Der editierte Text

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Berlin (Details anzeigen), d. 27ten Juni 1910
Neuenburgerstr 3.1

Hochverehrter Herr Professor (Details anzeigen)!

Auf Ihr geehrtes Schreiben vom 27ten d. M. erlaube ich mir zu erwidern, daß meine Meldung zum Doktorexamen keineswegs auf eine Unterschätzung des Ernstes und der Schwierigkeiten des Rigorosum gegründet war, sondern daß ich in vollem Bewußtsein, durch die Komplikation der Umstände zu einem Wagnis gezwungen zu sein, das mir an sich durchaus ferne gelegen hätte, die Meldung eingereicht habe. Allein der hohe Wert, den der Genuß des Stipendiums für meine weitere Arbeit haben würde, hat mich schließlich zur Entscheidung gebracht. Bei der Wahl der Nebenfächer war die Erwägung maßgebend, daß mehrere alttestamentlich exegetische Kollegs und ziemlich eingehende exegetische Studien mir auch zu einer grammatikalischen Bildung verholfen haben, und daß Profangeschichte und Kirchengeschichte in den von mir gewählten Perioden in so enger Beziehung stehen und in den Kollegs und der von mir bearbeiteten Literatur tatsächlich gestellt sind, daß auch in dieser Beziehung :. Grundlage vorhanden ist. Endlich habe ich die Zeit seit meiner Anwesenheit in Breslau (Details anzeigen) ausschließlich zur Vervollständigung der Kenntnisse in diesen beiden Gebieten sowie zur Repetition in Philosophie benutzt. Wenn ich mir erlaube aufgrund dieser Erwägungen auch jetzt meine Meldung aufrecht zu erhalten, so geschieht es – um dies noch einmal zu betonen – in dem klaren Bewußtsein der Schwierigkeit meines Unternehmens und demgemäß ohne Täuschung über die Möglichkeit des Mißlingens. Gewissen geringschätzigen Meinungen über den Ernst des Doktorexamens stehe ich durchaus fern. – Wenn ich hier die Bitte wiederhole, möglichst an einem der letzten Tage des Juli geprüft zu werden, so wird dies aus der gesamten Situation heraus ohne weiteres verständlich sein.

Ihr gehorsamst ergebener
Paul Tillich (Details anzeigen). cand.theol.


Fußnoten, Anmerkungen

1Bei Neugebauer fälschlicherweise als „Naumburgerstr.“ gelesen.

Register

aBerlin
bRoethe, Gustav
cBreslau
dTillich, Paul

Überlieferung

Signatur
Polen, Breslau, Uniwersytet Wrocławski Archiwum, Uniwersytet Wrocławski Archiwum, Sygn. F 215
Typ

Brief, eigenhändig

Postweg
Berlin - unbekannt

Entitäten

Personen

Orte

Zitiervorschlag

Brief von Paul Tillich an Gustav Roethe vom 27. Juni 1910, in: Paul Tillich, Korrespondenz. Digitale Edition, hg. von Christian Danz und Friedrich Wilhelm Graf. https://tillich-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L00279.html, Zugriff am ????.

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