Der editierte Text

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Lieber Paul (Details anzeigen)!

Soeben erhalte ich Deinen diktierten Brief (Details anzeigen) vom 5. ds. Mts., den ersten verhältnismäßig anständigen Brief, den ich von Dir seit 1933 erhalten habe.

Also: Laun (Details anzeigen) hat die Sache sehr fein gemacht. Die Blanko-Einladung wird bereits in Deinen Händen sein, wenn Du diesen Brief erhältst. Die von Dir vorgeschlagene Zeit für Hamburg (Details anzeigen) vom 26. Juni bis 1. Juli würde auch mir ganz ausgezeichnet passen. Ich möchte Dich aber heute schon dringend bitten, die Zeit für Hamburg (Details anzeigen) nicht zu ku[rz] zu bemessen, sondern auf mindestens 5-6 Tage zu disponieren. Es da[rf] sich nicht[ ]um eine bloße Stippvisite Deinerseits handeln. Wir müsse[n] genügend Zeit für ausgedehnte Gespräche und Spaziergänge haben, Sp[a]ziergänge auf den Trümmern von Karthago. Ich hoffe bestimmt, daß D[u] dieses Mal nicht meinen freundschaftlichen Zorn auf Dein schuldige[s] Haupt herabbeschwören wirst.

Die Mitteilung, daß Deine Anwesenheit auf dem „Deutschen K[on]greß für Freies Christentum“ in Frankfurt a.M. (Details anzeigen) möglich wäre, hat m[ich] sehr erfreut. Hoffentlich ist auch hier der Weg zur Hölle nicht m[it] guten Vorsätzen bepflastert.

Ich sprach kurz mit den Erziehungswissenschaftlern Flitner (Details anzeigen) und Wenke (Details anzeigen) über Dein Kommen. Sie bezw. auch ich würden es sehr begrüßen, wenn Du an einem Abend um 8 Uhr einen einzigen Vortrag vo[r] den Studenten halten könntest. Aber wie Du willst und Lust hast. [Wenn] ja, teile es mir bitte möglichst umgehend mit, damit ich eine Einl[a]dung auch des Dekans der Philosophischen Fakultät an Dich veranlass[en] kann. Im Übrigen bin ich ganz mit Deiner Haltung betr. Vorträge us[w.] einverstanden. Ja, mehr noch, ich billige und ehre sie als einzig [an]ständige.

Mein| Mein Buch: „Die Religionskrisis des Abendlandes und die religiöse Lage der Gegenwart (Details anzeigen)“ (436 S.) wird noch im Juni zur Ausgabe gelangen. Ich hoffe, es Dir bei Deiner hiesigen Anwesenheit überreichen zu können. Es steht auch sehr viel und sehr Wichtiges über Dich in diesem Buch, Dir zur Ehre und mir zur Freude.

Ich vermute, daß Du nicht nur sehr viele, sondern auch sehr erschütternde Eindrücke zu verarbeiten hast. Es lässt sich das garnicht alles in solcher Kürze bewältigen. Schön, daß Du in Marburg (Details anzeigen) und Frankfurt (Details anzeigen) bei Deinen Hörern viel Resonanz zu haben scheinst. Grüße bitte alle Leute, die mich kennen sollten.

Ich lese in diesem Semester 4stündig über: „Grundformen und Hauptprobleme der Philosophie des Mittelalters“ und bin zufrieden, daß ich in der Hauptzeit von 10-11 Uhr doch ungefähr 180 Hörer habe.

Laß bitte bald einmal wieder von Dir hören und sei herzlich gegr[üßt]


Fußnoten, Anmerkungen

Register

aLeese, Kurt
bTillich, Paul
cMarburg an der Lahn
dTillich, Paul
eBrief von Paul Tillich an Kurt Leese vom 5. Juni 1948
fLaun, Rudolf
gHamburg
hHamburg
iFrankfurt am Main
jFlitner, Wilhelm
kWenke, Hans
l
mMarburg an der Lahn
nFrankfurt am Main

Überlieferung

Signatur
USA, Cambridge, MA, Harvard University, Harvard Divinity School Library, Tillich, Paul, 1886-1965. Papers, 1894-1974.
Typ

Brief, maschinenschriftlich

Postweg
unbekannt - unbekannt
voriger Brief in der Korrespondenz
Brief von Paul Tillich an Kurt Leese vom 29. April 1936
nächster Brief in der Korrespondenz
Brief von Paul Tillich an Kurt Leese vom 5. Juni 1948

Entitäten

Personen

Orte

Erwähnte Briefe

Zitiervorschlag

Brief von Kurt Leese an Paul Tillich vom 7. Juni 1948, in: Paul Tillich, Korrespondenz. Digitale Edition, hg. von Christian Danz und Friedrich Wilhelm Graf. https://tillich-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L11151.html, Zugriff am ????.

Für Belege in der Wikipedia

{{Internetquelle |url=https://tillich-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L11151.html |titel=Brief von Kurt Leese an Paul Tillich vom 7. Juni 1948 |werk=Paul Tillich, Korrespondenz. Digitale Edition. |hrsg=Christian Danz, Friedrich Wilhelm Graf |sprache=de | datum=07.06.1948 |abruf=???? }}
L11151.pdf
erwähnte Briefe