Der editierte Text

|

Lieber Paul (Details anzeigen) und liebe Hannah (Details anzeigen)!

Habt 1000 Dank für Euren lieben Weihnachtsbrief 1 und Eure Neujahrswünsche. Die übersandten Lichtbilder sind vorzüglich u. mir eine besondere Freude. Man kann sich doch dadurch ein wenig mehr in Eure Gemeinschaft hineindenken. Möchte in Sonderheit der Stammhalter weiterhin so prächtig gedeihen – Von mir kann ich nichts neues berichten. Es geht aber so, wie es die zunehmende Altersschwäche mit sich bringt. Daß bei der häufigen u. manchmal tagelangen Einsamkeit sich melancholische Erinnerungen | an vergangene Tage einstellen, ist natürlich. Ein- bis zweimal in der Woche bin ich in Tempelhof (Details anzeigen) und habe an Elisabeth (Details anzeigen) eine sehr treue und fürsorgende Tochter. – Bei Index bin ich mit Elis. (Details anzeigen) gewesen, wir |:haben:| das Übersandte von ihm erhalten u. uns viel Interessantes mitteilen lassen. Dazu hätte ich nun viel zu sagen, wenn es sich so machen ließe. Ich verfolge die politischen, sozialen und kulturellen Vorgänge in der Welt, in Deiner gegenwärtigen Heimat und im Vaterland mit allem Interesse; u. tue das vom Standort geistiger Schau. Äußere Tagesereignisse spielen dabei keine große Rolle, gleichviel ob sie vom Inland oder Ausland – also verschieden – berichtet werden. Ich sehe das beste Bollwerk gegen den Bolschewismus, gegen den man sich jetzt in vielen Ländern zu regen beginnt, zur Zeit im neuen Deutschland, ohne die geistigen Gefahren, die sich in Wolken regen, zu verkennen. Christentum oder Antichristentum das ist das Entweder-Oder, u. bedeutet im tiefsten Grunde den Kampf, der | auch bei uns gekämpft wird. Aber Du hast recht: Die Zukunft ist eine {Sphinx}. Daß irgendwie die Deutsche evang. Kirche eine neue Gestalt gewinnen wird, ist wohl gewiss. Jedenfalls werden die Gemeinden schon jetzt lebendiger. Das Befriedigungswerk nimmt seinen organisatorische Fortgang; im übrigen gilt es auch hier abzuwarten.

Auf Stärkste interessieren mich Deine Reisepläne. Möchten sie gelingen. Ob aber ich nach {Ankona}, das ich ja kenne, kommen kann, ist leider unwahrscheinlich; überdies sind d. Monate bis dahin für mich eine sehr lange Zeit; wer weiß, was sich bis dahin ereignet; ich muß auf alle Pläne verzichten. –

Hermann Tillich (Details anzeigen) in Potsdam (Details anzeigen) | hat einen schweren Schlaganfall erlitten, es wird mit ihm wohl zu Ende gehen. Er ist mein ältester Kousin. – Bei Dürselens in Berlin (Details anzeigen) geht es ganz gut. Auch bei Fritz D. in Köln (Details anzeigen). –

Der Tübinger Wingolf besteht Farben tragend weiter, der Berliner hat geschlossen; der W-Bund ist aufgelöst.

Nun schließe ich mit den innigsten Wünschen für Euch 4, für Deine schwere Arbeit, mein lieber Paul (Details anzeigen), und für weitere leidliche Existenz. Durch Vermittelung von Frau Krüger (Details anzeigen) werdet Ihr noch etwas Nachträgliches zu Weihnacht von mir erhalten.

Gott mich Euch im neuen Jahr.

In alter Liebe Euer

Vater Tillich (Details anzeigen)


Fußnoten, Anmerkungen

1liegt nicht vor

Register

aBerlin
bTillich, Paul
cTillich, Hannah
dBerlin-Tempelhof
eSeeberger, Elisabeth
fSeeberger, Elisabeth
gTillich, Hermann
hPotsdam
iBerlin
jKöln
kTillich, Paul
lKrüger, Frau
mTillich, Johannes Oskar

Überlieferung

Signatur
USA, Cambridge, MA, Harvard University, Harvard Divinity School Library, Tillich, Paul, 1886-1965. Papers, 1894-1974., bMS 649/193
Typ

Brief, eigenhändig

Postweg
unbekannt - unbekannt
voriger Brief in der Korrespondenz
Brief von Johannes Tillich von Weihnachten 1936
nächster Brief in der Korrespondenz
Brief von Johannes Tillich an Paul Tillich vom 26. Februar 1936

Entitäten

Personen

Orte

Zitiervorschlag

Brief von Johannes Tillich an Paul Tillich vom 12. Januar 1936, in: Paul Tillich, Korrespondenz. Digitale Edition, hg. von Christian Danz und Friedrich Wilhelm Graf. https://tillich-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L10259.html, Zugriff am ????.

Für Belege in der Wikipedia

{{Internetquelle |url=https://tillich-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L10259.html |titel=Brief von Johannes Tillich an Paul Tillich vom 12. Januar 1936 |werk=Paul Tillich, Korrespondenz. Digitale Edition. |hrsg=Christian Danz, Friedrich Wilhelm Graf |sprache=de | datum=12.01.1936 |abruf=???? }}
L10259.pdf