Brief von Paul Tillich an die theologische Fakultät der Universität Berlin vom 3. Dezember 1918

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Der editierte Text

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Paul Tillich (Details anzeigen) Lic. theol.
Privatdozent
z.Zt. Militärpfarrer
Berlin-Friedenau (Details anzeigen), Taunusstr. 1
d. 3. Dez. 1918

Der hochwürdigen Theologischen Fakultät zu Berlin (Details anzeigen) erlaube ich mir, ergebenst folgendes vorzutragen:

Ich habe im Dezember 1911 in Halle (Details anzeigen) mein Lizentiatenexamen „magna cum laude“ bestanden, 19.12.13 meine Habilitationsschrift vorbereitet, sie Frühjahr 1914 in Halle (Details anzeigen) eingereicht, bin dann 1. Okt. 1914 nach Kriegstrauung ins Feld gegangen und dort bis August 1918 als Feldgeistlicher tätig gewesen.1 Augenblicklich bin ich Militärpfarrer in Spandau (Details anzeigen) und werde im Laufe des Dezember entlassen. Im Juli 1916 habe ich vom Felde aus die Habilitation vollzogen und seitdem Vorlesungen über Einleitung in die Theologie, Religionsphilosophie, Geschichte der Theologie und Ethik angekündigt. Lesen konnte ich noch nicht.

Die Voraussetzung meiner Habilitation in Halle (Details anzeigen) waren die wirtschaftlichen Verhältnisse, wie sie vor dem Krieg bestanden. Dazu die Aussicht auf ein theologisches Konvikt. Die gegenwärtigen Verhältnisse erlauben es mir nicht, ohne wirtschaftliche Grundlagen zu leben; die Konvikte stehen aber, wie mir auf Anfrage mitgeteilt wurde, nur für einen unverheirateten Inspektor zur Verfügung.

Nun besteht für mich in Berlin (Details anzeigen) die erforderliche wirtschaftliche Grundlage: das Konsistorium hat mich zum Nachfolger von Herrn Privatdozent Schmidt (Details anzeigen) als Stadtvikar in Aussicht genommen; außerdem kann ich von meinen hier ansässigen Schwiegereltern (Details anzeigen) (Details anzeigen) weitgehendst unterstützt werden.

Unter diesen Umständen bitte ich die Hochwürdige Fakultät, um mir die Möglichkeit der akademischen Laufbahn zu erhalten, die Umhabilitation nach Berlin (Details anzeigen) zu gestatten. Von Halle (Details anzeigen) aus ist mir durch Geheimrat D. Lütgert (Details anzeigen) ein entsprechender Rat gegeben worden.

[Am Rande des Schreibens folgender Vermerk des Dekans (Details anzeigen) und Unterschriften:]
Hochw. theol. Fakultät lege ich dieses Gesuch des Herrn Lic. Dr. Tillich (Details anzeigen) um Habilitierung vor. Die Herren D. Kaftan (Details anzeigen) u. D. Seeberg (Details anzeigen) haben bereits mündlich geäußert, dass sie keine Einwendungen zu machen haben. Im Protokoll der Sitzung vom 17. Mai 1912 heißt es: „Dem Privatdozenten Lic. Mulert (Details anzeigen) in Halle wird auf sein Ansuchen gestattet, sich bei uns als Privatdozent niederzulassen. Bedingung dabei ist, daß er eine öffentliche Antrittsvorlesung hält, u. daß er in der Anciennität keinem unserer bisher habilitierten Privatdozenten vorangestellt werden soll.“ Ich möchte beantragen das Gesuch des Herrn Lic. Dr. Tillich (Details anzeigen) unter denselben Bedingungen zu genehmigen.
B. (Details anzeigen) 10/12/18 Mahling (Details anzeigen)

Einverstanden v. Harnack 11.12.
Ho (Details anzeigen) 12/12
B (Details anzeigen) 12/12
Sbg (Details anzeigen) 12.12.
Kf (Details anzeigen) 12/12
D (Details anzeigen) 12/12 18
Fabricius (Details anzeigen)
Karl Ludwig Schmidt (Details anzeigen)
Eißfeldt (Details anzeigen)
Richter (Details anzeigen)
C. Schmidt (Details anzeigen)
Den sämtlichen Herrn Professoren und Dozenten hierzu zur Kenntnisnahme vorgelegt 16.12. Mahling (Details anzeigen)


Fußnoten, Anmerkungen

1Tillich war - laut Schreiben des Evang. Feldpropstes des Heeres und der Marine vom 13. November 1929 - „vom 1. Oktober 1914 bis 15. Dezember 1918 im Militärkirchendienst tätig gewesen und hat sich vom 1. Oktober 1914 bis zum 15. August 1918 aus dienstlichem Anlass im Kriegsgebiet aufgehalten (vom 15. August 1918 bis 15. Dezember 1918 Militärpfarrer in Spandau-Haselhorst)“.

Register

aTillich, Paul
bBerlin-Friedenau
cBerlin
dHalle (Saale)
eHalle (Saale)
fBerlin-Spandau
gHalle (Saale)
hBerlin
iSchmidt, Karl Ludwig
jWever, Wilhelm
kWever, Mathilde
lBerlin
mHalle (Saale)
nLütgert, Wilhelm
oTillich, Paul
pMahling, Friedrich
qTillich, Paul
rKaftan, Julius
sSeeberg, Reinhold
tMulert, Hermann
uTillich, Paul
vBerlin
wMahling, Friedrich
xHoll, Karl
yBaudissin, Wolf Wilhelm Graf von
zSeeberg, Reinhold
aaKaftan, Julius
abDeißmann, Adolf
acFabricius, Cajus
adSchmidt, Karl Ludwig
aeEißfeldt, Otto
afRichter, Julius
agSchmidt, Carl
ahMahling, Friedrich

Überlieferung

Signatur
Deutschland, Berlin, Humboldt-Universität Berlin, Universitätsarchiv, Humboldt-Universität Berlin, Universitätsarchiv, Theol. Fak. 142, Bl. 164
Erstpublikation
Erdmann Sturm: „ An der engen Pforte der historischen Methode vorbei. Paul Tillichs Habilitation in Halle (1916) und seine Umhabilitierungen nach Berlin (1919) und Marburg (1924). “ . In: International Yearbook for Tillich Research Bd. 10/1 (2015), 312f..
Typ

Brief, eigenhändig

Postweg
Berlin-Friedenau - unbekannt

Entitäten

Personen

Orte

Zitiervorschlag

Brief von Paul Tillich an die theologische Fakultät der Universität Berlin vom 3. Dezember 1918, in: Paul Tillich, Korrespondenz. Digitale Edition, hg. von Christian Danz und Friedrich Wilhelm Graf. https://tillich-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L00582.html, Zugriff am ????.

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