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            <titleStmt>
                <title>Brief von Georg Tillich an Paul Tillichvom 20. Juli 1948</title>
                <author ref="#tillich_person_id__5320">Georg Tillich</author>
                <respStmt>
                    <resp>Editor</resp>
                    <name key="https://orcid.org/0009-0000-1606-0460">Cem Ölmez</name>
                </respStmt>
            </titleStmt>
            <editionStmt>
                <edition>
                    <title type="editionstitel">Edition der Korrespondenz von Paul Tillich
                        1933–1951</title>
                </edition>
            </editionStmt>
            <publicationStmt>
                <publisher>
                    <name>Institut für Systematische Theologie und Religionswissenschaft</name>
                    <address>
                        <street>Schenkenstraße 8–10</street>
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                        <placeName ref="#tillich_place_id__470">
                            <settlement>Wien</settlement>
                            <country>Österreich</country>
                        </placeName>
                    </address>
                </publisher>
                <availability>
                    <licence target="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative
                        Commons Attribution 4.0 International (CC BY 4.0)</licence>
                </availability>
            </publicationStmt>
            <sourceDesc>
                <msDesc type="manuscript">
                    <msIdentifier>
                        <country>USA</country>
                        <settlement ref="#tillich_place_id__82">Cambridge, MA</settlement>
                        <institution>Harvard University</institution>
                        <repository>Harvard Divinity School Library</repository>
                        <collection>Tillich, Paul, 1886–1965. Papers, 1894–1974.</collection>
                        <idno>bMS 649/193 ()</idno>
                    </msIdentifier>
                    <physDesc>
                        <p>Brief, maschinenschriftlich; Unterschrift eigenhändig</p>
                    </physDesc>
                </msDesc>
            </sourceDesc>
        </fileDesc>
        <encodingDesc>
            <projectDesc>
                <p>online-Edition: Edition der Korrespondenz von Paul Tillich 1933–1951.</p>
            </projectDesc>
            <editorialDecl>
                <p>Die Ausgabe folgt folgenden Editorischen Richtlinien des DTA-Basisformats. Vgl.
                    https://www.deutschestextarchiv.de/doku/basisformat/</p>
            </editorialDecl>
        </encodingDesc>
        <profileDesc>
            <correspDesc>
                <correspAction type="sent">
                    <persName ref="#tillich_person_id__5320">Georg Tillich</persName>
                    <placeName ref="#tillich_place_id__198">Hamburg</placeName>
                    <date when="1948-07-20">20.07.1948</date>
                </correspAction>
                <correspAction type="received">
                    <persName ref="#tillich_person_id__1928">Paul Tillich</persName>
                </correspAction>
            <correspContext><ref type="belongsToCorrespondence" target="#corresp__tillich_person_id__5320">Korrespondenz mit Georg Tillich</ref><ref subtype="previous_letter" type="withinCollection" target="L11193.xml">Brief von Johannes Kandeler an Paul Tillich vom 17. Juli 1948</ref><ref subtype="next_letter" type="withinCollection" target="L11197.xml">Brief von Erich Pfeiffer an Paul Tillich vom 25. Juli 1948</ref></correspContext></correspDesc>
            <langUsage>
                <language ident="deu">Deutsch</language>
            </langUsage>
        <creation><date type="sort" when="1948-07-20"/></creation></profileDesc>
        <revisionDesc status="approved">
            <change when="2026-06-07" who="CO">Initiale Auszeichnung des Transkripts</change>
        </revisionDesc>
    </teiHeader>
    <text type="letter">
        <body>
            <div type="writingSession">
                <pb n="1"/>
                <opener><rs ref="#tillich_person_id__5320" type="person">Georg Tillich</rs><lb/><rs ref="#tillich_place_id__198" type="place">Hamburg</rs> 20,<lb/>Loogestr.
                            8<dateline><rs ref="#tillich_place_id__198" type="place">Hamburg</rs>,
                        den <date when="1948-07-20">20. Juli 1948</date></dateline><salute>Sehr
                        geehrter <rs ref="#tillich_person_id__1928" type="person">Herr Vetter
                            Paul</rs>!</salute>
                </opener>
                <p>Wenn Sie die Unterschrift lesen werden, wird Ihre erste Frage sein: <q>Wer ist
                        denn das, <rs ref="#tillich_person_id__5320" type="person">Georg
                            Tillich</rs>?</q> Nun, ich bin der Sohn des Ihnen sicherlich als <rs ref="#tillich_person_id__3467" type="person">Onkel Hermann</rs> aus <rs ref="#tillich_place_id__356" type="place">Potsdam</rs> bekannten <rs ref="#tillich_person_id__3467" type="person">Zollrates Tillich</rs>. In
                    unserem Leben sind wir uns, obwohl ich häufiger bei <rs ref="#tillich_person_id__1924" type="person">Ihrem Vater</rs> in <rs ref="#tillich_place_id__37" type="place">Berlin</rs> zusammen mit <rs ref="#tillich_person_id__3467 #tillich_person_id__5321" type="person">meinen
                        Eltern</rs> gewesen bin, nun einmal begegnet und zwar auf dem großen
                    Familientag 1929, der, wenn ich mich richtig erinnere, in den Räumen der
                    Schlaraffia in <rs ref="#tillich_place_id__37" type="place">Berlin</rs>
                    stattfand.</p>
                <p>Zu meinem allergrößten Leidwesen sind Sie kürzlich in <rs ref="#tillich_place_id__198" type="place">Hamburg</rs> gewesen, ohne daß ich
                    eine Ahnung davon hatte. Ich hätte Sie gern gesprochen. Sind Sie doch noch der
                    einzigste der mir bekannten Tillichs aus unserer Linie. Ich habe bisher trotz
                    der größten Mühe und Kosten keinen näheren Stammesverwandten finden können, der
                    grausige Krieg hat uns alle zu sehr auseinandergefegt oder davongerissen. Und
                    ich möchte doch so gern zwischen denen, die noch vorhanden sind, die Fäden
                    wieder knüpfen. Daher wäre ich Ihnen nun ganz außerordentlich dankbar, wenn Sie
                    mir Adressen, die Ihnen bekannt sind, mitteilen würden, damit ich die Verbindung
                    aufnehmen kann.</p>
                <p>Vielleicht nun interessieren Sie die Angaben über den durch mich vertretenen
                    Zweig der Tillichs. <rs ref="#tillich_person_id__3467" type="person">Mein
                        Vater</rs> starb am 1. September 1937. Meine Mutter <rs ref="#tillich_person_id__5321" type="person">Margarethe Tillich</rs> geb.
                    Bernhardi schloß am 26.1.1945 die Augen, ihr ist das letzte Elend
                    glücklicherweise erspart geblieben. Ich selbst habe 3 Söhne, bezw. hatte, da der
                    älteste der 3 Brüder <rs ref="#tillich_person_id__5322" type="person">Georg
                        Tillich</rs> noch kurz vor Schluß 1945 fiel, die beiden anderen <rs ref="#tillich_person_id__5323" type="person">Herbert</rs> und <rs ref="#tillich_person_id__5324" type="person">Hermann Tillich</rs> sind gut
                    aus dem Felde zurückgekehrt. <rs ref="#tillich_person_id__5323" type="person">Herbert</rs> hat 2 Söhne und <rs ref="#tillich_person_id__5324" type="person">Hermann</rs> 2 Söhne und 1 Tochter. Sie sehen, der Mannesstamm
                    in unserem Zweig ist recht kräftig.</p>
                <p>Ich selbst bin verheiratet in 2. Ehe mit <rs ref="#tillich_person_id__5325" type="person">Elisabeth Schlüter</rs>, die, das nebenbei gesagt, mit Ihrem
                    Freund <rs ref="#tillich_person_id__1829" type="person">Spiegelberg</rs> in
                    Familienbeziehung steht, denn die Schwester meines Schwiegervaters, auch <rs ref="#tillich_person_id__5326" type="person">Elisabeth Schlüter</rs>
                    heiratete den Bruder des Vaters Ihres Freundes.</p>
                <p>Wie ich den Krieg überstanden habe? Nun, körperlich so einigermaßen, ebenso auch
                        <rs ref="#tillich_person_id__5325" type="person">meine Frau</rs>, seelisch
                    recht mitgenommen, wirtschaftlich total zerrüttet, da wir alles verloren haben
                    und das Letzte uns jetzt genommen ist. Es ist wirklich eine Lust zu leben, wenn
                    die Geister erwachen, aber: <foreign xml:lang="lat">aequam servare mentem rebus
                        in arduis</foreign>.<note type="ea">Anspielung auf das lateinische
                        Sprichwort: <foreign xml:lang="lat">Aequam memento rebus in arduis servare
                            mentem!</foreign> – <q>Denk dran, in Schwierigkeiten Gleichmut zu
                            bewahren!</q> Vgl. Horaz: Carmina 2, 3, 1.</note></p>
                <p>Hoffentlich können Sie mir über die Familie noch recht reichliche Nachrichten
                    geben. Und wenn leider nicht, dann würde eine Nachricht von Ihnen persönlich <rs ref="#tillich_person_id__5325" type="person">meiner Frau</rs> und mir eine
                    ganz außerordentliche Freude sein.</p>
                <closer><salute>Bis dahin verbleibe ich<lb/>mit verwandschaftlichem
                            Gruß</salute><signed><hi rend="hand">Ihr Vetter <rs ref="#tillich_person_id__5320" type="person">Georg
                        Tillich</rs></hi></signed></closer>
            </div>
        </body>
    <back><listPerson><person xml:id="tillich_person_id__1924">
                  <persName>Tillich, Johannes Oskar</persName>
                  <birth>
                     <date>1857-06-03</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Berlin, Deutschland</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1937-07-30</date>
                  </death>
                  <occupation>Pfarrer, Superintendent und Konsistorialrat</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/1168631602</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Johannes Oskar Tillich (1857 – 1937) war ein evangelisch-lutherischer Pfarrer und Theologe. 1885 hatte er Wilhelmina Mathilde Dürselen geheiratet, die 1903 verstarb. Seine erste Pfarrstelle hatte er in der lutherischen Gemeinde Starzeddel bei Guben, wo 1886 sein Sohn Paul geboren wurde. Johannes Oskar Tillich und Wilhelmina Mathilde Dürselen waren also die Eltern des evangelischen Theologen und Religionsphilosophen Paul Tillich. 1891 wurde Johannes Oskar Tillich Superintendent des Kirchenkreises Schönfließ in der Neumark, 1900 folgte seine Berufung nach Berlin, wo er zum Geheimen Konsistorialrat ernannt wurde.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__5325">
                  <persName>Tillich, Elisabeth</persName>
                  <note type="bio">
                     <p>Zweite Ehefrau von Georg Tillich (5320)</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1829">
                  <persName>Spiegelberg, Friedrich</persName>
                  <birth>
                     <date>1897-05-24</date>
                     <settlement>
                        <placeName key="#tillich_place_id__198">Hamburg</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1994</date>
                  </death>
                  <occupation>Religionswissenschaftler</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/115751351</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Friedrich Spiegelberg (24. Mai 1897 – 10. November 1994) war ein deutscher Gelehrter mit Spezialisierung auf asiatische Religionssysteme. Nach akademischer Ausbildung und Promotion in Tübingen erhielt er mit Unterstützung des Theologen Paul Tillich einen Lehrauftrag an der Dresdner Technischen Hochschule, wo Tillich Professor war. Spiegelberg lehrte dort Religionsgeschichte bis zu seiner Entlassung 1937. Mit Tillichs Hilfe emigrierte er in die USA, wo er ab 1941 an der Stanford University wirkte und sich als Experte für indische und asiatische Kulturen profilierte. Er war Mitbegründer mehrerer Institute zur Förderung östlichen Denkens und vertrat eine mystisch-universalistische Sicht auf Religion als Ausdruck einer gemeinsamen spirituellen Realität jenseits einzelner Dogmen.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__5320">
                  <persName>Tillich, Georg</persName>
                  <note type="bio">
                     <p>Vetter von Paul Tillich</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__5321">
                  <persName>Tillich, Margarethe</persName>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__1928">
                  <persName>Tillich, Paul</persName>
                  <birth>
                     <date>1886-08-20</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Starzeddel, Niederschlesien (heute Polen)</placeName>
                     </settlement>
                  </birth>
                  <death>
                     <date>1965-10-22</date>
                     <settlement>
                        <placeName>Chicago, Illinois, USA</placeName>
                     </settlement>
                  </death>
                  <occupation>Theologe, Religionsphilosoph und Pfarrer</occupation>
                  <idno type="gnd">https://d-nb.info/gnd/118622692</idno>
                  <note type="bio">
                     <p>Paul Tillich (20. August 1886 – 22. Oktober 1965) war ein deutscher evangelischer Theologe und Religionsphilosoph. Nach seiner Tätigkeit als Feldprediger im Ersten Weltkrieg lehrte er an verschiedenen Universitäten in Deutschland, bis er 1933 emigrieren musste und in den USA wirkte, unter anderem in New York, Harvard und Chicago. Tillich entwickelte eine Theologie der Kultur und verstand Religion als das „was uns unbedingt angeht“. In seiner „Systematic Theology“ formulierte er die Methode der Korrelation und deutete Gott als „Macht des Seins“. Seine Arbeiten verbinden Theologie, Philosophie und Existenzdenken und hatten großen Einfluss auf das religiöse Denken der Moderne.</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__5326">
                  <persName>Schlüter, Elisabeth</persName>
                  <note type="bio">
                     <p>Schwester des Schwiegervaters v. Georg Tillich, Ehefrau des Bruders des Vaters von Friedrich Spiegelberg</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__5322">
                  <persName>Tillich, Georg (Jr.)</persName>
                  <note type="bio">
                     <p>Sohn von Georg Tillich (5320)</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__5324">
                  <persName>Tillich, Hermann</persName>
                  <note type="bio">
                     <p>Sohn von Georg Tillich (5320)</p>
                  </note>
               </person>
               <person xml:id="tillich_person_id__5323">
                  <persName>Tillich, Herbert</persName>
                  <note type="bio">
                     <p>Sohn von Georg Tillich (5320)</p>
                  </note>
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                  <persName>Tillich, Hermann</persName>
                  <death>
                     <date>1936?</date>
                  </death>
               </person>
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