Der editierte Text

| Georg Tillich (Details anzeigen)
Hamburg (Details anzeigen) 20,
Loogestr. 8
Hamburg (Details anzeigen), den 20. Juli 1948

Sehr geehrter Herr Vetter Paul (Details anzeigen)!

Wenn Sie die Unterschrift lesen werden, wird Ihre erste Frage sein: „Wer ist denn das, Georg Tillich (Details anzeigen)?“ Nun, ich bin der Sohn des Ihnen sicherlich als Onkel Hermann (Details anzeigen) aus Potsdam (Details anzeigen) bekannten Zollrates Tillich (Details anzeigen). In unserem Leben sind wir uns, obwohl ich häufiger bei Ihrem Vater (Details anzeigen) in Berlin (Details anzeigen) zusammen mit meinen Eltern (Details anzeigen) gewesen bin, nun einmal begegnet und zwar auf dem großen Familientag 1929, der, wenn ich mich richtig erinnere, in den Räumen der Schlaraffia in Berlin (Details anzeigen) stattfand.

Zu meinem allergrößten Leidwesen sind Sie kürzlich in Hamburg (Details anzeigen) gewesen, ohne daß ich eine Ahnung davon hatte. Ich hätte Sie gern gesprochen. Sind Sie doch noch der einzigste der mir bekannten Tillichs aus unserer Linie. Ich habe bisher trotz der größten Mühe und Kosten keinen näheren Stammesverwandten finden können, der grausige Krieg hat uns alle zu sehr auseinandergefegt oder davongerissen. Und ich möchte doch so gern zwischen denen, die noch vorhanden sind, die Fäden wieder knüpfen. Daher wäre ich Ihnen nun ganz außerordentlich dankbar, wenn Sie mir Adressen, die Ihnen bekannt sind, mitteilen würden, damit ich die Verbindung aufnehmen kann.

Vielleicht nun interessieren Sie die Angaben über den durch mich vertretenen Zweig der Tillichs. Mein Vater (Details anzeigen) starb am 1. September 1937. Meine Mutter Margarethe Tillich (Details anzeigen) geb. Bernhardi schloß am 26.1.1945 die Augen, ihr ist das letzte Elend glücklicherweise erspart geblieben. Ich selbst habe 3 Söhne, bezw. hatte, da der älteste der 3 Brüder Georg Tillich (Details anzeigen) noch kurz vor Schluß 1945 fiel, die beiden anderen Herbert (Details anzeigen) und Hermann Tillich (Details anzeigen) sind gut aus dem Felde zurückgekehrt. Herbert (Details anzeigen) hat 2 Söhne und Hermann (Details anzeigen) 2 Söhne und 1 Tochter. Sie sehen, der Mannesstamm in unserem Zweig ist recht kräftig.

Ich selbst bin verheiratet in 2. Ehe mit Elisabeth Schlüter (Details anzeigen), die, das nebenbei gesagt, mit Ihrem Freund Spiegelberg (Details anzeigen) in Familienbeziehung steht, denn die Schwester meines Schwiegervaters, auch Elisabeth Schlüter (Details anzeigen) heiratete den Bruder des Vaters Ihres Freundes.

Wie ich den Krieg überstanden habe? Nun, körperlich so einigermaßen, ebenso auch meine Frau (Details anzeigen), seelisch recht mitgenommen, wirtschaftlich total zerrüttet, da wir alles verloren haben und das Letzte uns jetzt genommen ist. Es ist wirklich eine Lust zu leben, wenn die Geister erwachen, aber: aequam servare mentem rebus in arduis.1

Hoffentlich können Sie mir über die Familie noch recht reichliche Nachrichten geben. Und wenn leider nicht, dann würde eine Nachricht von Ihnen persönlich meiner Frau (Details anzeigen) und mir eine ganz außerordentliche Freude sein.

Bis dahin verbleibe ich
mit verwandschaftlichem Gruß

Ihr Vetter Georg Tillich (Details anzeigen)


Fußnoten, Anmerkungen

1Anspielung auf das lateinische Sprichwort: Aequam memento rebus in arduis servare mentem! – „Denk dran, in Schwierigkeiten Gleichmut zu bewahren!“ Vgl. Horaz: Carmina 2, 3, 1.

Register

aTillich, Georg
bHamburg
cHamburg
dTillich, Paul
eTillich, Georg
fTillich, Hermann
gPotsdam
hTillich, Hermann
iTillich, Johannes Oskar
jBerlin
kTillich, Hermann; Tillich, Margarethe
lBerlin
mHamburg
nTillich, Hermann
oTillich, Margarethe
pTillich, Georg (Jr.)
qTillich, Herbert
rTillich, Hermann
sTillich, Herbert
tTillich, Hermann
uTillich, Elisabeth
vSpiegelberg, Friedrich
wSchlüter, Elisabeth
xTillich, Elisabeth
yTillich, Elisabeth
zTillich, Georg

Überlieferung

Signatur
USA, Cambridge, MA, Harvard University, Harvard Divinity School Library, Tillich, Paul, 1886–1965. Papers, 1894–1974., bMS 649/193 ()
Typ

Brief, maschinenschriftlich; Unterschrift eigenhändig

Postweg
Hamburg - unbekannt

Entitäten

Personen

Orte

Zitiervorschlag

Brief von Georg Tillich an Paul Tillichvom 20. Juli 1948, in: Paul Tillich, Korrespondenz. Digitale Edition, hg. von Christian Danz und Friedrich Wilhelm Graf. https://tillich-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L11195.html, Zugriff am ????.

Für Belege in der Wikipedia

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