Der editierte Text

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Lieber, verehrter Herr Professor (Details anzeigen),

wir hofften, Sie schon vor langem in New York (Details anzeigen) begrüssen zu können, die Behandlung unserer Visa weist aber einen Langsamkeitsrekord auf. Usere Affidavits, die wir vor Jahresfrist einreichten, wurden im März d. J. als gut anerkannt. Wir wurden aber erst am 26. August zur persönlichen Vorstellung nach ZUERICH (Details anzeigen) geladen. In der Regel erhält man ca. 10 Tage darauf seine Visa, ich erfuhr aber heute am Telephon, dass unsere Quotennummern1 noch nicht eingelangt seien, obwohl am 26.8. darum gekabelt wurde.

Diese Quotensache ist bei uns etwas verzwickt, weil ich auf die tschechische Quote rechne, als in Prag geboren, während Maria (Details anzeigen) , als Berlinerin, auf die deutsche Quote kommt. Die deutsche Quote ist nicht ausgenützt, die tschechische aber zu knapp. Maria (Details anzeigen) hätte also schon reisen können, wir hatten aber gebe[ten,] unsere Akten gemeinsam zu behandeln, weil wir nicht gesondert fahren wollten. Dabei hatte ich allerdings gehofft, noch im alten Quotenjahr, also vor dem 30.6. daranzukommen, die noch freien Nrn. sind aber für Vorzugsfälle verbraucht worden, das sind solche, wo die Emigranten Eltern oder Kinder schon drüben haben oder Vollwaisen unter 14 Jahren sind.

Es könnte nun passieren, dass auch im laufenden Quotenjahr (1.7.46 – 30.6.47) nur Vorzugsfälle berücksichtigt werden, so dass wir bestenfalls erst im Sommer 1947 reisen könnten. Das würde uns in eine höchst peinliche Lage bringen, denn wir haben unsere Mittel aufgezehrt. Maria (Details anzeigen) als Anfängerin könnte, selbst wenn sie Arbeitserlaubnis erhält, nicht genug verdienen, um sich selbst zu erhalten, und die hiesigen Hilfskomités haben ihre Unterstützung mangels Geldmittel eingestellt.

Auf meine Frage, ob das Konsulat etwas zur Beschleunigung tun könnte, wurde mit Nein geantwortet. Die Entscheidung liegt in WASHINGTON (Details anzeigen).

Ich wollte mir nun die Anfrage erlauben, ob Sie oder Ihr Comité in Washington (Details anzeigen) Erkundigungen wegen unseres Falles einziehen könnten. Das Merkwürdige bei uns ist, dass, wenn Maria (Details anzeigen) vorausfährt, ich nach drei Monaten selbst zum „Vorzugsfall“ würde, es kann nur passieren, dass die tschechische Quote inzwischen für dieses Jahr doch gänzlich verbraucht ist. Könnte man aber unsern Fall, bei dieser Sachlage, nicht kurzerhand als Vorzugsfall behandeln?

Jedenfalls ist es für uns von grösster Wichtigkeit zu erfahren, wie die Sache in Washington (Details anzeigen) steht, und Sie würden uns einen grossen Dienst erweisen, durch eine authentische Information auf schnellstem Wege, wenn Ihnen dies möglich ist.

Ich gebe die Hoffnung noch nicht auf, dass wir uns bald bei Ihnen melden können und verbleibe, mit unsern freundschaftlichen Grüssen,

Ihr sehr ergebener
Jean Arthur Jacker (Details anzeigen)

Unsere Daten sind:
Jean-Arthur Jacker (Details anzeigen), geb. 19.7.75 in Prag (Details anzeigen),
Maria Jacker (Details anzeigen), geb. 4.11.1927 in Berlin (Details anzeigen)


Fußnoten, Anmerkungen

1Im Jahr 1924 verabschiedete der US-Kongress den „Johnson-Reed-Act“, durch den die Einwanderungsgesetze der USA überarbeitet wurden. Hierbei wurden bestimmte Quoten bzw. ein bestimmtes Visa-Kontingent für jedes Land pro Jahr festgelegt, was Einwanderung selektieren und begrenzen sollte. Der „Johnson-Reed-Act“ blieb bis 1965 in Kraft.

Register

aMuttenz (Basel-Landschaft)
bSchweiz
cTillich, Paul
dNew York City
eZürich
fJacker, Maria
gJacker, Maria
hJacker, Maria
iWashington, D.C.
jWashington, D.C.
kJacker, Maria
lWashington, D.C.
mJacker, John Arthur
nJacker, John Arthur
oPrag
pJacker, Maria
qBerlin

Überlieferung

Signatur
USA, Cambridge, MA, Harvard University, Harvard Divinity School Library, Tillich, Paul, 1886–1965. Papers, 1894–1974., bMS 649/155 (3)
Typ

Brief, maschinenschriftlich; am oberen linken Blattrand: „Jean-Arthur Jacker“; Adresszeile: „Herrn Prof. Dr. Paul TILLICH, c/o Union Theological Seminary, Broadway at 120th Street, NEW YORK, N. Y., U. S. A.“

Postweg
Freidorf (Muttenz), Basel-Landschaft, Schweiz - New York, NY
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Entitäten

Personen

Orte

Zitiervorschlag

Brief von Jean-Arthur Jacker an Paul Tillich vom 20. September 1946, in: Paul Tillich, Korrespondenz. Digitale Edition, hg. von Christian Danz und Friedrich Wilhelm Graf. https://tillich-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L11004.html, Zugriff am ????.

Für Belege in der Wikipedia

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L11004.pdf