Der editierte Text

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Sehr geehrter Herr Siebeck (Details anzeigen)!

Herzlichen Dank für Ihren Brief (Details anzeigen). Leider steht es mit mir am Mittwoch folgendermassen: Von ½ 5–5 Uhr habe ich Prüfung, von 5–6 Uhr eine Antrittsvorlesung, von 6–8 Uhr Seminar.1 Ich werde aber punkt [sic!] vier in meinem Zimmer im Philosophischen Seminar der Universität sein (Eingang Universität Mertonstr.) Falls Sie mich dort aufsuchen können, hätten wir noch eine halbe Stunde Zeit. (Tel: 65892)

Ihr sehr ergebener

P. Tillich (Details anzeigen)2


Fußnoten, Anmerkungen

2Am 18. Mai 1932 schreibt Oskar Siebeck (Details anzeigen) folgenden Bericht über das Treffen mit Tillich (Details anzeigen) am 11. Mai:

Besuch bei Professor D. Dr. Paul Tillich (Details anzeigen) in Frankfurt (Main) (Details anzeigen) am Mittwoch, den 11. Mai, nachmittags.
Mit Reichl hatte Tillich (Details anzeigen) zum Schluss noch unangenehme Differenzen. Auf den seinerzeit in Dresden (Details anzeigen) abgeschlossenen Verlagsvertrag hatte er ihm erhebliche Zuschüsse bezahlt. Nachdem der Verkehr sich jahrelang in den freundlichsten Formen abgewickelt hatte, verlangte Reichl kurz nach einem sehr harmonischen Besuch in Frankfurt (Details anzeigen) sämtliche Vorschüsse mit einem offenbar sehr törichten Brief zurück.
Einstweilen beabsichtigt Tillich (Details anzeigen) nichts Theologisches zu schreiben. Deshalb rate ich ihm auch dringend ab, die Zustimmung zur Veröffentlichung einer Nachschrift seines schon eine Reihe von Jahren zurückliegenden Dogmatik-Kollegs zu erteilen. Dabei nehme ich auf die wiederholten Versuche von Frau Troeltsch (Details anzeigen) Bezug, die von Baronesse von Le Fort (Details anzeigen) nachgeschriebene Dogmatik-Vorlesung bei uns unterzubringen.
Troeltsch (Details anzeigen) habe mir kurz nach Veröffentlichung von Band II der Gesammelten Schriften erklärt, damit solle mit seiner theologischen Produktion ein für alle Mal Schluss gemacht werden. Deshalb könne Tillich (Details anzeigen) jetzt nicht wohl ein Dogmatik-Kolleg veröffentlichen, das er heute ganz anders lesen würde, zumal er den Gedanken, zu einem geeigneten Zeitpunkt wieder theologisch zu arbeiten, nicht aufgegeben habe.
Das schien Tillich (Details anzeigen) sehr einzuleuchten. Er möchte aber Klarheit darüber haben, ob für ihn noch Verpflichtungen aus den mit Reichl abgeschlossenen Verträgen bestehen. Ich stelle in Aussicht, diese Frage wolle ich gelegentlich in kollegialer Aussprache mit Frentzel (Details anzeigen) und Volckmar klarstellen, da der Konzern einstweilen für die von Reichl eingegangenen Verpflichtungen werde aufkommen müssen.
Als Nächstes schwebt Tillich (Details anzeigen) eine Arbeit „Zur systematischen Philosophie“ vor, über die er mir Näheres mitteilen will, wenn es soweit ist.
Zum Schluss empfiehlt Tillich (Details anzeigen) die philosophische Habilitationsschrift (Details anzeigen) seines Schülers und Assistenten Wiesengrün (Details anzeigen) (oder ähnlich) über Kierkegaard (Details anzeigen). Sehr schwer geschrieben und einstweilen auch zu umfangreich. Tillich (Details anzeigen) will mich daher ähnlich wie Heidegger (Details anzeigen) gerne unterstützen, wenn ich dem Verfasser wie Gerhard Krüger (Details anzeigen) [Krüger, Philosophie und Moral in der kantischen Kritik (Details anzeigen)] einen Höchstumfang von 8–10 Bogen oder weniger zur Bedingung mache, schon damit die am schwersten verständlichen Partien möglichst herausbleiben. Veröffentlichung in den „Beiträgen zur Philosophie u. i. G.“ leuchtet T. (Details anzeigen) ein.
Tübingen (Details anzeigen), 18. Mai 1932.
S. (Details anzeigen)

Register

aSiebeck, Oskar
bBrief von Oskar Siebeck an Paul Tillich vom 7. Mai 1932
cTillich, Paul
dKant, Immanuel
eKant, Kritik der Urteilskraft, 1925
fTillich, Paul
gSiebeck, Oskar
hTillich, Paul
iTillich, Paul
jFrankfurt am Main
kTillich, Paul
lDresden
mFrankfurt am Main
nTillich, Paul
oTroeltsch, Marta
pLe Fort, Gertrud von
qTroeltsch, Ernst
rTillich, Paul
sTillich, Paul
tVolckmar-Frentzel, Theodor
uTillich, Paul
vTillich, Paul
wAdorno, Kierkegaard. Konstruktion des Ästhetischen. Beiträge zur Philosophie und ih..., 1933
xAdorno, Theodor W.
yKierkegaard, Sören
zTillich, Paul
aaHeidegger, Martin
abKrüger, Gerhard
acKrüger, Philosophie und Moral in der kantischen Kritik, 1931
adTillich, Paul
aeTübingen
afSiebeck, Oskar

Überlieferung

Signatur
Deutschland, Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz, Handschriftenabteilung, Archiv des Verlages J. C. B. Mohr (Paul Siebeck), Nachl. 488, A 0469,5; Blatt 143-205
Typ

Postkarte, maschinenschriftlich
Adressiert: „Herrn Dr. Siebeck, Mohrenstr. 27, Hospiz am Gendarmenmarkt, Berlin W. 8“

Postweg
Frankfurt am Main - Berlin
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Brief von Oskar Siebeck an Paul Tillich vom 7. Mai 1932
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Entitäten

Personen

Orte

Literatur

Briefe

Zitiervorschlag

Postkarte von Paul Tillich an Oskar Siebeck vom 8. oder 9. Mai 1932, in: Paul Tillich, Korrespondenz. Digitale Edition, hg. von Christian Danz und Friedrich Wilhelm Graf. https://tillich-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L01142.html, Zugriff am ????.

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L01142.pdf