Brief von Paul Tillich an den Verlag Vandenhoeck & Ruprecht vom 5. März 1920

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Der editierte Text

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Berlin-Friedenau (Details anzeigen), Taunusstr. 1. D. 5. März 19201

An den Verlag Vandenhoeck & Ruprecht.

Auf Ihren Brief vom 3. März (Details anzeigen) betr. die „Wege zur Philosophie“ möchte ich antworten, daß ich Ihrem Vorschlage, ein Heft über den Gottesbegriff zu schreiben, gern zustimme, und auch dem weitergehenden Vorschlage, falls Sie ihn nach Ablieferung meines Manuskriptes aufrecht erhalten wollen, näher treten würde.2 Ehe ich einen Vorschlag über Art und Titel meines Heftes machen kann, müßte ich die übrigen Hefte noch einmal genau durchlesen und bitte, da ich sie nicht besitze, um ihre Zusendung. Zugleich bitte ich, mir diejenigen Hefte zu nennen, die am meisten Ihrer Idee entsprechen,3 und die ich mir formal irgendwie zum Vorbild nehmen könnte.4

Der Gedanke, eine allgemein verständliche Einführung in die philosophischen Probleme zu geben, ist mir außerordentlich sympathisch, und ein Problem, mit dem ich mich seit vielen Jahren z. T. auch in Form von Vorträgen beschäftige. Das Bedürfnis – ich kann das aus meinen vielseitigen gesellschaftlichen Erfahrungen in Berlin (Details anzeigen) bestätigen – ist groß und ständig wachsend. Es geht aber immer mehr vom Formal-Philosophischen weg zum Weltanschauungsmäßigen. Hier eine Leiterin und zugleich eine Bewahrerin vor falschem Mysticismus zu sein, der sich allenthalben regt, wäre eine der wichtigsten Kulturaufgaben.

Ergebenst

Dr. P. Tillich (Details anzeigen).
Privatdozent.5


Fußnoten, Anmerkungen

1Die Unterstreichung in diesem Brief stammt vom Empfänger.
2Ein solches Heft ist nie publiziert worden.
3Hier ist von unbekannter Hand interlinear eingefügt: „Ges. 13.III.20. Wege z. Phil. Messer (Details anzeigen)?“
Gemeint ist: August Messer (Details anzeigen): Das Problem der Willensfreiheit (Details anzeigen) (1911).
4Wilhelm Ruprecht (Details anzeigen) setzte August Albers (Details anzeigen), einen ehemaligen Mitarbeiter des Verlags, zu dem auch nach seinem Wechsel zum C. H. Beck Verlag in München (Details anzeigen) enger Kontakt bestand, am 8. März 1920 von Tillichs (Details anzeigen) Brief und der Überlegung, ihn mit der Redaktion der Reihe zu betrauen, in Kenntnis und erwartete dessen Stellungnahme. Ruprecht (Details anzeigen) schrieb: „Wir schicken ihm die Hefte, verschieben aber eine Antwort auf seine Frage noch, bis Sie uns geantwortet haben, da Sie sich ja gern dazu äußern werden.“ Albers (Details anzeigen) antwortete am 13. März 1920: „Mir war es eine rechte Freude zu lesen, daß Herr Dr. Tillich (Details anzeigen) fähig u. geneigt ist, sich der W. z. Ph. anzunehmen. Ich möchte Ihnen aber raten, sich von ihm erst schreiben zu lassen, wie er sich die Anlage des Unternehmens denkt. Es soll ja nicht eine bloße Sammlung von Einzelabhandlungen sein, sondern ein gewisser Plan soll zu Grunde liegen. Das haben wir damals nicht richtig gemacht. [...] Herr Dr. T. (Details anzeigen) hat ja die Bändchen bekommen, er wird sie ansehen u. dann merken, was sich machen läßt. Wenn Sie mir das Vertrauen schenken, will ich mich gern mit ihm beraten. Er soll einmal Vorschläge machen. Ich habe eine ganze Reihe von Projekten über die Fortführung der Wege. Soll ich ihm die mal schicken? Ich bin in den Ruf eines gefährlichen Autoren-Kaperers gekommen. Sie brauchen sich aber nicht zu fürchten“ (Archivsignatur: Nachl. 494, G 1888–1936. G 1920. 124; Blatt 3–32).

Register

aBerlin-Friedenau
bBrief von Wilhelm Ruprecht an Paul Tillich vom 3. März 1920
cMesser, August
dMesser, August
eMesser, Das Problem der Willensfreiheit, 1911
fRuprecht, Wilhelm
gAlbers, August
hMünchen
iTillich, Paul
jRuprecht, Wilhelm
kAlbers, August
lTillich, Paul
mTillich, Paul
nBerlin
oTillich, Paul
pTillich, Paul
qRuprecht, Wilhelm
rNatorp, Paul
sKinkel, Walter
tKönig, Edmund
uAlbers, August
vNaumann, Friedrich
wAlbers, August
xNatorp, Paul
yNatorp, Philosophie. Ihr Problem und ihre Probleme. Einführung in den kritischen Id..., 1911
zKinkel, Walter
aaKinkel, Idealismus und Realismus. Eine Einführung in ihr Wesen und in ihre kulturge..., 1911
abKönig, Edmund
acKönig, Die Materie, 1911

Überlieferung

Signatur
Deutschland, Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz, Handschriftenabteilung, Nachlass 494 (Archiv des Verlages Vandenhoeck & Ruprecht), Nachl. 494, G 1888–1936. G 1920. 126; Blatt 350–395
Erstpublikation
Friedrich Wilhelm Graf: „Ein unbekannter Systementwurf Paul Tillichs. Zur Entstehungsgeschichte von Tillichs Das System der Wissenschaften nach Gegenständen und Methoden“ . In: Zeitschrift für Neuere Theologiegeschichte 27/1 (2020), S. 26–170, hier: 62f..
Typ

Brief, eigenhändig

Postweg
Berlin-Friedenau - unbekannt

Entitäten

Personen

Orte

Literatur

Briefe

Zitiervorschlag

Brief von Paul Tillich an den Verlag Vandenhoeck & Ruprecht vom 5. März 1920, in: Paul Tillich, Korrespondenz. Digitale Edition, hg. von Christian Danz und Friedrich Wilhelm Graf. https://tillich-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L00657.html, Zugriff am ????.

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L00657.pdf