Brief von Paul Tillich an Alfred Fritz vermutlich aus dem Jahr 1911 oder 1912

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Der editierte Text

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Lieber Frede (Details anzeigen)!

Wumming (Details anzeigen) hat nach Nauen (Details anzeigen) als „Satan“ zu deutsch: Staatsanwalt eine feierliche Anklage auf 1) Meineid 2) Trunksucht 3) Verführung 4) Fahrlässigkeit gebracht. Bei Deiner zweifellosen Befähigung zum Richter ernenne ich Dich hiermit dazu mit der Bemerkung, daß der Staatsanwalt sämtliche Punkte der Anklage in privater Verhandlung hat fallen lassen müssen – natürlich bis auf das semper adhaerens aliquid.

ad 4) Ihr habt mir in {Kuerten (Details anzeigen)} eine Studie am Schluß gegeben; ich steckte sie in die Tasche; dachte schon beim Abschied nicht mehr dran; entweder mich erinnern oder in der Hand behalten. Jede andre Möglichkeit ist physisch bei mir ausgeschlossen durch langjährige Erfahrung.

ad 3) Hatte keine Ahnung daß sie zurück erwartet würde; habe ihr sofort gesagt, daß niemand etwas weiß.

| Im übrigen: Hanna (Details anzeigen) dabei. Bald {vornehm} gut wie immer mit Elisabeth (Details anzeigen).

ad 2) Umzuändern in: {Walzer}- u. Hut-Sucht; dann nicht unberechtigt aber auch „nicht unübel“.

ad 1) Habe niemals gesagt, daß ich fahren würde, sondern immer, daß ich mit den Großeltern (Details anzeigen) weggehe. Toni (Details anzeigen) im Traum mißverstanden – Ich faßte es als lustige Kriegslist im Kampfe mit Wumming (Details anzeigen)s Freiheits-Beraubungs-Versuchen auf und fand es höchst scherzhaft. Erst wollte ich es einrichten, daß Du mitkommst; aber es ging nicht und dann war es schon verabredet. Also unschuldig wie das bekannte Neugeborene und höchst erstaunt, als ich von Wumming (Details anzeigen) Eure Empörung hörte. –

Also ich bitte den Herr Richter um ein freisprechendes Urteil. – Der Angeklagte.

Herzl. Gruß

Dein tr. Paul (Details anzeigen).

Schade, daß Du nicht mündlich Paul (Details anzeigen) freisprechen kannst. Heute kein Brief v. Dir?? Hoffentl. morgen!! Hast Du heute gepredigt, {dearest}? Oder bist Du nicht wohl? Wir machten einen schönen Gang durchs Luch mit Loose's (Details anzeigen). Und jetzt spielte ich aus {¿¿¿} {Johnmann} vor. Es ist ein wunderschönes Pfarrheim. Frau Loose (Details anzeigen) mir noch unklar,

| äußerlich sehr fein, sehr zurückhaltend u. still. Sie macht einen leidenden Eindruck, ob seelisch oder körperlich, wissen wir nicht, vielleicht beides. Aber sie sind so nett miteinander. Ich möchte wissen, was es ist. Schreibe mir bald u. viel. Vielleicht tust Du es jetzt gerade, Paul (Details anzeigen) war sehr bestürzt über unsere Trauer über ihn. War's nicht auch nötig. Aber schreibe ihm doch mal. Es ist so nett bei ihm ein gemütl. Zimmer. Wann sehe ich wohl Deines? Darüber schreibe uns auch bald.

Tausend Grüße, {m. M. (Details anzeigen)}

Nun hast Du mit einem Mal 3 Briefe v. Deinem {¿¿¿}.

| P.S. Neulich schrieb Fr. Büchsel (Details anzeigen), Lütgert (Details anzeigen) hätte gesagt, nicht vor Mitte Dezember, vielleicht noch später; im übrigen glaubte er, daß es gut mit mir stände. Ob er das mit Recht sagt, weiß ich nicht. Hoffen wir. – – – – –


Fußnoten, Anmerkungen

Register

aFritz, Alfred
bFritz, Johanna
cNauen
dKürten
eTillich, Hannah
fSeeberger, Elisabeth
gTillich, Marie; Tillich, Oskar
hWinkler, Toni
iFritz, Johanna
jFritz, Johanna
kTillich, Paul
lTillich, Paul
mLoose, Friedrich
nLoose, Therese
oTillich, Paul
p
qBüchsel, Friedrich Hermann Martin
rLütgert, Wilhelm

Überlieferung

Signatur
USA, Cambridge, MA, Harvard University, Harvard Divinity School Library, Tillich, Paul, 1886‒1965. Papers, 1894‒1974, bMS 649/143(12)
Typ

Brief, eigenhändig

Postweg
unbekannt - unbekannt

Entitäten

Personen

Orte

Zitiervorschlag

Brief von Paul Tillich an Alfred Fritz vermutlich aus dem Jahr 1911 oder 1912, in: Paul Tillich, Korrespondenz. Digitale Edition, hg. von Christian Danz und Friedrich Wilhelm Graf. https://tillich-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L00281.html, Zugriff am ????.

Für Belege in der Wikipedia

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L00281.pdf