Der editierte Text

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Dezember 9, 1946

Liebes Schwesterchen (Details anzeigen):

Zu meiner grossen Freude kam gestern der Zettel, auf dem Du bestätigst, dass Du mein CARE Paket erhalten hast.1 Du hast mir übrigens nie geschrieben[,] ob zwei kleine Pakete, die persönlich von mir an Dich geschickt wurden, angekommen sind. Überhaupt habe ich sehr lange nichts mehr von Euch gehört. Habt Ihr meinen Rundbrief bekommen? Bitte bestätigt ihn doch. Ich bin sehr bestürzt durch einen Brief von Jacob Billstroem (Details anzeigen),2 in dem er andeutet, dass Ekkehard (Details anzeigen)* gestorben ist.|:*Eben kommt die formelle Todesanzeige (von Ekkehards Frau)
Ich bin entsetzlich traurig!
:| Ich habe noch von niemanden etwas direkt darüber gehört und hoffe nur, dass es nicht wahr ist. Ich möchte aber nicht an Alfred (Details anzeigen) schreiben, ehe ich nicht eine genaue Nachricht habe. Hannah (Details anzeigen) ist auch sehr beunruhigt, dass Marie Luise (Details anzeigen) ihr nicht mehr geschrieben hat seitdem sie in Berlin (Details anzeigen) ist und dass sie auch ihre Adresse nicht kennt. Es ist so schade, dass man noch keine Bücher und Broschüren schicken kann. Sonst würde ich Euch neben den Paketen, die immer weiter kommen, auch etwas von mir schicken. Ich nehme an, dass Euer englisch [sic!] gut genug ist, meine Sachen zu lesen. Wenn nicht, schreib es mir doch. Leider hat es mit den Paketen eine ganz klare Grenze. Wir sind durch die hiesige Inflation so viel ärmer geworden (der Hauskauf war nichts als ein Versuch uns vor der weitergehenden Inflation zu schützen)[,] dass selbst kleine Summen nur sehr schwer aufzubringen sind. Leider sind die sonst so guten CARE Pakete etwas langsam und ganz unpersönlich. Aber vom Standpunkt der Ernährung sind sie weitaus das Beste und Billigste. Auch an Frede (Details anzeigen) ist ein Paket abgegangen, hoffentlich erreicht es ihn. Wenn nicht, teile bitte etwas mit ihm. Ob mein Brief an Hans-Jürgen (Details anzeigen)3 angekommen ist[,] weiss ich nicht. Ich denke oft an ihn und liebe ihn sehr. Von Ernst Tillich (Details anzeigen) bekam ich einen Brief,4 ein anderer ist offenbar verloren gegangen. Er muss sich ja grossartig gehalten haben.

Ich nehme an, dass dies mein Weihnachtsbrief sein wird. Jedenfalls ist er so gemeint und ich hoffe, er wird Euch erreichen. Ich denke ständig an Euch und komme innerlich nie zur Ruhe in dem Gedanken an das was Ihr durch macht und daran, dass wir Euch so wenig helfen können. Das Leben hier ist so unendlich schwer und kompliziert. Es sind andere Probleme als bei Euch, aber es sind reale Probleme und Probleme, die auch an die Grenze der Zerstörung führen können. Ich hoffe, Euer Weihnachten wird nicht zu traurig sein und Ihr werdet irgendwo einen Baum und ein paar Kerzen finden und sie zwischen Ruinen anstecken und vielleicht ein echteres Weihnachten haben als wir hier in unserem kommerzialisierten Weihnachtsbetrieb. Unsere Gedanken sind mit Euch und ich weiss, dass Eure mit uns sind. Und beide, Du und ich denken zurück an die alten Weihnachten in der nun zertrümmerten Neuenburger Strasse.

Dein grosser Bruder

Paul (Details anzeigen)


Fußnoten, Anmerkungen

1Liegt nicht vor.
2Liegt nicht vor.
3Liegt nicht vor.
4Liegt nicht vor.

Register

aSeeberger, Elisabeth
bBillström, Jakob
cFritz, Eckehardt
dFritz, Alfred
eTillich, Hannah
fWerner, Marie Luise
gBerlin
hFritz, Alfred
iSeeberger, Hans-Jürgen
jTillich, Ernst
kTillich, Paul

Überlieferung

Signatur
USA, Cambridge, MA, Harvard University, Harvard Divinity School Library, Tillich, Paul, 1886–1965. Papers, 1894–1974., bMS 649/184(11)
Typ

Brief, maschinenschriftlich; Unterschrift eigenhändig

Postweg
unbekannt - unbekannt
voriger Brief in der Korrespondenz
Brief von Elisabeth Seeberger an Paul Tillich vom 15. Juli 1946
nächster Brief in der Korrespondenz
Undatierter Brief von Paul Tillich an Elisabeth Tillichvermutlich von 1950

Entitäten

Personen

Orte

Zitiervorschlag

Brief von Paul Tillich an Elisabeth Seebergervom 9. Dezember 1946, in: Paul Tillich, Korrespondenz. Digitale Edition, hg. von Christian Danz und Friedrich Wilhelm Graf. https://tillich-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L11025.html, Zugriff am ????.

Für Belege in der Wikipedia

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