Der editierte Text

| Frankfurt/Main (Details anzeigen),
19.12.34.

Schweizerstr. 48 III

Lieber Paulus (Details anzeigen),

das ungelenk geschnittene und gedruckte Mädchen auf der Beilage soll als Sinnbild unserer Wünsche |:u.:| Gedanken lauter kleine Briefchen durch die Luft fliegen lassen, bis hin nach Amerika (Details anzeigen). Wir hier senden Ihnen und Ihrer Frau (Details anzeigen) und Erdmuthe (Details anzeigen) die herzlichsten Grüsse und Wünsche zu Weihnachten, zum Jahresende und Jahresanfang.

Dass Sie uns Ihren Aufsatz in den theologischen Blättern sandten, hat uns sehr gefreut. Das Exemplar, das St. (Details anzeigen) bekam, ist jetzt ganz unansehnlich geworden-vom-in-der-Tasche-tragen, lesen, weiter-geben. Schade, dass Sie nicht hier waren, damit wir mit Ihnen darüber sprechen konnten – schreiben lassen sich viele Dinge schlecht – und Briefe schreiben ist eine besonders schwere Kunst für Leute, die ihre eigentliche Ausdrucksmöglichkeit haben, wenn sie im Seminar reden und diskutieren können!

Von hier ist ein erfreuliches zu melden: ich bin avanciert, und ab 1. Januar Redaktionssekretärin, mit erhöhtem Gehalt, und zeichne verantwortlich sogar! was aber nicht allzu viel besagt, denn die eigentliche Arbeit ist technischer Natur. Aber die finanzielle Aufbesserung ist natürlich sehr erfreulich, und erleichtert meine Sonderexistenz in meiner Bude. Das Avancement hat auch günstig auf die Meinung meiner Mutter (Details anzeigen) über mich eingewirkt, also ganz erfreuliche Folgen gezeigt. Sonst ist hier alles wie immer. Jeder fast, den man von früher her kennt, hat mit dem Studium durch ein Examen abgeschlossen und müht sich, mit mehr oder weniger Erfolg, Geld zu verdienen. Wenn es die Zeit erlaubt, sieht man sich, unterhält sich, tanzt zusammen, und läuft zusammen in den Taunus (Details anzeigen).

Wir hoffen, dass es Ihnen drüben gut geht, und jeder, der hier noch ist von früher, lässt Sie grüssen. St. (Details anzeigen) will noch zu diesem Brief hinzuschreiben, so schließe ich mit meinen Wünschen und Grüssen für Sie, Ihre Frau (Details anzeigen) und Erdmuthe (Details anzeigen) (die wird ja inzwischen sehr gross geworden sein!)

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Für Ihren Aufsatz vielen herzlichen Dank. Nicht nur dafür, daß Sie ihn uns geschickt, sondern vor allem dafür, daß die ihn geschrieben haben. Denn für „uns“ ist er ja wohl geschrieben od. doch wenigstens veröffentlicht worden. Er zeigt uns zweierlei Wichtiges. Erstens, daß Sie uns nicht vergessen haben & zweitens daß Sie den Zusammenhang mit der deutschen Realität nicht verloren haben.

Über mich selbst ist nicht viel zu berichten. Man schlägt sich schlecht & recht durch, hält sich aufrecht, aber man kommt nicht vorwärts. Das Arbeiten ist ungeheuer erschwert durch die wirtschaftl.| Unsicherheit – man lebt buchstäblich von einem Tag zum andern.

Gesundheitlich geht es mir mir noch nicht bestimmt. Sie wissen, daß ich ziemlich aus dem Gleichgewicht war, als Sie uns vor 1 1/2 Jahren verliessen. Das hat sich inzwischen eher verschlechtert als gebessert. Ich hoffe aber doch, daß ich Ihnen nächstens etwas Erfreuliches über mein Arbeiten mitteilen kann.

Haben Sie noch einmal herzlichen Dank & viele Grüsse

von IhremFranz Steinrath (Details anzeigen)


Fußnoten, Anmerkungen

Register

aFrankfurt am Main
bTillich, Paul
cVereinigte Staaten von Amerika
dTillich, Hannah
eFarris, Erdmuthe
fSteinrath, Franz
gSiemsen, ?
hTaunus
iSteinrath, Franz
jTillich, Hannah
kFarris, Erdmuthe
lSiemsen, Gertrud
mSteinrath, Franz

Überlieferung

Signatur
USA, Cambridge, MA, Harvard University, Harvard Divinity School Library, Tillich, Paul, 1886-1965. Papers, 1894-1974., bMS 186(10)
Typ

Brief, maschinenschriftlich mit handschriflichen Einfügungen

Postweg
unbekannt - unbekannt

Entitäten

Personen

Orte

Zitiervorschlag

Brief von Gertrud Siemsen an Paul Tillich vom 19. Dezember 1934, in: Paul Tillich, Korrespondenz. Digitale Edition, hg. von Christian Danz und Friedrich Wilhelm Graf. https://tillich-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L10080.html, Zugriff am ????.

Für Belege in der Wikipedia

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L10080.pdf