist trotz aller Erholung und guten Essens dauernd matt und mangelhaft. Niemand weiß, woran das eigentlich liegt. Vielleicht doch an nichts Anderem als an Dir, die fehlt. – Hannah (Details anzeigen) ist es in den letzten Tagen nicht sehr gut gegangen. Sie hat Fieber gehabt und Einspritzungen bekommen; heut schreibt sie wieder sehr vergnügt. Jedenfalls wäre es gut, wenn Du erst anfragtest, ob und wann es ihr paßt, damit sie ja keine Aufregung und dadurch Temperaturerhöhung bekommt. Ich freue mich und bin so gespannt auf Euer Zusammentreffen und hoffe, Du wirst mir schnell davon schreiben. Freitag Sonnabend bis Montag bin ich wieder in Dölzig (Details anzeigen), wo ich das Kind taufen soll. Meinem

| Vater (Details anzeigen), dem ich davon erzählte, habe ich versprochen, daß er nicht wiederzutaufen brauche, was ihn sichtlich beruhigte. – Ich {kniiee} jetzt energisch im „System der Wissenschaften (Details anzeigen)“ und hoffe es im Sommer zu schaffen, vor allem auf Sylt (Details anzeigen). Ich mache schon allerhand Vorbereitungen: Bei Elisabeth (Details anzeigen) in Dölzig (Details anzeigen) habe ich einen Schinken bestellt, der unser Hauptnahrungsmittel bilden soll. Dann habe ich mich nach den Dampferverbindungen erkundigt und folgenden Plan gemacht: Am Montag, d. 31. Juli fahre ich nach Hamburg (Details anzeigen) und wohne bei Kurt Leese (Details anzeigen). Am Dienstag früh 730 gehen die Dampfer ab und sind 8 Uhr abends in Westerland (Details anzeigen). Du fährst Montag Abend um 11 mit dem Eilzug, der morgens um 6 in Hamburg (Details anzeigen) ist; wir treffen uns auf dem Dampfer. Die Fahrt ist etwas teurer als zu Land, kommt für mich aber allein in Betracht. Du mußt {auf} die Hin- und Rückreise (über Helgoland (Details anzeigen)Bremen (Details anzeigen)) etwa 900-1000 M rechnen. Im Ganzen mußt Du etwa 3000 M ergattern.- Ich fange an, mich zu freuen auf die Reise, am meisten auf die Seefahrt.

Ich habe Dich lieb und bin Dir in allem und für alles dankbar

Dein Paul (Details anzeigen)


Fußnoten, Anmerkungen

Register

aHahl, Margot
bTillich, Hannah
cDölzig
dTillich, Johannes Oskar
eTillich, Das System der Wissenschaften nach Gegenständen und Methoden. Ein Entwurf v..., 1923
f
gSeeberger, Elisabeth
hDölzig
iHamburg
jLeese, Kurt
kWesterland
lHamburg
mHelgoland
nBremen
oTillich, Paul

Überlieferung

Signatur
Deutschland, Marbug, Archiv der Universitätsbibliothek Marburg, Tillichiana 1, Ms. 1041/8
Typ

Brief, eigenhändig

Postweg
unbekannt - unbekannt

Entitäten

Personen

Orte

Literatur

Zitiervorschlag

Brief von Paul Tillich an Margot Faust vermutlich aus dem Juni 1922, in: Paul Tillich, Korrespondenz. Digitale Edition, hg. von Christian Danz und Friedrich Wilhelm Graf. https://tillich-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L01538.html, Zugriff am ????.

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