Der editierte Text

|

Liebstes Hannahchen (Details anzeigen)!

Es ist 11 Uhr Abends, ich liege im Bett und notiere Dir die Ereignisse dieses höchst interessanten Tages:

Späte Ankunft in Oxford (Details anzeigen), auf der letzten Strecke Dean Russel (Details anzeigen) von Anke (Details anzeigen), wo ich im April gesprochen habe. Im {¿¿¿} zum University College, im Alten {¿¿¿} Zimmer, grosses Wohnzimmer und kleines Schlafzimmer. Alte Alte Mauern, breite Fensternischen, Blick in den Garten. Mir gegenüber den Lord-Bischof von Southmark (Details anzeigen). Briefe von Adolf und Nina Baring (Details anzeigen). Essen in kleinem Lokal. Gang zur Registration. Aufenthalt und Essen sind bezahlt. Treffe verschiedene Leute. Zurück ins Zimmer. Auspacken, Einwärmen. Gang zum Theater, wo um 5 die erste Sitzung ist. Ich treffe Visser A. Hoft (Details anzeigen), der schnell erzählt, dass Niemöllers (Details anzeigen) Verhaftung lebensgefährlich wäre und dass gestern die Bekenntniskirche sich wieder vereinigt hätte. Ich begrüsse Coffin (Details anzeigen), der mich wegen Dibelius (Details anzeigen) Berufung, die er jetzt sehr begünstigt, sprechen will. Ich begrüsse Adam Brown (Details anzeigen), Oldhorn (Details anzeigen), der sagt, | in zwei Tagen wäre er frei. {¿¿¿} kommt auf mich zu und ist richtig böse, dass ich ihn nicht in Paris aufgesucht habe. Ich schiebe alle Schuld auf Dich. John Matt (Details anzeigen) eröffnet die Sitzung. Reden von Heller (Details anzeigen), bei dem ich im vorigen Jahre in Genf (Details anzeigen) geredet habe, von dem Bischof von {¿¿¿}, der mich nachher begrüsst, von dem französischen Präsidenten, der weitaus am glänzendsten spricht, mit dem ich bei Lord {¿¿¿} zusammen war, von Visser A. Hoft (Details anzeigen), der sehr leidig aussieht. Nachher begrüsse ich Erzbischof Tumble von York (Details anzeigen), Reini Niebuhr (Details anzeigen), Dorothe Fossdick (Details anzeigen), ein paar Studenten, von Ansen (Details anzeigen), Brunner (Details anzeigen). Ich bringe Brunner (Details anzeigen) in sein College. Wir haben ein sehr vertrauliches Gespräch über die deutsche Lage. Er begrüsst sowohl dass die deutschen Vertreter nicht da sind, als auch dass Barth (Details anzeigen), den man gedrängt hat, fehlt. Ich gehe in mein College und begrüsse Baille (Details anzeigen), der sehr herzlich ist. Wir sitzen zusammen beim Abendbrot und haben gleich schwere dogmatische Gespräche. Er hat gestern direkte Nachricht von Heim Tübingen (Details anzeigen) bekommen, dass dieser ganz zerbrochen ist, weil ihm der Pass für Oxford (Details anzeigen) verweigert ist. Ich erzähle ihm, dass | Niemöller (Details anzeigen) vor dem Volksgerichtshof wegen Hochverrat steht. In seinem Telephon war ein Mikrophon eingebaut, das alles abhörte. Baille (Details anzeigen) selbst hat vor einem Jahr folgende Unterhaltung mit ihm gehabt: Er frage ihn, ob es sich in seinem Kampf nur um die kirchlichne Eingriffe oder um den Nationalsozialismus selbst handele. Nach Zögern antworteten Niemöller (Details anzeigen) und die andern Fremden: Um den Nationalsozialismus selbst zwischen ihm und dem Christentum gibt es keine Einheit. Ich frage Baille (Details anzeigen), ob die Konferenz etwas für ihn tun könne. Er erzählt, dass vor 8 Tagen in einer Edinburger (Details anzeigen) Kirche vor 1000 Menschen für ihn gebetet worden wäre. Wir gehen zur Abendsitzung. Ich begrüsse {¿¿¿} (Details anzeigen), Mrs. Coffin (Details anzeigen), Lady Moberly (Details anzeigen), in deren Haus ich vor einem Jahr war. Ursula Niebuhr (Details anzeigen), sitzt mit ihm oben im Rand. Der Erzbischof von Canterbury (Details anzeigen) kommt im Ornat mit Begleitung u.a. von Baille (Details anzeigen), der den Gottesdienst leiten soll. Der Gottesdienst beginnt mit: 'Eine feste Burg', wie am Morgen mit 'Nun danket alle Gott'. Die Konferenzsprache ist Englisch, Deutsch, Französisch. Ein grossartiger Schweizer Übersetzer überträgt alles. | Die ganze Rede des Erzbischofs. Sehr fein, sehr diplomatisch. Minuten länger, demonstrativer Beifall nur an einer Stelle: Als er über das Wegbleiben der Deutschen sprach und die umso stärkere geistige Verbundenheit mit ihnen betonte. Nachher stand {¿¿¿} (Details anzeigen) auf und verlas unter atemloser Spannung ein Telegramm von Maharenz (Details anzeigen) mit Segenswünschen für die Konferenz. Darauf beantragte er Verweisung der ganzen {¿¿¿} an eine Kommission. Darauf sagte der Erzbischof (Details anzeigen): Darüber hinaus sollte die Versöhnung sich erheben und still für die Deutschen beten. Das war sehr ergreifend. Nachher sprach er auch noch ein Gebet. Nach der Versammlung fragte ich den Bischof von {¿¿¿} (Details anzeigen) ob man nicht etwas für Niemöller (Details anzeigen) tun könne. Trotzdem war er bereit, das Gebet für ihn zu sprechen. Man hielt es dann aber für wirksamer, es später zu tun. Ich begleite Reini (Details anzeigen) und Ursula (Details anzeigen) lange durch die Strassen und gehe ins Bett!


Fußnoten, Anmerkungen

Register

aTillich, Hannah
bOxford
cRussel, Dean
d???, Anke
eLord-Bischof von Southmark
fBaring, Nina
gVisser ‘t Hooft, Adolf Willem
hNiemöller, Martin
iCoffin, Henry S.
jDibelius, Martin
kBrown, Adam
lOldhorn, ???
mMatt, John
nHeller, Hermann
oGenf
pVisser ‘t Hooft, Adolf Willem
qErzbischof Tumble von New York
rNiebuhr, Reinhold
sFossdick, Dorothe
tvon Ansen, ???
uBrunner, Emil
vBrunner, Emil
wBarth, Karl
xBaille, ???
yTübingen
zHanffstengel, Gottfried von
aaNiemöller, Martin
abBaille, ???
acNiemöller, Martin
adBaille, ???
aeEdinburgh
afAbaelard, Peter
agMrs. Coffin
ahLady Moberly
aiNiebuhr, Ursula M.
ajErzbischof von Canterbury
akBaille, ???
alAbaelard, Peter
amMaharenz
anErzbischof von Canterbury
aoAbaelard, Peter
apNiemöller, Martin
aqNiebuhr, Reinhold
arNiebuhr, Ursula M.
asTillich, Paul

Überlieferung

Signatur
USA, Cambridge, MA, Harvard University, Harvard Divinity School Library, Tillich, Paul, 1886-1965. Papers, 1894-1974., bMS 721/3(7)
Typ

Brief, handschriftlich

Postweg
unbekannt - unbekannt
voriger Brief in der Korrespondenz
Brief von Paul Tillich an Hannah Tillichnach dem 12. Juli 1937
nächster Brief in der Korrespondenz
Brief von Paul Tillich an Hannah Tillichvermutlich 20. Juli 1937

Entitäten

Personen

Orte

Zitiervorschlag

Brief von Paul Tillich an Hannah Tillichden 12. Juli 1937, in: Paul Tillich, Korrespondenz. Digitale Edition, hg. von Christian Danz und Friedrich Wilhelm Graf. https://tillich-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L10357.html, Zugriff am ????.

Für Belege in der Wikipedia

{{Internetquelle |url=https://tillich-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L10357.html |titel=Brief von Paul Tillich an Hannah Tillichden 12. Juli 1937 |werk=Paul Tillich, Korrespondenz. Digitale Edition. |hrsg=Christian Danz, Friedrich Wilhelm Graf |sprache=de | datum=12.07.1937 |abruf=???? }}
L10357.pdf