Der editierte Text

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Hoch verehrter Herr Professor (Details anzeigen)!

Herzlichen Dank für Ihre Karte!1 Und vor allem sehr herzlichen Dank für die Bemühungen um mich, von denen sie spricht! Ich habe kurz vor Weihnachten vom Ministerium die Nachricht erhalten, dass es evtl. bereit wäre, nach erfolgtem Umzug einen Zuschuss bis zur Höhe von 300 Mark zu bewilligen. Kurz vorher hatte mir der Herr Dekan (Details anzeigen) mitgeteilt, dass auch Sie mir im besten Falle nur einen geringen Bruchteil der erforderlichen 1100 Mark verschaffen könnten. Ich habe daraufhin in den Weihnachtstagen die Sachlage noch einmal gründlich überdacht und am 31. Dezember an den Herrn Dekan (Details anzeigen) einen Brief (Details anzeigen) geschrieben, in dem ich der Marburger Fakultät den folgenden Vorschlag gemacht habe:

„Ich behalte meine Berliner Privatdozentur und meine Berliner Wohnung und werde vom Ministerium auf Zeit zur Unterstützung von Herrn Professor Otto (Details anzeigen) beurlaubt. Die beiden anderen Punkte, Professorentitel und 90% der Gehaltsklasse 10 bleiben unberührt.“

Ich würde dann zwei möblierte Zimmer mit Küchenbenutzung in Marburg (Details anzeigen) suchen, und es könnte nicht der Fall eintreten, dass ich infolge der Unmöglichkeit, die Umzugsgelder aufzubringen, auf die Dauer von meinen sämtlichen Sachen und Büchern getrennt bleibe. Ich nahm an, dass Herr Professor Hölscher (Details anzeigen) Ihnen sofort von meinem Vorschlag Mitteilung machen würde, da ja in diesem Falle an Stelle der Umzugskosten die verhätnismässig geringe Summe für Fahrgeld und Transport von ein bis zwei Koffern treten würde. Gleichzeitig habe ich in meinem Brief (Details anzeigen) Vorschläge für meine Vorlesung im Sommersemester gemacht. Ich hoffe, dass der Brief an Herrn Professor Hölscher angekommen ist, und dass es der Fakultät möglich sein wird, recht bald zu meinem Vorschlag Stellung zu nehmen.

Das Wohnen an zwei Orten und die Entfernung von meinen Büchern und Sachen ist für mich natürlich kein leichter Entschluss. Ich möchte aber an der Wohnungsfrage die für mich so wertvolle Aufgabe in Marburg (Details anzeigen) nicht fallen lassen, und kann es andererseits nicht verantworten, das Risiko einer völligen Trennung von meiner Lebensbasis, die für mich in besonderem Masse meine Wohnung ist, auf mich zu nehmen. Unter diesen Umständen glaube ich, dass der vorgeschlagene Weg, für den es ja zahlreiche Präcedenzfälle gibt, die einzige Lösung ist.

Mit ergebenstem Gruss


Ihr

P. Tillich.


Fußnoten, Anmerkungen

1Die Korrespondenz liegt nicht vor.

Register

aBerlin-Friedenau
bRade, Paul Martin
cHoelscher, Gustav
dHoelscher, Gustav
eBrief von Paul Tillich an Gustav Hoelscher vom 31. Dezember 1923
fOtto, Rudolf
gMarburg an der Lahn
hHoelscher, Gustav
iBrief von Paul Tillich an Gustav Hoelscher vom 31. Dezember 1923
jMarburg an der Lahn

Überlieferung

Signatur
Deutschland, Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin, preußischer Kulturbesitz, Handschriftenabteilung, Slg. Autogr.; Tillich, Paul
Typ

Brief, maschinenschriftlich.

Postweg
Berlin-Friedenau - unbekannt

Entitäten

Personen

Orte

Briefe

Zitiervorschlag

Brief von Paul Tillich an Martin Rade vom 8. Januar 1924, in: Paul Tillich, Korrespondenz. Digitale Edition, hg. von Christian Danz und Friedrich Wilhelm Graf. https://tillich-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L00810.html, Zugriff am ????.

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L00810.pdf