Der editierte Text

| Walther Braune
Berlin-Zehlendorf, 10.8.48.
Am Heidehof 361

Lieber Herr Tillich (Details anzeigen),

soeben höre ich, dass Sie Redslob (Details anzeigen) aufsuchen will, um mit Ihnen über die Universitätssache zu sprechen. Er ist einer der Herausgeber des „Tagesspiegels“ und der Wortführer für die freie Universität. (Dass er ein Goethe (Details anzeigen)-Buch schreibt wird er Ihnen wahrscheinlich in den ersten Minuten selbst erzählen!2) Seine Vorstellungen über eine neue Gestalt einer Universität sind sehr vage. Ich versuchte ihm gerade zu erklären, dass uns Spranger (Details anzeigen) [–] dessen Ausführungen zu Ihrem Entwurf in der Frankfurter Zeitung mich damals sehr geärgert haben – nicht viel helfen kann. Ich schreibe Ihnen in Eile, weil ich besorgt bin, Sie könnten an sich und vielleicht auch unter dem Eindruck von Redslob (Details anzeigen) das Interesse an der Sache verlieren. Neulich im Gespräch habe ich mir Mühe gegeben, Sie nicht zu drängen. Aber dazu muss ich mir Mühe geben. Denn wenn ich auch versuche, die Bindungen, die Sie zu Amerika (Details anzeigen) haben zu berücksichtigen, so überfällt mich zugleich immer wieder die schreckliche Vorstellung, dass wir hier auf lange Zeit hin mit unserer Situation nicht fertig werden, wenn Sie uns nicht, und zwar durch Ihr Hiersein, helfen. Das sehen Leute wie Redslob (Details anzeigen) oder Tiburtius (Details anzeigen), die uns auf Grund Ihrer äusseren Stellung im Vorsprung sind, nicht so. Der Gedanke, dass deren Interesse an Ihrer Person oder ein ungeschicktes Gespräch oder die schleppende Behandlung der Sache Sie in Ihrer Entscheidung negativ bestimmen könnte, macht mich| nervös. Ich bitte Sie sehr, uns, wenn wir diese Leute vorsichtig umschiffen müssen, von der anderen Seite entgegenzukommen. Die äusseren Schwierigkeiten (Beurlaubung vom Seminary usw.) werden durch amerikanische Hilfe zu überwinden sein. Darüber liesse sich wahrscheinlich schon viel ausmachen, wenn Sie, wie ich hoffe, jetzt noch mal nach Berlin (Details anzeigen) kommen.

Also doch ein Drängen! Gerade so wie in dem nicht abgeschickten Geburtstagsbrief vor genau zwei Jahren!

Mit herzlichen Wünschen und Grüssen

Walther Braune (Details anzeigen).

Ich dürfte Sie daran erinnern, dass ich an Ihren Leitsätzen zur Dogmatik sehr interessiert bin.


Fußnoten, Anmerkungen

1Über dem Datum ist handschriftlich vermerkt:
„angekommen 21.8.48
abgeschickt am " " "“.
2Gemeint ist vermutlich: Edwin Redslob (Details anzeigen): Goethes Leben (Details anzeigen), das 1948 in zweiter veränderter Auflage erschien.

Register

aTillich, Paul
bRedslob, Edwin
cGoethe, Johann Wolfgang von
dRedslob, Edwin
eRedslob, Goethes Leben, 1948
fSpranger, Eduard
gRedslob, Edwin
hVereinigte Staaten von Amerika
iRedslob, Edwin
jTiburtius, Joachim
kBerlin
lBraune, Walther

Überlieferung

Signatur
USA, Cambridge, MA, Harvard University, Harvard Divinity School Library, Tillich, Paul, 1886–1965. Papers, 1894–1974., bMS 649/126 (17)
Typ

Brief, maschinenschriftlich

Postweg
Berlin-Zehlendorf - unbekannt
nächster Brief in der Korrespondenz
Brief von Paul Tillich an Walther Braunevom 7. Oktober 1948

Entitäten

Personen

Orte

Literatur

Zitiervorschlag

Brief von Walther Braune an Paul Tillichvom 10. August 1948, in: Paul Tillich, Korrespondenz. Digitale Edition, hg. von Christian Danz und Friedrich Wilhelm Graf. https://tillich-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L11211.html, Zugriff am ????.

Für Belege in der Wikipedia

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