Der editierte Text

| Karl O. Paetel (Details anzeigen) 334West 77 Street
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18. Juli 1942

Sehr verehrter Herr Professor Tillich (Details anzeigen),

Ich las Ihre Antwort an Emil Ludwig (Details anzeigen) im „Aufbau“;– Darf ich Ihnen sagen, dass ich seit langer Zeit mich nicht mehr ueber einen Aufsatz an dieser Stelle so gefreut habe wir ueber diesen?

Ich habe in den drauffolgenden Tagen mit Vielen – ca 15 Leuten aus der politischen Emigration, alle Richtungen, „Arier“ und Juden – gesprochen, – und sie alle waren sich darueber einig, dass Ihre mutige Erklaerung den Anfang einer klaren Selbstdarstellung der deutschen Opposition darstellen |:bilden:| kann.

Es ist m. E. nach wirklich eine Tat, diesen „Ausrottern“ in Gestalt des Mussolini (Details anzeigen)-Anbeters Ludwig (Details anzeigen), einmal mit Nachdruck auf die Finger zu klopfen.

Seien Sie ueberzeugt, lieber Herr Professor Tillich (Details anzeigen), dass in dieser Frage alle Deutschen Antifaschisten, welcher einzelnen Gruppe oder Doktrin sie auch angehoeren, auf Ihrer Seite sein werden!

Ihre tapfere Erklaerung war uns allen eine grosse Freude! Sie zeigt, dass deutscher Anti-Hitler-Kaempfer sein, nicht bedeutet, ein „Vansittartist“ zu werden; – Das deutsche Volk wird einst zu den eigentlichen Leitlinien seiner Existenz zurueckkehren, wenn Hitler (Details anzeigen) besiegt sein wird. – Fuer die „umgekippten Nationalisten“ à la Kerr (Details anzeigen) und Ludwig (Details anzeigen), die ihre chauvinistische Ueberspanntheit der ersten Weltkrieges heute in uebersteigertem Vernichtungswillen ausbalancieren, wird dann, fuerchte ich, allerdings wenig Raum sein. –

W i r, die Anti-Hitler Deutschen sind das wahre Deutschland. Und kein intellektueller Kriegsgewinnler auf der Seite der Kriegsgegner wird uns einreden konnen, dass die Zugehoerigkeit zu diesem Volk bereits discriminierend ist.

Ich bin – individuell – von der Hitler-Regierung ausgebuergert worden – Deutscher im Sinne dieses „anderen Deutschland“ werde ich nie aufhoeren, zu sein.

Dank fuer Ihren Aufsatz!
Ihr

K Paetel Karl O. Paetel (Details anzeigen)


Fußnoten, Anmerkungen

Register

aPaetel, Karl Otto
bNew York City
cTillich, Paul
dLudwig, Emil
eMussolini, Benito
fLudwig, Emil
gTillich, Paul
hHitler, Adolf
iKerr, Alfred
jLudwig, Emil
kPaetel, Karl Otto

Überlieferung

Signatur
USA, Cambridge, MA, Harvard University, Harvard Divinity School Library, Tillich, Paul, 1886-1965. Papers, 1894-1974.
Typ

Brief, maschinenschriftlich mit handschriftlichen Einfügungen

Postweg
unbekannt - unbekannt

Entitäten

Personen

Orte

Zitiervorschlag

Brief von Karl O. Paetel an Paul Tillich vom 18. Juli 1942, in: Paul Tillich, Korrespondenz. Digitale Edition, hg. von Christian Danz und Friedrich Wilhelm Graf. https://tillich-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L10584.html, Zugriff am ????.

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