Der editierte Text

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Lieber Paul (Details anzeigen),

Was hast Du nun für Geschichten gemacht! Hoffentlich geht es weiterhin gut, so dass Dich mein Gruss weit besser findet als damals, wo Du mir diese betrübliche Nachricht1 sandtest. Also von Herzen gute Besserung! Geduld hast Du gewiss auch ohne meinen Wunsch schon genug. Wie gerne käme ich mal eben herüber u. schaute mal bei Dir herein. Aber ich habe hier vollauf zu tun. Daran liegt's auch, dass ich Dir erst heute schreibe. Der Anfang des Quartals verlief sehr nett. Dass Voget's (Details anzeigen) Vater (Details anzeigen) in den Ferien gestorben ist, hast Du gewiss schon gehört.2 Mein lieber Lbfx (Details anzeigen) ist sehr traurig u. noch stiller als sonst. Der Schlag kam auch für menschliches Verstehen zu früh u. plötzlich. Nun ist auch noch der Vater (Details anzeigen) eines Krassen, Oberschmidt (Details anzeigen), Lbfx von Nickelby (Details anzeigen), gestorben. | Ich habe am Sonnabend meine Seminarpredigt gehalten u. folgte Deinem Beispiele, indem ich zweimal stecken blieb. Das hat mich nicht weiter betrübt, besonders, da Loofs (Details anzeigen) am nächsten Tage wiederholt sein Konzept benutzte. Die Rezension zu meiner Predigt war ziemlich platt, nur ein wichtigerer Punkt wurde von Heim (Details anzeigen) anerkannt. Meine Rezension des D.C.S.V.ers Varchmin (Details anzeigen), der mir aus den Verhandlungen mit Herrn Schlemm (Details anzeigen) bekannt war, war sehr scharf u. so abgefasst, dass sich an mehreren Stellen beim Vorlesen schallendes Gelächter erhob. Heim (Details anzeigen) besprach leider nur die Punkte, die sich auf das Allgemeine bezogen u. stimmte denen vollständig bei; über meine zahlreichen frechen Einzelprolesen hatte er keine Zeit mehr sich zu äussern, doch werde ich ihm deswegen auf die Bude rücken. Ich freue mich, dass das jetzt hinter mir liegt, wenn auch noch immer nicht | Ruhe eintritt, da am Freitag schon der Reichskommers mit der eines Hallenser x eigentlich unwürdigen, gänzlich unangebrachten Kaiserrede folgt u. nach neuen acht Tagen unser Kaiserkommers3. Hoffentlich kannst Du zur Missionskneipe wieder ganz gesund herüberkommen, Hermann will bestimmt erscheinen. Der letzte Sonntag verlief für mich ganz famos. Morgens hörte ich eine wirklich hervorragende Predigt von Loofs (Details anzeigen) über die wahre Ehre, die fast wörtlich nach Trotha (Details anzeigen) vorzüglich gepasst hätte. Wenn sie gedruckt wird, musst Du sie lesen! Nach Tisch wanderte ich durch die herrliche Schneelandschaft mit H. Witte (Details anzeigen) zu den Steinbrücken u. wir gedachten dort Deiner mit Sehnsucht u. Wehmut. Bei Wittes (Details anzeigen) trank ich dann in der Dämmerung gemütlich eine Tasse Caffee. Abends gemeinsamer Familienabend in der Heide; hoffentlich hast Du die scheussliche Karte (Details anzeigen) erhalten?

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die ganze Familie Meinhof, die durch uns angeregt, auch ins Waldhaus gewandert war, setzte sich ein Stündchen zu uns, man war allgemein sehr fidel u. fröhlich. Hin- u. Rückweg im Mondschein u. Schnee war prachtvoll.

Gestern hat sich auf dem Konvent Dein Lbfx (Details anzeigen) von einem offiziellen Abend der Verbindung dispensieren lassen, weil er den für sein Studium nötig hat u. zwar abwechselnd von einer Kneipe u. einem Fuxkränzchen. Es ist ja ein besonderer Ausnahmefall, aber es war nötig. Sonst hat er wieder neuen Mut, hoffentlich kommt er langsam vorwärts.

Herzl. Grüsse an Deine lb. Hausgenossen. Recht baldige Genesung wünscht Dir

Dein tr. Hans (Details anzeigen).


Fußnoten, Anmerkungen

1Die Korrespondenz liegt nicht vor.
2Der Superintendent Friedrich Ajolt Alexander Voget (Details anzeigen) war am 27.12.1907 in Lingen (Details anzeigen) verstorben.
3Laut Balkes zeitlichen Angaben fand der Reichskommers am Freitag, den 17. Januar, und der Kaiserkommers entsprechend am Sonntag, den 26. Januar 1908, statt. Der Reichskommers feierte die 37. Wiederkehr der Proklamation des preußischen Königs Wilhelm I. (Details anzeigen) zum deutschen Kaiser am 18. Januar 1871 im Spiegelsaal des Versailler Schlosses. Der Kaiserkommers bezog sich auf den 49. Geburtstag von Kaiser Wilhelm II. (Details anzeigen) am 27. Januar 1908. Zu beiden Festveranstaltungen haben sich keine Ankündigungen oder weitere Informationen in den Wingolfs-Blättern finden lassen. Sie werden wohl im Verbindungshaus bzw. im "Stiftungszimmer" des Hallenser Wingolfs im sog. Preißschen Kaffegarten in Trotha stattgefunden haben.

Register

aHalle (Saale)
bTillich, Paul
cVoget, Johannes
dVoget, Friedrich
eVoget, Friedrich
fLingen
gMohn, Johannes
hOberschmidt, Heinrich
iOberschmidt, Hermann
jSchuster, Nikolaus
kLoofs, Friedrich
lHeim, Karl
mVarchmin, ???
nSchlemm, ???
oHeim, Karl
pWilhelm I., Kaiser
qWilhelm II., Kaiser
rLoofs, Friedrich
sTrotha/Halle a.S.
tWitte, Hermann
uWitte, Hermann
vPostkarte von Wingolfsbrüdern an Paul Tillich vom 13. Januar 1908 [PS]
wMeinhof, Heinrich
xBalke, Hans

Überlieferung

Signatur
USA, Cambridge, MA, Harvard University, Harvard Divinity School Library, Tillich, Paul, 1886‒1965. Papers, 1894‒1974., bMS 649/122(40)
Typ

Brief, eigenhändig

Postweg
Halle - unbekannt

Entitäten

Personen

Orte

Briefe

Zitiervorschlag

Brief von Hans Balke an Paul Tillich vom 14. Januar 1908, in: Paul Tillich, Korrespondenz. Digitale Edition, hg. von Christian Danz und Friedrich Wilhelm Graf. https://tillich-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L00263.html, Zugriff am ????.

Für Belege in der Wikipedia

{{Internetquelle |url=https://tillich-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L00263.html |titel=Brief von Hans Balke an Paul Tillich vom 14. Januar 1908 |werk=Paul Tillich, Korrespondenz. Digitale Edition. |hrsg=Christian Danz, Friedrich Wilhelm Graf |sprache=de | datum=14.01.1908 |abruf=???? }}
L00263.pdf