Der editierte Text

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Lieber Paulus (Details anzeigen),

Dein Lebenszeichen mit einer Karte war ja sehr nett, aber warum hast Du denn nicht wenigstens gleich eine kurze Bestätigung, dass Klaus (Details anzeigen) Deinen Namen tragen darf, mitgeschickt? Dann hätte ich doch wenigstens etwas in den Händen, wenn ich nach Beendigung des Krieges, den ich nach 14 Tagen annehme, die Sache wieder aufgerollt wird. Schicke es mir doch bitte sofort, irgend eine notarielle Beglaubigung braucht ja erst später zu erfolgen.–

Nun willst Du von uns allen hören? Ich kann mir denken, dass Dich das interessieren könnte. In meinem ersten Brief1 vorigen Jahres, den ich nach einem Vierteljahr zurückbekam, stand alles sehr schön drin. Mir hat es direkt Spass gemacht, ihn wieder zu lesen. Aber ich kann ihn nicht wieder schicken, da er die damalige Zeit behandelt, die nun schon überholt ist.

Eigentlich interessieren mich Familiengeschichten jetzt weniger denn je, ich lebe nur in der Weltgeschichte und mache zwischendurch meine Arbeit. Es ist etwas Wunderbares mit einem siegreichen Volk zu leben. Ich muss des öfteren an Spengler (Details anzeigen)s einen Ausspruch denken, dass es Menschen gibt, die die Schaffung eines guten {P?naus} für wichtiger halten als die Erfindung eines Flugzeugmotors – Ich wollte, Du kämst einmal her und siehst Dir meine ganze Herrlichkeit an. Dann könnte Dir {Dini} alles so schön erzählen, was Du wissen möchtest.| Ich lebe jetzt bischen einsam, da mein lieber Sohn als Soldat in Halle (Details anzeigen) mich ganz vergessen hat, und seine freie Zeit mit Briefen an seine Freundin in Wien (Details anzeigen) ausfüllt. Das ist eben Mutterlos. Er erlebt nichts Neues in seiner Funkerausbildung, beneidet die Fallschirmjäger, zu der sich unendlich viele melden. Aber ich habe ihm geschrieben, dass er sich später immer noch den Hals im Flugzeug brechen kann und bei seiner Funkerei bleiben soll.

{Dini} ist noch immer gesund und munter. {Eva} etwas nervös, da sie einen schwierigen Mann hat; nicht mein Geschmack. T. {HannaMarie} ist gestorben. Gertrud (Details anzeigen) war Ostern bei uns; wir verstehen uns wieder gut. Sie betrachtet Eckard (Details anzeigen) mit etwas Geringschätzung. Den Winter war ich auf dem Kirchhof am Hallenschen Tor und sah, dass Dein Vater (Details anzeigen) gestorben war. Ich dachte, er würde älter werden. Es war ein merkwürdiges Gefühl an seinem Grabe zu stehen und 20 Jahre zurückzudenken.

Ich weiss nicht, was ich Dir noch schreiben soll. Schreibe mir lieber, was Du alles wissen willst. Erzähle mir, was Du so machst. Ich finde, Du solltest jetzt nach hier zurückkommen. Später ist man zu alt dazu, um noch einmal zu wechseln.

Also schreibe bitte recht bald.

Herzl. Gruss

D. G. (Details anzeigen)


Fußnoten, Anmerkungen

1liegt nicht vor

Register

aSchwerin
bBestensee
cTillich, Paul
d
eSpengler, Oswald
fHalle (Saale)
gWien
hSydow, Gertrud von
iSydow, Eckart von
jTillich, Johannes Oskar
kTillich, Margarethe

Überlieferung

Signatur
USA, Cambridge, MA, Harvard University, Harvard Divinity School Library, Tillich, Paul, 1886-1965. Papers, 1894-1974., bMS 193
Typ

Brief, eigenhändig

Postweg
unbekannt - unbekannt
voriger Brief in der Korrespondenz
Brief von Greti Wever an Paul Tillich vom 15. Januar 1930
nächster Brief in der Korrespondenz
Brief von Margarete Wever an Paul Tillich ohne Datum

Entitäten

Personen

Orte

Zitiervorschlag

Brief Greti Tillich (geb. Wever) an Paul Tillich vom 19. August 1940, in: Paul Tillich, Korrespondenz. Digitale Edition, hg. von Christian Danz und Friedrich Wilhelm Graf. https://tillich-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L10498.html, Zugriff am ????.

Für Belege in der Wikipedia

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