Der editierte Text

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Freitag Nachmittag.

Liebes süßes Hannahchen (Details anzeigen)!

Seit Deinem gestrigen Telephongespräch war große Aufregung hiezulande. Nun haben sich seit heute Mittag die Wogen geglättet. Der Vater (Details anzeigen) war bei dem hiesigen Klinikleiter, Prof. Sterz (Details anzeigen)1, und hat von ihm den Rat erhalten: Nichts anderes als Bethel. Das kommt ja all unsern Wünschen entgegen. Ich habe nun sofort die Gelegenheit ergriffen und ihn die Fragebogen und das Aufnahmegesuch für Freistatt (Details anzeigen), das er zum Arzt mitbrachte, unterschreiben zu lassen. Es liegt anbei. Nun muß nur noch der ärztliche Fragebogen (etwa von Weil (Details anzeigen)) ausgefüllt werden. Dann kannst Du das Ganze wegschicken, am besten an den Leiter der Sache, Pfarrer Janßen (Details anzeigen), und Dich dabei noch einmal auf mich als Professor der Theologie berufen, was für die Aufnahme sehr wichtig ist. – Es ist also auf alle Fälle nach des Vaters (Details anzeigen) und unser aller Wunsch 1) der Antrag in Freistatt (Details anzeigen) | zu stellen. 2) Den Sanatoriumsplan rundweg fallen zu lassen. – Ich schreibe das nach unserem Telephongespräch von heut früh. – Natürlich wird das länger dauern und natürlich kannst Du nicht so lange bleiben. Ich bitte Dich also, wenn möglich, am Dienstag früh hierzusein, damit wir wieder einige reguläre Tage haben, in denen wir uns haben können, wonach ich mich innigst sehne. – Inzwischen bleibt nur möglich, daß M.L. (Details anzeigen) sich entschließt, Walter (Details anzeigen) bis zur Aufnahme in Bernau Freistatt (Details anzeigen) doch noch nach Bernau (Details anzeigen) zu bringen, oder bei sich zu behalten. Es kann ja März-April werden. – Was den religiösen Charakter betrifft, so läßt der Vater (Details anzeigen) sagen, daß er eben ertragen werden muß, und daß wenn Walter (Details anzeigen) diese letzte Hilfe nicht annimmt, er für ihn und uns alle nicht mehr existieren soll. Solltest Du wider Erwarten etwas Ähnliches, aber Besseres und Schnelleres finden, so hast Du volle Freiheit. – Dieses in großer Eile[,] heut Seminar, Morgen Kolleg, morgen Mittag Abfahrt.

In viel Liebe und Sehnsucht!
Dein

Paul (Details anzeigen).

Christian (Details anzeigen) muß sich wegen des Stipendiums an Dessoir (Details anzeigen) oder Vierkandt (Details anzeigen) wenden. Ich kann gar nichts machen. Das geht durch die Fakultät.


Fußnoten, Anmerkungen

1Mit großer Wahrscheinlichkeit handelt es sich um Georg Stertz (Details anzeigen), seit 1921 Professor für Psychiatrie und Nervenkrankheiten an der Universität Marburg (Details anzeigen) sowie Leiter der Psychiatrischen und Nervenklinik, später (ab 1926) Leiter der Nervenklinik der Universität Kiel (Details anzeigen).

Register

aTillich, Hannah
bWerner, Jean Otto Nikolaus
cStertz, Georg
dStertz, Georg
eMarburg an der Lahn
fKiel
gFreistatt
h
iJanssen, Enno
jTillich, Johannes Oskar
kFreistatt
lWerner, Marie Luise
mWerner, Walter
nFreistatt
oBernau
pWerner, Jean Otto Nikolaus
qWerner, Walter
rTillich, Paul
sHerrmann, Christian
tDessoir, Max
uVierkandt, Alfred

Überlieferung

Signatur
USA, Cambridge, MA, Harvard University, Harvard Divinity School Library, Tillich, Hannah. Papers, 1896-1976, bMS 721/2(21)
Typ

Brief, eigenhändig

Postweg
unbekannt - unbekannt
voriger Brief in der Korrespondenz
Postkarte von Paul Tillich an Hannah Tillich vom 22. April 1923 [PS]
nächster Brief in der Korrespondenz
Postkarte von Paul Tillich an Hannah Tillich vom 5. Juli 1924 [PS]

Entitäten

Personen

Orte

Zitiervorschlag

Undatierter Brief von Paul Tillich an Hannah Tillich, in: Paul Tillich, Korrespondenz. Digitale Edition, hg. von Christian Danz und Friedrich Wilhelm Graf. https://tillich-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L01518.html, Zugriff am ????.

Für Belege in der Wikipedia

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L01518.pdf