Der editierte Text

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Zehlendorf-Mitte (Details anzeigen), Katharinenstr. 21 bei Rossmann,
17. April 1933.

Verehrter Freund (Details anzeigen)!

Also auch Sie!1 – Wir hofften fast, das würde nun doch nicht geschehen, freuen uns aber der guten Gesellschaft.

Sollte es nicht wünschenswert sein, dass die Abgebauten alle mit einander Fühlung nehmen oder wenigstens der Kreis der uns Nahestehenden.

Ich habe mich beim Ministerium melden lassen mit der Anfrage nach Gründen des Abbaus, da ich ja vor allen andern zunächst allein abgebaut war.2 Ich bin an den Referenten der Akademien Bargheer (Details anzeigen) verwiesen, kann ihn aber wegen einer heftigen Erkältung zunächst nicht aufsuchen. Soll ich ev. berichten, was ich hörte?

Ich würde es sehr begrüssen wenn wir zu irgend einer gemeinsamen sachlichen Erklärung an das Ministerium kommen könnten. So weit ich sehe, würde das von weiten Kreisen verstanden.

Bitte grüssen Sie Löwe (Details anzeigen), Mennicke (Details anzeigen) und teilen Sie mir bald mit, ob man sich treffen kann, vielleicht hier in Berlin (Details anzeigen), wo ich noch einige Zeit bei meiner Schwester bin.


Fußnoten, Anmerkungen

1Tillich war auf Grund des "Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums" vom 7. April 1933 bis auf Weiteres beurlaubt worden, da er als "politisch unzuverlässig" galt.
2Das genaue Datum der Beurlaubung von Emil Fuchs (Details anzeigen), der an der pädagogischen Akademie in Kiel (Details anzeigen) lehrte, konnte nicht ermittelt werden. Seinen autobiographischen Erinnerungen zufolge erhielt er kurz nach Ende des Wintersemesters 1932/33 die entsprechende Weisung: „Wir waren im zweiten Tage des Examens. Ich hatte gerade eine Gruppe von Studenten geprüft und befand mich mit unserem Direktor (Details anzeigen) allein im Saale. Er hatte allen ein Zeichen gegeben hinauszugehen. 'Es ist soeben ein Telefonanruf von Berlin (Details anzeigen) gekommen, daß Sie sofort die Akademie zu verlassen haben.' Ich antwortete: 'Herr Direktor (Details anzeigen), so hat man bis jetzt Leute behandelt, die gestohlen haben, aber niemanden um seiner politischen Überzeugung willen!' Er: 'Sie wissen, ich bin nur ausführende Hand. Das Ministerium fordert es!' 'Das weiß ich', sagte ich, 'wie muß man ein Volk bedauern, das so regiert wird', nahm meine Sachen, ging auf mein Zimmer, packte alles zusammen und verließ die Akademie. Ich mußte durch den langen Korridor gehen, wo mit erschrockenen Gesichtern die Kollegen und Studenten Spalier bildeten.“ (Fuchs, Mein Leben. Zweiter Teil (Details anzeigen), 133.)

Register

aBerlin-Zehlendorf
bTillich, Paul
cFuchs, Emil
dKiel
ePeters, Ulrich
fBerlin
gPeters, Ulrich
hFuchs, Mein Leben. Zweiter Teil., 2017
iBargheer, Ernst
jLöwe, Adolf
kMennicke, Carl August
lBerlin
mFuchs, Emil
nKiel

Überlieferung

Signatur
USA, Cambridge, MA, Harvard University, Harvard Divinity School Library, Tillich, Paul, 1886-1965. Papers, 1894-1974., bMS 649/143(34)
Typ

Maschinenschriftlich

Postweg
Berlin - unbekannt

Entitäten

Personen

Orte

Literatur

Zitiervorschlag

Brief von Emil Fuchs an Paul Tillich vom 17. April 1933, in: Paul Tillich, Korrespondenz. Digitale Edition, hg. von Christian Danz und Friedrich Wilhelm Graf. https://tillich-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L01215.html, Zugriff am ????.

Für Belege in der Wikipedia

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