Der editierte Text

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26. Juni 1926.

Sehr verehrter Herr Professor (Details anzeigen),

für Ihren freundlichen Brief vom 23. ds. Mts. (Details anzeigen) sowie nachträglich für Ihre Karte vom 15. ds. Mts. (Details anzeigen) danke ich Ihnen bestens. Mir ist dieser Ausgang unserer Verhandlungen natürlich überaus schmerzlich, zumal mir nun auch die Gesammelten Aufsätze entgehen, die, wenn ich recht verstehe, zum ersten Mal bei meinem Besuche in Dresden (Details anzeigen) zur Sprache kamen.

Ueber meine Enttäuschung hilft mir nur die freundliche Gesinnung weg, aus der heraus Sie mir von Ihren Zweifeln erzählen. Ihnen diese Entscheidung nachträglich noch schwerer zu machen, habe ich um so weniger Anlass, als ich genau genommen mir selbst die schwersten Vorwürfe machen muss, dass ich in einem solchen Fall zu spät kommen konnte. Das kommt aber eben daher, dass seit Ueberwindung der Inflation, – vorher war an planmässige Autorenwerbung überhaupt nicht zu denken, – durch die Vorarbeiten für das neue Handwörterbuch (Details anzeigen) auch von meiner Arbeitskraft ein so grosser Teil in Anspruch genommen war, dass darüber vieles Andere zu kurz gekommen ist.1

Aber schliesslich muss jede planmässige Arbeit ihre Früchte tragen. So hoffe ich auch durch die neue RGG (Details anzeigen) für unseren theologischen Verlag wieder diejenige Position zurückzuerobern, die eine Entscheidung wie die, vor der Sie gestanden haben, allen Lockungen zum Trotz schliesslich doch zu meinen Gunsten ausgehen lassen würde. In dieser Erwartung bleibt mir heute nur noch die Bitte auszusprechen, dass Sie sich nach anderer Seite auf keinen Fall für alle Zeiten unwiderruflich festlegen möchten.

Hoffentlich werden die „Dämonen (Details anzeigen)“ bald fertig, denn auf meine verfrühte Ankündigung hin wird natürlich immer wieder bei uns darnach gefragt.

Mit freundlichen Grüssen bin ich stets Ihr ganz ergebener

Dr. O. Siebeck (Details anzeigen).


Fußnoten, Anmerkungen

1Siebeck (Details anzeigen) bezieht sich hier auf die Arbeiten für die zweite Auflage des Handbuchs Die Religion in Geschichte und Gegenwart (Details anzeigen), das von 1927 bis 1931 erschien und für deren Bände 4 (Details anzeigen) und 5 (Details anzeigen) Tillich (Details anzeigen) insgesamt die sechs Artikel geschrieben hat: 1.) „Mythus und Mythologie: I. Mythus, begrifflich und religionspsychologisch“; 2.) „Offenbarung: V. A. psychologisch“; 3.) „Philosophie: I. Begriff und Wesen und III. Philosophie und Religion grundsätzlich“; 4.) „Sozialismus: II. Religiöser Sozialismus“; 5.) „Theonomie“ und 6.) „Wissenschaft“.

Register

aTillich, Paul
bBrief von Paul Tillich an Oskar Siebeck vom 23. Juni 1926
cPostkarte von Paul Tillich an Oskar Siebeck vom 15. Juni 1926 [PS]
dDresden
eGunkel (Hg.), Die Religion in Geschichte und Gegenwart. Handwörterbuch für Theologie. Bd...., 1927
fSiebeck, Oskar
gGunkel (Hg.), Die Religion in Geschichte und Gegenwart. Handwörterbuch für Theologie. Bd...., 1927
hGunkel (Hg.), Die Religion in Geschichte und Gegenwart. Handwörterbuch für Theologie. Bd...., 1930
iGunkel (Hg.), Die Religion in Geschichte und Gegenwart. Handwörterbuch für Theologie. Bd...., 1931
jTillich, Paul
kGunkel (Hg.), Die Religion in Geschichte und Gegenwart. Handwörterbuch für Theologie. Bd...., 1927
lTillich, Das Dämonische. Ein Beitrag zur Sinndeutung der Geschichte, 1926
mSiebeck, Oskar

Überlieferung

Signatur
Deutschland, Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz, Handschriftenabteilung, Archiv des Verlages J. C. B. Mohr (Paul Siebeck), Nachl. 488, A 0469,5; Blatt 143-205
Typ

Brief, maschinenschriftlicher Durchschlag
Adressiert: „Herrn Professor D. Dr. Paul Tillich, Dresden. Elisenstr. 11.“

Postweg
Tübingen - Dresden
voriger Brief in der Korrespondenz
Brief von Paul Tillich an Oskar Siebeck vom 23. Juni 1926
nächster Brief in der Korrespondenz
Brief von Oskar Siebeck an Paul Tillich vom 28. Juli 1926

Entitäten

Personen

Orte

Literatur

Briefe

Zitiervorschlag

Brief von Oskar Siebeck an Paul Tillich vom 26. Juni 1926, in: Paul Tillich, Korrespondenz. Digitale Edition, hg. von Christian Danz und Friedrich Wilhelm Graf. https://tillich-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L00878.html, Zugriff am ????.

Für Belege in der Wikipedia

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L00878.pdf