Der editierte Text

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Lieber Paulus (Details anzeigen),

wir kommen heute von einer achttägigen Wanderung zurück, braun gebrannt und sehr befriedigt. Da freute ich mich besonders, dass Dein Brief meine neue Lebensbejahung nicht niederdrückte.

Du weisst ja, dass es mir immer schwer gewesen ist, Deinen Pessimismus in manchen Dingen auszuhalten. Und wenn man so auf dem Wege zu neuer Lebensbejahung ist, dann kann man den noch weniger gebrauchen.

Ich fühle mich so wohl wie lange nicht. Eine leise Melancholie liegt verborgen in einem über unzulängliche Dinge; aber wenn ich alles wieder zurückdenke, so weiss ich, dass ich immer wieder so handeln würde und müsste.

Aber was ich jetzt tun muss, ist mir hier klar geworden.

Vorläufig bleibe ich 8 Tage als Helferin hier,

| die Gäste sind fort, um das Haus mit reinzumachen. Dann fahren wir zusammen nach München (Details anzeigen), wo ich so lange bleiben will, bis mein Geld alle ist. Ich habe hier für 35 Mk gelebt, auf unserer Wanderung sogar nur für 30 Mk täglich, dass ich ganz erstaunt bin, wieviel Geld ich noch habe. Vielleicht kann ich bis Anfang Nov. bleiben. Darum kann ich auch nicht mehr nach Marienf. (Details anzeigen) Ich muss dann eben die Kosten bezahlen von Bendix Geld. Warum hast Du das nächste Geld ganz auf mich übertragen lassen, ich habe 1000 Mk. von B. bekommen und bekomme doch nun nur 1/3?

Mutti (Details anzeigen) schrieb heut, dass der Junge jetzt durch die Stube kriechen kann. Ich kann mir gar nicht recht vorstellen, dass ich ein Kind habe. Es gehört so mit zu der vergangenen Zeit. Ich wollte, ich bekäme erst jetzt eins.

Aber wenn ich zurückkomme, dann soll es mir ein neuer Reichtum sein, für den ich dankbar bin.

Ich habe immer Goethes (Details anzeigen) Gedichte bei mir.

Herzl. Gruss

G. (Details anzeigen)


Fußnoten, Anmerkungen

Register

aElmau
bTillich, Paul
cMünchen
dMarienfelde
eWever, Mathilde
fGoethe, Johann Wolfgang von
g

Überlieferung

Signatur
USA, Cambridge, MA, Harvard University, Harvard Divinity School Library, Tillich, Paul, 1886‒1965. Papers, 1894‒1974, bMS 649/193
Typ

Brief, eigenhändig

Postweg
Elmau - unbekannt

Entitäten

Personen

Orte

Zitiervorschlag

Brief von Greti Tillich an Paul Tillich vom 2. Oktober 1921, in: Paul Tillich, Korrespondenz. Digitale Edition, hg. von Christian Danz und Friedrich Wilhelm Graf. https://tillich-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L00737.html, Zugriff am ????.

Für Belege in der Wikipedia

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L00737.pdf