Brief von Rudolph Edward Morris an Paul Tillich vom 29. September 1946

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Der editierte Text

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September 29, 1946

Lieber Freund Tillich (Details anzeigen),

sehr verspätet, aber gerade so zum Semesteranfang, wenn Sie wieder in der Stadt sind, komme ich, um Ihnen zu Ihrem 60. Geburtstag zu gratulieren.

Ich wünsche – nicht nur Ihnen, sondern auch uns –, dass die kosmischen Strahlen, die in Ihnen arbeiten, mehr und mehr von dem Dunkel der Tiefen erhellen mögen und dass Sie als deren Träger die Last Ihrer Mission aushalten können. Vielleicht sogar werden Sie noch mit Freude erleben können, dass der Prozess einer geistigen Amalgamierung von europäischer und amerikanischer Denkattitude entscheidende Fortschritte macht.

Wir Refugees sind gezeichnet |:mit:| (oder soll ich sagen: ausgezeichnet durch) einer einzigartigen Erfahrung: wir wissen um die erschreckend enggezogenen Grenzen gegenseitigen Sich-Mitteilens, und wir kennen das Allein- und Isoliertsein. Insofern als Kommunikation uns zum „ewigen“ Problem geworden ist, haben wir die Chance, uns mit der Frage von Verständigungsmöglichkeit vielleicht etwas erfolgreicher auseinanderzusetzen als die anderen.

Sie werden uns noch viel gerade in diesem Bereich zu geben haben.

Was mich hier anlangt, so kann ich recht zufrieden sein. „Gebranntes Kind scheut das Feuer“ – und meine Frau1 hat mich besonders eindringlich gewarnt, nicht zu leicht die Dinge ins Positive zu deuten. Aber auch bei aller Vorsicht muss ich sagen: es ist erfreulich, und ich habe hier Chancen. Das College ist verhältnismässig neu – die Mitgliedschaft bei der Association of Colleges erst letztes Jahr erworben. Alles ist sauber und transparent. Gutes intellektuelles Niveau – die Mädchen wirklich interessiert und charmant (ich habe selten in Amerika (Details anzeigen) so wenig brillenbewaffnete Mädchen und Nonnen gesehen).Es wird viel an mir liegen, wie weit das Department of Sociology „sich“ ausbaut.

Ich hoffe, Sie Weihnachten zu sehen. Inzwischen bin ich mit besten Grüssen, auch an Ihre Frau (Details anzeigen),
Ihr getreuer

Morris (Details anzeigen)


Fußnoten, Anmerkungen

1Konnte nicht ermittelt werden.

Register

aTillich, Paul
bVereinigte Staaten von Amerika
cTillich, Hannah
dMorris, Rudolph Edward

Überlieferung

Signatur
USA, Cambridge, MA, Harvard University, Harvard Divinity School Library, Tillich, Paul, 1886–1965. Papers, 1894–1974., bMS 649/167 (66)
Typ

Brief, maschinenschriftlich; Unterschrift eigenhändig; mittig am oberen Blattrand: „Rudolph Edward Morris, College of Saint Teresa, Kansas City 2, Missouri“

Postweg
Kansas City, MO - unbekannt
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Entitäten

Personen

Orte

Zitiervorschlag

Brief von Rudolph Edward Morris an Paul Tillich vom 29. September 1946, in: Paul Tillich, Korrespondenz. Digitale Edition, hg. von Christian Danz und Friedrich Wilhelm Graf. https://tillich-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L11008.html, Zugriff am ????.

Für Belege in der Wikipedia

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L11008.pdf