Der editierte Text

| Pastor Walter Dittmann (Details anzeigen)
Hamburg (Details anzeigen) 13
Heimhuderstraße 92
Hamburg (Details anzeigen), den 5. Juli 1948

Sehr verehrter Herr Professor (Details anzeigen)!

Am Freitag, dem 2. Juli, hielt Herr Prof. Eduard Heimann (Details anzeigen) in unserem überfüllten Gemeindesaal einen Vortrag über „Christentum und Demokratie“. Bei der Gelegenheit erfuhr ich erst von ihm, daß Sie kurze Zeit in Hamburg (Details anzeigen) gewesen sind und hier zwei Vorträge gehalten haben.1 Mir war diese Nachricht völlig neu, ebenso wie sämtlichen anderen Teilnehmern unseres Gespräches. Die Organisation der notwendigen Nachrichtenübermittlung ist in Universität und Landeskirche so schlecht, daß Sie in Hamburg (Details anzeigen) sprechen konnten, ohne daß diejenigen Menschen, die den brennenden Wunsch gehabt hätten, Sie nach so langen Jahren wieder einmal zu hören, auch nur die leiseste Ahnung davon hatten. Wäre Ihr Vortrag bekanntgemacht worden, so hätte zweifellos das Auditorium maximum nicht ausgereicht.

Professor Heimann (Details anzeigen) hat mich jedoch gleichzeitig ermutigt, Ihnen eine Bitte vorzutragen. Wäre es nicht möglich, daß Sie während Ihres Marburger (Details anzeigen) Aufenthaltes bzw. am Ende desselben noch einmal nach Hamburg (Details anzeigen) kämen? Wir würden Ihnen dafür garantieren, daß Sie vor einem vollen Hause sprechen würden. Es ist nicht schwer, dies Versprechen abzugeben. Die Wahl des Themas möchte ich Ihnen vollkommen freistellen. Sie kennen wohl die deutsche Situation in kirchlicher, religiöser und politischer Hinsicht schon soweit, daß Sie selber wissen, wo ein Wort von Ihrer Sicht der Dinge aus weiterführend wäre. Als Vortragsraum würde ich gerne unseren Gemeindesaal vorschlagen, der 250 Personen faßt. Wenn es Ihnen lieber wäre, könnten wir auch das Auditorium maximum der Universität nehmen.

Ich spreche diese Bitte persönlich mit großer Dringlichkeit aus. In den Jahren vor 1933 habe ich durch Ihre Bücher und Vorträge viel gelernt, auch dort, wo ich Ihnen nicht ganz folgen konnte. Ich habe es mit vielen anderen oft bedauert, daß uns in den späteren Jahren der Einschlag Ihres klaren, sauberen und leidenschaftlichen Denkens fehlte. Sie selber werden sich meiner nicht erinnern, obwohl ich ein- oder zweimal nach einem Vortrage mit Ihnen sprach. Dagegen kennen Sie die beiden hamburgischen Pfarrer, mit denen ich damals am meisten befreundet war, Walther Hunzinger (Details anzeigen), der jetzt in Wiesbaden ist, und Max Behrmann (Details anzeigen).

Sie werden diese persönliche Bitte aber nicht dahin mißverstehen, als ob ich nur mein eigenes Anliegen, das allerdings dringlich genug ist, vorzubringen hätte. Ich kenne eine Menge von Menschen, die unendlich dankbar wären, wenn Sie die Möglichkeit hätten, meine Bitte zu erfüllen.

Mit einem herzlichen Dank für alles das, was Ihr Denken mir bisher bedeutet hat,

Ihr sehr ergebener
Dittmann (Details anzeigen)


Fußnoten, Anmerkungen

1Informationen über die erwähnten Vorträge sind nicht bekannt.

Register

aDittmann, Walter
bHamburg
cHamburg
dTillich, Paul
eHeimann, Eduard
fHamburg
gHamburg
hHeimann, Eduard
iMarburg an der Lahn
jHamburg
kHunzinger, Walther
lBehrmann, Max
mDittmann, Walter

Überlieferung

Signatur
USA, Cambridge, MA, Harvard University, Harvard Divinity School Library, Tillich, Paul, 1886–1965. Papers, 1894–1974., bMS 649/136 (49)
Typ

Brief, maschinenschriftlich; Unterschrift eigenhändig

Postweg
Hamburg - unbekannt

Entitäten

Personen

Orte

Zitiervorschlag

Brief von Walter Dittmann an Paul Tillichvom 5. Juli 1948, in: Paul Tillich, Korrespondenz. Digitale Edition, hg. von Christian Danz und Friedrich Wilhelm Graf. https://tillich-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L11181.html, Zugriff am ????.

Für Belege in der Wikipedia

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