Der editierte Text

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Heidelberg (Details anzeigen), den 19.8.50
Weberstr. 13

Lieber Herr Tillich (Details anzeigen),

Heute möchte ich Ihnen nur ankündigen, dass ich etwa am 20. Oktober auf zwei Monate zu einer Vortragsreise nach den Staaten (Details anzeigen) komme. Überflüssig zu sagen, wie begierig ich bin, Sie dann wiederzusehen.

Die Vortragsreise ist angeregt und arrangiert von dem Institute of International Education in New York (Details anzeigen),1 und ich höre gerade von dort, dass bisher etwa 25 oder 30 verschiedene Aufforderungen aus allen möglichen Gegenden vorliegen. Ich habe seinerzeit, als die Anfrage an mich herankam, die folgenden vier Vortragsthemen vorgeschlagen, aus denen die jeweiligen Veranstalter das auswählen mögen, was ihnen am interessantesten erscheint:
1) Nationalism und Militarism in Germany (Details anzeigen) Now.
2) Political Parties and the Party System in the Federal Republic of Germany (Details anzeigen).
3.) Western European Coalition Governments and Eastern Block-Government.
4.) The Crisis of Parliamentary Government in Europe (Details anzeigen).

Ich weiss nicht, ob Sie die Möglichkeit haben, in New York (Details anzeigen) selbst, sei es in Columbia, sei es in der New School oder sonst wo auf grund eines dieser Themen einen Vortrag oder eine Diskussion für mich zu arrangieren. Es fällt mir nämlich bei dem vorläufigen und noch unvollkommenen Reiseplan des Instituts auf, dass New York (Details anzeigen) selbst gar nicht vertreten ist. Ich habe deswegen auch gerade an Dr. Hans Simons (Details anzeigen) geschrieben, der ja nun Präsident der New School ist. Vielleicht liesse sich auch mit Franz Neumann (Details anzeigen) bei der städtischen Universität etwas derartiges vereinbaren. Ich habe ihn jüngst in Berlin (Details anzeigen) kennengelernt, und ich glaube, dass wir uns recht gut miteinander verstanden haben, – weiss aber natürlich nicht, ob Sie Verbindung mit ihm haben.

Dies alles läuft, wie ich sehe, auf eine Zumutung für Sie hinaus, die ich indessen Ihrem stets so freundlichen Sinne aufbürden zu dürfen glaube. Wenn Sie tatsächlich etwas in dieser Richtung tun können und mögen, so wäre es wohl zweckmässig, wegen der eventuellen Termine mit Mr. Donald J. Shank (Details anzeigen), Vice-President, Institute of International Education, 2 West 45th Street, New York (Details anzeigen) 19, N. Y. (Details anzeigen), Phone Murray Hill 7-0630, Fühlung zu nehmen, der diese Reise für mich vorbereitet.

Wenn nichts daraus wird, bin ich selbstverständlich auch nicht böse und freue mich in jedem Falle drauf, dass wir uns treffen können. Geben Sie mir eine Nachricht?

Inzwischen bleibe ich mit herzlichen Grüssen

stets Ihr
Sternberger (Details anzeigen)


Fußnoten, Anmerkungen

1Das Institut wurde 1919 vom Präsidenten der Columbia University, Nicholas Murray Butler (Details anzeigen), dem ehemaligen Außenminister Elihu Root (Details anzeigen) und dem Politikwissenschaftler Stephen Duggan, Sr. (Details anzeigen), gegründet. Bestimmt waren sie vom Gedanken der Völkerverständigung, die nach dem Weltkrieg als umso dringlicher erschien. Das vom Institut begründete „Emergency Committee in Aid of Displaced Foreign Scholars“ unterstützte eine Vielzahl emigrierter Wissenschaftler; vgl. Christophersen/Schulze (Details anzeigen): „Chronologie eines Eklats. Hannah Arendt und Paul Tillich (Details anzeigen)“ (2008), 100 f.

Register

aHeidelberg (Deutschland)
bTillich, Paul
cVereinigte Staaten von Amerika
dNew York City
eButler, Nicholas Murray
fRoot, Elihu
gDuggan, Stephen P.
hChristophersen, Alf; Schulze, Claudia
iChristophersen, Chronologie eines Eklats. Hannah Arendt und Paul Tillich, 2002
jDeutschland
kDeutschland
lGolf von Mexico
mNew York City
nNew York City
oSimons, Hans
pNeumann, Franz
qBerlin
rShank, Donald J.
sNew York City
tNew York, USA
uSternberger, Dolf

Überlieferung

Signatur
Deutschland, Marbach, Deutsches Literaturarchiv Marbach, Dolf Sternberger (1907–1989)., Nachlass, Handschriftensammlung. A: Sternberger, Dolf., Mappe 5088, DE-2498-HS00108207
Erstpublikation
Alf Christophersen Friedrich Wilhelm Graf: Scherben ihrer Bilder, verlorne Klänge ihrer Stimmen .... Die Korrespondenz zwischen Paul Tillich und Dolf Sternberger. Berlin/ Boston, MA: De Gruyter, 2009, 75–111; hier 99–101. ( Journal for the History of Modern Theology / Zeitschrift für Neuere Theologiegeschichte , Bd. 16 (1))
Typ

Brief, maschinenschriftlicher Durchschlag; adressiert: „Herrn Prof. Dr. Paul Tillich, Union Theological Semenary [sic!] , New York, N. Y.“

Postweg
Heidelberg - New York, N. Y.
voriger Brief in der Korrespondenz
Brief von Dolf Sternberger an Paul Tillichvom 25. Juni 1948
nächster Brief in der Korrespondenz
Brief von Paul Tillich an Dolf Sternbergervom 1. September 1950

Entitäten

Personen

Orte

Literatur

Zitiervorschlag

Brief von Dolf Sternberger an Paul Tillichvom 19. August 1950, in: Paul Tillich, Korrespondenz. Digitale Edition, hg. von Christian Danz und Friedrich Wilhelm Graf. https://tillich-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L11355.html, Zugriff am ????.

Für Belege in der Wikipedia

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