Undatierter Brief von Paul Tillich an Hannah Tillich vermutlich aus dem Jahr 1935

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Der editierte Text

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Mein liebses Hannahchen (Details anzeigen)!

Was für eine Freude war Dein Brief heut! Und das Gedicht, wo der letzte Vers alle meine Sehnsucht zu Dir und mit Dir so hoffnungsvoll und {beseligend} zusammenfasst. Es ist ein sehr schönes Gedicht und stösst zu meinem innersten Herzen vor!

Und dazu das süsse kleine Erdmuthe (Details anzeigen)-Gedicht über die Katze. Sie ist also noch immer in ihrem Bewusstsein; das freut mich als Ausdruck von Treue; auch ist es gut, dass sie zwischendurch mal Deutsch dichtet.

Hast Du Horkheimers (Details anzeigen) (Details anzeigen) berichtet, dass unsere Sachen nun abgehen; sie gehen an ihren {???} und in ihren Keller; sie müssen also Bescheid wissen.

Über Erdmuthe (Details anzeigen)s Geige freue ich mich sehr, wenn sie nicht eine falsche Gefahr für sie wird durch falsche Angewohnheiten, | die dann schwer wieder auszutreiben sind.

Den Brief von Wolfgang (Details anzeigen)1 finde ich recht gut. Der abgesetzte Chef scheint mit Plank zu sein, wahrscheinlich wegen seiner Rede bei {???} Beerdigung. Auch dem was er über das "zusammendenken" schreibt, kann ich nicht ganz unrecht geben. Die Kirche hat sich ja mit Recht immer dagegen gewehrt; die Philosophie als Universitätsbetrieb war wehrlos.

Deiner Ablehnung von H. {???} Idee gebe ich uneingeschränkt Recht. Deine Art entschlossener Kultur-Pflege ist sogar vom kommunistischen Standpunkt allein richtig; wenn es das nicht mehr gibt, ist Kommunismus Barbarei und Herden-Fütterung. Und selbst das ist nicht möglich ohne geistig höchstgeformte 'Fütterer'.

Über M.L. (Details anzeigen) freue ich mich sehr. Sie wird Dir viel helfen und gut für Dich sein. Für mich wäre es, wenn ich nach Europa käme, eine ungeheure Beruhigung; und wir könnten es ja so einrichten, dass ich sie Anfang September noch sehen könnte.|

Anbei einen Brief2 von {???}, der mir Material zum Kirchenkampf geschickt hat. – Briefe3 von Arnold (Details anzeigen) und Doris (Details anzeigen). – Der Tanzabend war sehr komisch: Ich war mit Paucks (Details anzeigen) (Details anzeigen) in einem grösseren Kreis von Amerikanern. Das Merkwürdige ist, dass die Männer ihre Damen mit den andern Männern desselben Kreises vertauschen auf Grund einer Verhandlung. Der Gedanke ist: Jede Dame muss jeden Tanz tanzen; falls man nicht selbst will, muss man ihr den Herrn verschaffen, dessen Dame man haben will. Das kann bei mehreren Paaren sehr kompliziert werden. Nachher (d.h. nach 12, wo Schluss ist) waren wir noch in einer Wohnung, tranken und machten kindliche Spiele. –– Vor dem Tanz gab es im Lesesaal einen Film: Amerikanische Austauschstudenten auf einer Fahrt durch Deutschland (Details anzeigen): Berlin (Details anzeigen)-Potsdam (Details anzeigen)-Ostpommern (Details anzeigen)-Dresden (Details anzeigen)-Nürnberg (Details anzeigen)-München (Details anzeigen) u.s.w. Die ganze alte Romantik, jeder | Giebel schöner als alles in Chicago (Details anzeigen) und Detroit (Details anzeigen). Erst hätte ich fast geheult. Dann kriegte ich die Wut und wollte alles in Stücke schlagen. Denn diesem Geist verdanken wir die Nazis und die ganze Korruption der "deutschen Seele". Mir gefielen plötzlich die brutalen Scheusslichkeiten der amerikanischen Städte, aus denen jedenfalls solche Psychose nicht hervorgehen kann. – Gestern auf einer After-Supper-Party deutsche Musik gesungen und gespielt, z.B. das Andante aus der 5te (Details anzeigen) von Beethoven (Details anzeigen), das wir mal in der Oper mit Kleiber (Details anzeigen) gehört haben. Was für ein Volk! Und nun das! Ich komme nicht durch in meinen Gedanken darüber.

Hast Du gelesen, dass jetzt durch Zwangs-Anleihe alles alles Geld weggenommen wird?

Frühlingssonne scheint in das Zimmer und ich träume von dem Tal in Mentone (Details anzeigen).

Der Dich sehr liebt.

Fußnoten, Anmerkungen

1Nicht überliefert.
2Nicht überliefert.
3Nicht überliefert.

Register

aTillich, Hannah
bFarris, Erdmuthe
cHorkheimer, Max
dHorkheimer, Rose Christine
eFarris, Erdmuthe
fWolfgang
gWerner, Marie Luise
hWolfers, Arnold
iWolfers, Doris
jPauck, Wilhelm
kPauck, Marion
lDeutschland
mBerlin
nPotsdam
oPommern
pDresden
qNürnberg
rMünchen
sChicago, Illinois
tDetroit, USA
uo.A., 5. Sinfonie, None
vBeethoven, Ludwig van
wKleiber, ???
xMenton

Überlieferung

Signatur
USA, Cambridge, MA, Harvard University, Harvard Divinity School Library, Tillich, Paul, 1886-1965. Papers, 1894-1974., bMS 721/3(6)
Typ

Brief, eigenhändig

Postweg
unbekannt - unbekannt
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Undatierter Brief von Paul Tillich an Hannah Tillich vermutlich aus dem Jahr 1935
nächster Brief in der Korrespondenz
Undatierter Brief von Paul Tillich an Hannah Tillich vermutlich aus dem Jahr 1935

Entitäten

Personen

Orte

Literatur

Zitiervorschlag

Undatierter Brief von Paul Tillich an Hannah Tillich vermutlich aus dem Jahr 1935, in: Paul Tillich, Korrespondenz. Digitale Edition, hg. von Christian Danz und Friedrich Wilhelm Graf. https://tillich-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L10134.html, Zugriff am ????.

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