Brief von Johanna Tillich, Johannes Tillich und Toni Winkler an Paul Tillich vom 3. November 1906

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Der editierte Text

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lieber Paul (Details anzeigen),

endlich komme ich dazu Dir einmal länger zu schreiben. Es war in letzter Zeit soviel vor, daß wir meist vor 12 Uhr nicht ins Bett kamen; Zuerst aber die Nachricht, daß Harders (Details anzeigen) einen kleinen Buben (Details anzeigen) haben; am 25. Oktober. Was sagst Du dazu? Schreib ihnen doch noch! Dein heutiger Brief2 handelte ja leider wieder vom – Prinzipienstreit. Fängt das nun wieder von neuem an? Dann bist Du | ja für die übrige Menschheit (d. h. für den weiblichen und nichtwingolfitischen Teil) so gut wie verloren. Nun hoffentlich ist das nun endlich die Krisis, die allem Streite ein Ende macht und |:Dich:| uns wiedergibt! Das ist ja schön, daß Ihr soviel tüchtige „lb. Brüder“ habt, Halle (Details anzeigen) ist doch gut dran. Vom Berliner (Details anzeigen) W. haben wir noch nichts gehört. – Frl. Toni (Details anzeigen) war jetzt 3 Tg. in Landsberg (Details anzeigen), sie wird Dir wohl dann erzählen! Montag war ich mit Lucie (Details anzeigen) (der Du auch einmal schreiben kannst!) im Opernhaus: Carmen.3 Es war herrlich!! Eine Leidenschaft u. ein Feuer liegt darin! Nun, | von den ersten Kräften gesungen, da mußte man ja mitleben, mitdenken, mitfühlen! Es ist doch etwas anderes als ein Schauspiel. Während man bei letzterem immer den Gedanken hat, es sind ja nur Schauspieler, deren Worte man hört und die schnell verklungen sind, durchlebt man in einer Oper jeden Ton mit. Ich weiß nicht, ob Du verstehst, was ich meine, ich kann es Dir auch nicht so klar sagen. Die Musik ist jedenfalls die schönste machtvollste Kunst!! Meinst Du nicht auch?

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Dienstag war ein Theeabend und bibl. Besprechung. Dann habe ich noch Papa (Details anzeigen) lange vorgelesen. Diesmal nichts Wissenschaftliches, sondern von Zahn (Details anzeigen) einen Roman: die Clarie-Marie (Details anzeigen). Von demselben Verfasser, dessen Buch: Albin Indergand (Details anzeigen) uns Erich H. (Details anzeigen) in Misdroy (Details anzeigen) vorgelesen.4 Wenn Du letzteres (das schönste) einmal erhalten kannst, so lies es, Du mußt sie lesen, vielleicht in Euren Familienabenden! Mittwoch war Bibelkränzchen bei Crisollis (Details anzeigen), ziemlich öde!!! Donnerstag war Bibelstunde. Dann waren wir bei Sydows (Details anzeigen). Nun muß ich Dir eine ernste Strafpredigt (im Auftrag v. Frau von Sydow (Details anzeigen)) halten. Erstens Mal, daß Du nicht dort warst! Zweitens ist Eckard (Details anzeigen) sehr böse u. traurig, daß Du nicht für seine Karte mit d. Photographie gedankt hast! Er glaubt nicht mehr an Freundschaft. So hat er an seine Mutter (Details anzeigen) damals geschrieben! Und Frau v. Sydow (Details anzeigen) möchte so gerne daß Du ihm etwas Freundschaft entgegenbringst. Also, lieber Paul (Details anzeigen), schreib ihm einmal einen längeren Brief! Charlottenburg, Berliner Str. 58

Ich schreibe jetzt die Programms, Adressen usw. für die Vorträge! Der erste (Lasson (Details anzeigen)) ist am 20 d. M.5

Nun leb' wohl mein l. Junge (Details anzeigen)! Herzl. Sonntagsgruß v. Deiner J (Details anzeigen).6

Noch eine Frage: Hast Du gern, wenn man Dir Ansichtskarten schickt?? Bald erhoffe ich Karte {od.} |:u.:| Brief v. Dir!!!!!! (Schwer!!!!!! Orthographie 4)7
Lieber Paul (Details anzeigen), der Briefbogen ist voll u. darum heut nur noch herzl. Gruß ich muß für Papa (Details anzeigen) schreiben. D. tr. Tante Toni (Details anzeigen). | Zu Samstag war es herrlich. Dann ein ander Mal. -8

M. l. Sohn! (Details anzeigen)

Es waren diese Woche wieder viel Sitzungen; außerdem nehmen d. Vorbereitungen zu d. Vorträgen Zeit fort. Sonst geht's gut. – Was Tante Betty (Details anzeigen) betrifft so sage ihr, daß an weiblichen Tillichs nur ledige oder Witwen zur Stiftung aufgefordert wurden, da sonst d. Mitgliedschaft ins unendliche sich erweitert. So sei es auch mit Tante Glokke (Details anzeigen) u. Maria Urban (Details anzeigen). Jedoch könnte man vielleicht Rat schaffen, indem d. verheirateten Tillichs {¿¿¿ ¿¿¿} wir für ihre Person nicht aber für ihre Nachkommen d. Mitgliederrechte erhalten könnten. Sage das Tante B. (Details anzeigen) u. frage, was sie darüber meint!

Gruß u. Kuß D. tr. V. (Details anzeigen)9


Fußnoten, Anmerkungen

1Es handelt sich hier um einen Schreibfehler der Verfasserin. Gemeint ist der 3. November 1916 (siehe Kontexte).
2Nicht überliefert.
3Am Montag, den 29. Oktober 1906 wurde im Königlichen Opernhaus als „220. Abonnements-Vorst., 7½ Uhr: Carmen“ aufgeführt. (Siehe: Der Reichsbote Nr. 253 vom 28. Oktober 1906 (Details anzeigen), S. 3.)
5Der Reichsbote (Details anzeigen)“ berichtete in der Nr. 275 vom 24. November 1906 auf S.7 zum Vortrag Lassons (Details anzeigen) und der Vortragsreihe im Allgemeinen Folgendes: „In der Kriegsakademie haben nunmehr die Vorträge über „Natur und Christentum“ begonnen, mit deren Veranstaltung dasselbe Komitee wiederum an die Oeffentlichkeit getreten ist, das vor Jahren weite Kreise der Gebildeten zusammengerufen hatte, um von Fachautoritäten über die Bibelfrage in der Gegenwart sich unterrichten zu lassen. Diesmal ist das Gesamtthema der Reihe von vier Vorträgen: „Natur und Christentum“: Gott und die Natur (Professor Dr. Lasson (Details anzeigen)), Christus und die Natur (Professor Dr. Lütgert (Details anzeigen) - Halle (Details anzeigen)), Der Christ und die Natur (Professor Dr. Schäder (Details anzeigen) - Kiel (Details anzeigen)) und Die Vollendung der Natur (Professor Dr. Bornhäuser (Details anzeigen) - Halle (Details anzeigen)). Daß auch hierbei der Zeit die Frage von den Lippen gelesen ist, bewies der äußerst starke Besuch des ersten Vortrages, der den großen, vornehmen Saal der Kriegsakademie bis auf das letzte Plätzchen gefüllt hatte. Angespannt bis zum Schlusse lauschte die Versammlung den etwa anderthalbstündigen Ausführungen des Geh. Reg.-Rats Prof. Dr. Lasson (Details anzeigen). Am Dienstag, 27. November, spricht Professor Dr. Lütgert (Details anzeigen) aus Halle (Details anzeigen); doch sei darauf aufmerksam gemacht, daß die Vorträge ohne Einhaltung des akademischen Viertels, Punkt 8 Uhr, beginnen.“ Schon im Herbst 1904 wurde eine erste Reihe von Vorträgen im Saal der Königlichen Kriegsakademie zu Berlin gehalten über das Thema „Die Bibelfrage in der Gegenwart“ und auch publiziert. Die zweite Vortragsreihe erschien 1907 unter dem Titel „Natur und Christentum. Vier Vorträge“ im Verlag der Buchhandlung Fr. Zillessen, hrsg. und mit einem Vorwort versehen von Wilhelm Faber (Details anzeigen), Hans Keßler (Details anzeigen) und Johannes Tillich (Details anzeigen).
6Die beiden letzten Absätze sind am Rand der dritten Briefseite notiert.
7Der letzte Absatz ist am Rand der zweiten Briefseite notiert.
8Der letzte Absatz ist am Rand der zweiten und dritten Briefseite notiert.
9Die Zeilen Johannes Tillichs (Details anzeigen) sind am Rand der ersten Briefseite notiert. Anders als von Toni Winkler (Details anzeigen) oben angekündigt hat er sie eigenhändig verfasst.

Register

aBerlin
bTillich, Paul
cHarder, Erich; Harder, Käthe
dHarder, Martin
eHalle (Saale)
fBerlin
gWinkler, Toni
hLandsberg am Lech
iMerrem, Lucie
jo.A., o.T., 1906
kTillich, Johannes Oskar
lZahn, Ernst
mZahn, Die Clarie-Marie, 1905
nZahn, Albin Indergang, 1901
oHarder, Erich
pMisdroy (Międzyzdroje)
qBrief von Johanna Tillich und Toni Winkler an Paul Tillich vom Juli 1906
rCrisolli, Auguste; Crisolli, Rudolf
sSydow, Elfriede von; Sydow, Gertrud von; Sydow, Eckart von; Sydow, Helene von
tSydow, Gertrud von
uSydow, Eckart von
vSydow, Elfriede von
wSydow, Gertrud von
xTillich, Paul
yLasson, Adolf
zo.A., Natur und Christentum, 1906
aaLasson, Adolf
abLasson, Adolf
acLütgert, Wilhelm
adHalle (Saale)
aeSchaeder, Erich
afKiel
agBornhäuser, Karl
ahHalle (Saale)
aiLasson, Adolf
ajLütgert, Wilhelm
akHalle (Saale)
alFaber, Wilhelm
amKeßler, Hans
anTillich, Johannes Oskar
aoTillich, Paul
apFritz, Johanna
aqTillich, Paul
arTillich, Johannes Oskar
asWinkler, Toni
atTillich, Paul
auTillich, Fa.
avGlokke, Bertha
awUrban, Maria
axTillich, Fa.
ayTillich, Johannes Oskar
azTillich, Johannes Oskar
baWinkler, Toni

Überlieferung

Signatur
USA, Cambridge, MA, Harvard University, Harvard Divinity School Library, Tillich, Paul, 1886‒1965. Papers, 1894‒1974., bMS 649/193
Typ

Brief, eigenhändig

Postweg
Berlin - unbekannt
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Entitäten

Personen

Orte

Literatur

Erwähnte Briefe

Zitiervorschlag

Brief von Johanna Tillich, Johannes Tillich und Toni Winkler an Paul Tillich vom 3. November 1906, in: Paul Tillich, Korrespondenz. Digitale Edition, hg. von Christian Danz und Friedrich Wilhelm Graf. https://tillich-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L00126.html, Zugriff am ????.

Für Belege in der Wikipedia

{{Internetquelle |url=https://tillich-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L00126.html |titel=Brief von Johanna Tillich, Johannes Tillich und Toni Winkler an Paul Tillich vom 3. November 1906 |werk=Paul Tillich, Korrespondenz. Digitale Edition. |hrsg=Christian Danz, Friedrich Wilhelm Graf |sprache=de | datum=03.11.1906 |abruf=???? }}
L00126.pdf
erwähnte Briefe