Der editierte Text

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Lieber Leibfux (Details anzeigen)!

Für Deinen l. Brief1, auf den ich schon lange gewartet hatte, herzl. Dank. Es macht mir Freude, daß Du Dich, wie Du schreibst, von Deiner Krankheit2 wieder so ziemlich erholt hast und daß es Dir in Tübingen (Details anzeigen) recht gefällt;. Vielleicht – nach Deinem Schreiben sogar wahrscheinlich – hast Du es in Tübingen (Details anzeigen) besser gefunden, wie ich hier in Gießen (Details anzeigen).3 Denn mir gefällt es hier nicht besonders gut. Ich kann mich in den hiesigen Betrieb nicht mehr gut reinfinden.

Es bestehen 2 Parteien hier in der Verbindung, die eine ist die Urgießener | (das sind fast lauter Leute, die noch nicht weiter gekommen sind wie G. (Details anzeigen)) die andere ist die sogenannte Hallenser Partei, erstere betont mehr das Äußere, zweite mehr das Innere. Ich kam hierher mit dem festen Entschluß den Urgießener darzustellen, aber bald merkte ich, daß ich in meinen Anschauungen der 2. Partei nähere stehe. Landmann (Details anzeigen) u. Diehl (Details anzeigen) stehen vollständig auf dieser Seite. Von letzterer Partei wurde ich auch vorige Woche zum xx4 vorgeschlagen. Da sich aber das Leibburschenkolleg in der Mehrheit aus G Leuten der G. Partei zusammensetzte blieb man beim alten xx. Aus der Kammer lasse ich mich nicht vorschlagen. Selbst wenn ich vom L.B.C. vorgeschlagen worden wäre, hätte ich die Charge wahrscheinlich doch nicht genommen. Das habe ich auch gleich, als ich vor| geschlagen wurde, gesagt. Ich habe viel zu viel zu thun, als daß ich noch eine Charge annehmen könnte.5

Kolleg habe ich ja nur 14 Stunden, aber 4 Seminarien (in 2 ordentl. Mitglied) u. 2 Repetitorien, die machen einem zu schaffen.

Auf die Wartburg (Details anzeigen) komme ich voraussichtlich nicht.6 Ich habe ja ein Wartburgfest mitgemacht u. ich sehe nicht ein, warum ich 40-50 M, die ich sonst nötiger brauchen kann, so verarbeiten soll, zumal ich auch Pfingsten wieder ganz gern einmal zu Haus bin. Von der Verbindung gehen etwa 20 Leute hin.

Wie geht es Kaumann (Details anzeigen) u. Blech (Details anzeigen)? Tamm (Details anzeigen) u. Geyer (Details anzeigen) waren mit den anderen Marburger Füxen auf unserer Receptionskneipe, wie Du wohl auch aus meiner Karte7 hast schließen können. Stieglitz (Details anzeigen) soll in Marburg (Details anzeigen) | beim V.D.S.8 sein. Morgen ist in Marburg (Details anzeigen) Reception, unsre Confuxia9 wird auch officiell vertreten sein.

Herzl. Gruß

Dein tr. Lbb. Gerich, [Darstellung: Drei Wingolfzirkel.] !

Eines möchte ich Dir noch empfehlen, sage über die Verbindungangeleg. die ich oben schrieb, besonders was mich angeht, nichts weiter.


Fußnoten, Anmerkungen

1Nicht überliefert.
2Paul Tillich hatte sich während des Sommersemesters 1905 in Tübingen (Details anzeigen) zweier Ohrenoperationen unterziehen müssen. Vgl. GW XIII, 541 (Details anzeigen); EW V, 26 (Details anzeigen). Patientenakten aus diesem Zeitraum sind nicht erhalten.
3Paul Tillich und August Gerich lernten sich im Wintersemester 1904/1905 in Berlin kennen. Nach seinem Abschluss kehrte August Gerich nach Gießen zurück, wo er 1903 dem Gießener Wingolf beigetreten war. Tillich setzte sein Studium für ein Semester in Tübingen fort.
4Als XX bezeichnet man einen Zweitchargierten oder Fuxmajor. Der XX ist für neu eingetretene Füxe verantwortlich.
5 August Gerich (Details anzeigen) war nach seiner Rückkehr zum Gießener (Details anzeigen) Wingolf zum Sommersemester 1905 zum „Reversverwalter“ gewählt worden. Ein weiteres Amt anzunehmen, sah er sich offenkundig außer Stande.
6Das zweijährlich stattfindende Wartburgfest des Wingolfsbundes, zu dem der jeweils geschäftsführende „Vorort“ einlädt, fand 1905 vom 13. bis 16. Juni auf Einladung des Bonner (Details anzeigen) Wingolf statt. Auf der Teilnehmerliste findet sich weder der Name Gerichs (Details anzeigen) noch Paul Tillichs (Details anzeigen). (S. [Anonym]: Teilnehmerliste, in: Wingolfs-Blätter 34 (1904/05), S. 165 f.) (Details anzeigen)
7Bisher wurde keine Karte von Gerich gefunden, die Bezug auf die hier erwähnte Rezeptionskneipe nimmt.
8Der Verein Deutscher Studenten (VDSt) zu Marburg ist eine seit 1886 bestehende Studentenverbindung.
9Als „Confuxia“ bezeichnet man die im selben Semester in die Verbindung eingetretenen Studenten.

Register

aGießen
bTillich, Paul
c
dTillich, Impressionen und Reflexionen, None
eTillich, Ein Lebensbild in Dokumenten: Briefe, Tagebuch-Auszüge, Berichte, 1980
fTübingen
gTübingen
hGießen
iGießen
jLandmann, Gustav
kDiehl, Wilhelm
lGerich, August
mGießen
nWartburg
oBonn
pGerich, August
qTillich, Paul
rWingolfsbund, Teilnehmerliste des 27. Wartburgfestes, 1905
sKaumann, Edwin
tBlech, Georg
uTamm, Friedrich
vGeyer, Johannes
wStieglitz, ???
xMarburg an der Lahn
yMarburg an der Lahn

Überlieferung

Signatur
USA, Cambridge, MA, Harvard University, Harvard Divinity School Library, Tillich, Paul, 1886-1965. Papers, 1894-1974., bMS 649/144
Typ

Brief, eigenhändig

Postweg
Gießen - unbekannt
voriger Brief in der Korrespondenz
Brief von August Gerich an Paul Tillich vom 21. März 1905 [PS]
nächster Brief in der Korrespondenz
Brief von August Gerich an Paul Tillich vom 26. Juni 1905

Entitäten

Personen

Orte

Literatur

Zitiervorschlag

Brief von August Gerich an Paul Tillich vom 4. Mai 1905, in: Paul Tillich, Korrespondenz. Digitale Edition, hg. von Christian Danz und Friedrich Wilhelm Graf. https://tillich-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L00052.html, Zugriff am ????.

Für Belege in der Wikipedia

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L00052.pdf