Der editierte Text

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Hochgeehrter Herr Professor (Details anzeigen)!

Herr Lic. Eisenhuth (Details anzeigen) übersendet uns die Handschrift seiner Promotionsarbeit zum Dr. phil. „Studien zum Begriff des Irrationalen“ oder auch „Der Begriff des Irrationalen bei R. Otto (Details anzeigen) als philosophisches Problem“1 und bietet zugleich eine Arbeit an, die er als Habilitationsschrift einzureichen gedenkt: „Versuch einer ontologischen Grundlegung der Religion“.2

Er möchte, daß wir beide Arbeiten in unsern Verlag nähmen, und bittet um Beratung, in welcher Weise sie am besten erscheinen könnten.

Vom Standpunkt des jungen Gelehrten aus gesehen, ist es sehr begreiflich, daß er schon kurz nach Veröffentlichung seiner ersten Arbeit nun zwei weitere herausbringen will. Sie können sich aber wohl denken, daß wir als Verleger dieser verhältnismäßig schnellen Produktion gegenüber Vorsicht zu üben genötigt sind, namentlich in einer Zeit, die der Veröffentlichung von wissenschaftlichen Monographien in materieller Hinsicht überaus ungünstig ist. An der Erstlingsarbeit über die Glaubensgewißheit bei Heim (Details anzeigen)3 haben wir vom finanziellen Standpunkt aus betrachtet unserer Erwartung gemäß nicht eben sehr ermutigende Erfahrungen gemacht.

Nun schreibt der Herr Verfasser (Details anzeigen), daß Sie die erste, als Doktor-Dissertation eingereichte Arbeit (Details anzeigen) als Referent genau kennten, und da wir annehmen dürfen, daß Sie Interesse für den Herrn Verfasser (Details anzeigen) und seine Arbeit haben, sind wir so frei, Sie um eine ganz offenherzige Begutachtung zu bitten. Sollten Sie, wie wir wohl annehmen dürfen, auch bereits einigermaßen über die zweite Arbeit (Details anzeigen) orientiert sein, so würden uns auch einige Worte darüber sehr willkommen sein. Namentlich wäre es uns erwünscht, auch Ihre Ansicht darüber zu hören, ob, falls wir uns überhaupt zum Verlag entschließen, eine Vereinigung beider Arbeiten in einem Buche Ihnen tunlich erscheint und sich empfehlen würde. Der Interessentenkreis würde ja wohl ungefähr derselbe sein. Für den Verfasser (Details anzeigen) wäre, falls die Arbeiten in einem Buche erschienen, in sofern vielleicht eine Erleichterung zu erzielen, als die Notgemeinschaft, die sonst grundsätzlich Dissertationen nicht unterstützt, wahrscheinlich eine Unterstützung der ganzen Schrift nicht verweigern würde.4

Anknüpfend an eine Unterredung, die Sie mit Herrn Gustav Ruprecht (Details anzeigen) auf dem Frankfurter (Details anzeigen) Theologentag5 hatten, gestatten wir uns gleichzeitig die Anfrage, ob Sie vielleicht selber jetzt einen literarischen Plan haben, zu dessen Verwirklichung wir beitragen könnten.

Mit besten Empfehlungen

Anbei ein Frei-Umschlag.


Fußnoten, Anmerkungen

1Die Dissertation „Philosophische Studien zum Begriff des Irrationalen im Zusammenhang mit der gegenwärtigen Theologie“ erschien 1931 als: Heinz Erich Eisenhut (Details anzeigen): Der Begriff des Irrationalen als philosophisches Problem. Ein Beitrag zur existenzialen Religionsbegründung (Details anzeigen) (1931).
4Eine Antwort Tillichs (Details anzeigen) liegt nicht vor.
5Der zweite deutsche Theologentag zum Thema „Der Erlösungsgedanke“ fand vom 10. bis 12. Oktober 1928 in Frankfurt am Main (Details anzeigen) statt. Siehe dazu: Emil Pfennigsdorf (Details anzeigen) (Hg.): Der Erlösungsgedanke (Details anzeigen) (1929).

Register

aTillich, Paul
bEisenhuth, Heinz Erich
cOtto, Rudolf
dEisenhuth, Heinz Erich
eEisenhuth, Der Begriff des Irrationalen als philosophisches Problem. Ein Beitrag zur e..., 1931
fEisenhuth, Heinz Erich
gEisenhuth, Ontologie und Theologie, 1933
hHeim, Karl
iEisenhuth, Heinz Erich
jEisenhuth, Die Entwicklung des Problems der Glaubensgewißheit bei Karl Heim, 1928
kEisenhuth, Heinz Erich
lEisenhuth, Die Entwicklung des Problems der Glaubensgewißheit bei Karl Heim, 1928
mEisenhuth, Heinz Erich
nEisenhuth, Der Begriff des Irrationalen als philosophisches Problem. Ein Beitrag zur e..., 1931
oEisenhuth, Heinz Erich
pTillich, Paul
qRuprecht, Gustav
rFrankfurt am Main
sFrankfurt am Main
tPfennigsdorf, Emil
uPfennigsdorf (Hg.), Der Erlösungsgedanke. Bericht über den 2. deutschen Theologentag in Frankfu..., 1929

Überlieferung

Signatur
Deutschland, Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Staatsbibliothek zu Berlin, Archiv des Verlages Vandenhoeck und Ruprecht, Nachl. 494, G 1888–1936. G 1930. 166a; Blatt 53 
Erstpublikation
Friedrich Wilhelm Graf: „Ein unbekannter Systementwurf Paul Tillichs. Zur Entstehungsgeschichte von Tillichs Das System der Wissenschaften nach Gegenständen und Methoden“ . In: Zeitschrift für Neuere Theologiegeschichte 27/1 (2020), S. 26–170, hier: 151f..
Typ

Brief, maschinenschriftlicher Durchschlag
Adressiert: „6. Januar 1930. Herrn Professor Dr. Paul Tillich, Frankfurt a. M.“

Postweg
unbekannt - Frankfurt a. M.

Entitäten

Personen

Orte

Literatur

Zitiervorschlag

Brief von Günther Ruprecht an Paul Tillich vom 6. Januar 1930, in: Paul Tillich, Korrespondenz. Digitale Edition, hg. von Christian Danz und Friedrich Wilhelm Graf. https://tillich-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L01049.html, Zugriff am ????.

Für Belege in der Wikipedia

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L01049.pdf