Der editierte Text

|
Riviera, Frankreich (Details anzeigen), Menton-Garavan (Details anzeigen)
Palace Hotel Garavan
d. 25.3.32

Sehr geehrter Herr Siebeck (Details anzeigen),

Herzlichen Dank für Ihren Brief (Details anzeigen). Meine Adresse siehe oben – Anbei der unterschriebene Vertrag – Die Selbstanzeige (Details anzeigen) bitte ich mir zu erlassen, da ich schlechterdings ausserstande bin (nach vielfacher Erfahrung) mich in dieser Form noch einmal zu objektivieren – Sie haben sicher Mitarbeiter, die das sehr viel besser könnten, als ich es kann –

Nun noch eine Frage: Ich habe im Mannheimer (Details anzeigen) Nationaltheater die Goethe (Details anzeigen)-Festrede gehalten über das Thema: „Goethe und die Idee der Klassik (Details anzeigen)1 – Das Theater hat die Rede für ihre Blätter eingefordert2 – Gleichzeitig wurde ich von Prof. Dibelius (Details anzeigen)=Heidelberg (Details anzeigen), der herbeigekommen war und anderen dringend gebeten, den Vortrag einer weiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen – Bei der Unterhaltung mit Dibelius (Details anzeigen) kam ich auf die Idee, ihn mit dem Hegelvortrag (Details anzeigen) zusammen zu drucken – falls Sie einverstanden wären – Er ist weniger als halb so lang wie der Hegel-Vortrag (Details anzeigen). Es müsste dann ein gemeinsamer Obertitel für die beiden Jubiläumsvorträge gefunden werden, die in positiver und negativer Stellungnahme starke Gemeinsamkeiten haben –

Falls Sie der Meinung sind, dass etwas derartiges in Frage kommt, bitte ich Sie, mir Mitteilung zu machen – Ich lasse dann das Manuscript schicken –

Mit bestem Gruss
Ihr sehr ergebener

P. Tillich (Details anzeigen)


Fußnoten, Anmerkungen

1Anlässlich des 100sten Todestages Goethes (Details anzeigen) fand am 20. März 1932 im Mannheimer Nationaltheater eine Gedenkfeier statt, auf der Friedrich Gundolf (Details anzeigen) eine Rede über Goethe (Details anzeigen) und Schiller (Details anzeigen) halten sollte. Gundolf (Details anzeigen) verstarb jedoch im Juni 1931, wodurch Tillich (Details anzeigen) diese Aufgabe übernahm und seine Rede „Goethe und die Idee der Klassik (Details anzeigen)“ hielt.

Von Tillichs (Details anzeigen) Rede berichtete die Neue Mannheimer Zeitung: „Die sehr in abstrakten Gedankengängen gehaltene Rede, durchsetzt mit bekannten Zitaten aus Goethes Gedankenlyrik, trug rein akademischen Charakter. Wenig war von jenem Goethe darin, dessen Name eine ganz bestimmte Vorstellung von klassischem Maß und klassischer Art hervorruft. [...] Es war, als ob Wagner, der Famulus, über Faust, den Meister, spräche.“ (Neue Mannheimer Zeitung, Nr. 185, 21. März 1932, Morgenausgabe, S. 2 (Details anzeigen)).
Das Neue Mannheimer Volksblatt schrieb dagegen: „Nur bruchstückweise vermögen wir hier die äußerst geistvollen Ausführungen Tillichs, die freilich manchmal an das nur Geistreiche bedenklich streiften, wiedergeben. Sie werden den Hörern Manches zu denken gegeben haben, werden mancherlei Zuspruch und Widerspruch erregen und somit ihren Zweck der geistigen Aufrüttelung erfüllen. Von der ruhigen, gesammelten Vortragsart ging eine starke suggestive Wirkung aus, die sich in lebhaftem Beifall äußerte.“ (Neues Mannheimer Volksblatt, Nr. 80, 21. März 1932, S. 3).

2Vgl. Paul Tillich (Details anzeigen), Goethe und die Idee der Klassik (Details anzeigen), in: Nationaltheater Mannheim. Bühnen-Blätter. Im Auftrag der Intendanz hg. von Erich Dürr (Details anzeigen), Nr. 17, 1931/32.

Register

aFrankreich
bMenton
cSiebeck, Oskar
dBrief von Oskar Siebeck an Paul Tillich vom 19. März 1932
eTillich, Selbstanzeige Tillichs von "Hegel und Goethe", 14. Mai
fMannheim
gGoethe, Johann Wolfgang von
hTillich, Goethe und die Idee der Klassik, 1932
iGoethe, Johann Wolfgang von
jGundolf, Friedrich
kGoethe, Johann Wolfgang von
lSchiller, Friedrich von
mGundolf, Friedrich
nTillich, Paul
oTillich, Goethe und die Idee der Klassik, 1932
pTillich, Paul
qK., Goethefeier im Nationaltheater, 1932
rTillich, Paul
sTillich, Goethe und die Idee der Klassik, 1931
tDürr, Erich
uDibelius, Martin
vHeidelberg (Deutschland)
wDibelius, Martin
xTillich, Der junge Hegel und das Schicksal Deutschlands, 1932
yTillich, Der junge Hegel und das Schicksal Deutschlands, 1932
zTillich, Paul

Überlieferung

Signatur
Deutschland, Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz, Handschriftenabteilung, Archiv des Verlages J. C. B. Mohr (Paul Siebeck), Nachl. 488, A 0469,5; Blatt 143-205
Erstpublikation
Alf Christophersen/Friedrich Wilhelm Graf: „Beweise einer unsichtbaren Beziehung. Die Korrespondenz zwischen Paul Tillich und dem Tübinger Verlag J. C. B. Mohr (Paul Siebeck)“ . In: International Yearbook for Tillich Research Bd. 6, H. 1 (2011), 237-407, hier: 318f..
Typ

Brief, handschriftlich, Diktat

Postweg
Menton-Garavan - unbekannt

Entitäten

Personen

Orte

Literatur

Briefe

Zitiervorschlag

Brief von Paul Tillich an Oskar Siebeck vom 25. März 1932, in: Paul Tillich, Korrespondenz. Digitale Edition, hg. von Christian Danz und Friedrich Wilhelm Graf. https://tillich-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L01131.html, Zugriff am ????.

Für Belege in der Wikipedia

{{Internetquelle |url=https://tillich-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L01131.html |titel=Brief von Paul Tillich an Oskar Siebeck vom 25. März 1932 |werk=Paul Tillich, Korrespondenz. Digitale Edition. |hrsg=Christian Danz, Friedrich Wilhelm Graf |sprache=de | datum=25.03.1932 |abruf=???? }}
L01131.pdf