Der editierte Text

|
Dr. Ernst Warschauer (Details anzeigen)
168 West 78th str.
New York City (Details anzeigen)
Schuyler 4-9454
den 9. Februar 1942

Sehr geehrter Herr Professor (Details anzeigen)!

Mit vorliegendem Brief bitte ich Sie um Hilfe nicht fuer mich, sondern fuer JULIUS BAB (Details anzeigen), Roslyn Heights, L.Isl., P.O.B. 387, mit dem ich gut bekannt bin und dem es wirtschaftlich sehr schlecht geht. Ich habe versucht, Herrn B a b (Details anzeigen) dadurch zu helfen, dass ich fuer ihn einen Vortragszyklus ueber amerikanische Literatur unter Emigranten arrangiert habe. Leider steht der Besuch um umgekehrten Verhaeltnis zur Qualitaet dieser ganz hervorragenden Vortraege. Das finanzielle Ergebnis war ziemlich klaeglich, es kam ca. $ 8 pro Vortrag alle 14 Tage heraus.

Um Sie ueber B a b (Details anzeigen)'s Lage etwas zu orientieren, moechte ich Ihnen kurz folgendes mitteilen. B a b (Details anzeigen),im 62. Lebensjahr stehend, schreibt seit Jahren an einer umfassenden Weltgeschichte der Schauspielkunst. Der deutsche Teil ist fertig, ebenso der franzoesische, und er arbeitet, seit er in New York (Details anzeigen) ist, an dem engl. und amerikanischen Teil. Es ist ihm leider bisher trotz mancher Bemuehungen nicht gelungen, einen Verlag oder eine Universitaet zu finden, die die Veroeffentlichung dieses Werks uebernimmt. Z.Zt. schwebt ein Antrag dieserhalb bei der Guggenheimstiftung, ueber den in ca. 4 Wochen entschieden werden soll. Bab (Details anzeigen) hat zu dieser Stiftung gar keine Beziehungen.

In Deutschland (Details anzeigen) hat Bab (Details anzeigen) etwa 34 Buecher ueber literarische Themen und Schauspieler veroeffentlicht. Er hat die einzige S h a w (Details anzeigen) biographie in deutscher Sprache verfasst und ist mit S h a w (Details anzeigen) herzlich befreundet. Aber auch diese Freundschaft und die Freundschaft vieler anderer mehr oder weniger bedeutenden Verehrer seiner Gaben konnte ihn |:nicht:| davor bewahren, dass es ihm manchmal an den notwendigsten Subsistenzmitteln, z.B. am Geld fuer Porto fuer Briefe fehlt!

Seine Frau (Details anzeigen), 65 Jahre alt, hat versucht, mit Hundezucht und Buchvertrieb von Haus zu Haus etwas zu verdienen. Der Buchvertrieb war erfolglos, aber mit der Hundezucht hat sie ganz respektable Anfangserfolge erzielt. Zu einer Existenzgrundlage auf dieser Basis wuerde eine geeignete Wohnung gehoeren und ein kleines Kapital von etwa 200-300$. Beides ist nicht vorhanden.

Fuer Resettlement kommt die Familie nicht in Frage. Bab (Details anzeigen) wuerde in der Provinz keine Moeglichkeit haben, seine kuenstlerische und wissenschaftliche Arbeit fortzusetzen.|

Ein monatlicher Zuschuss von $ 20-25 fuer einige Zeit, bis Herr oder Frau Bab zu dauernden Verdienst gelangt, waere eine Hilfe, die dieser hervorragende Mann um seiner Gaben und Persoenlichkeit willen verdient. Dadurch wuerde ihm ueber das Schwerste hinweggeholfen werden.

Bab (Details anzeigen) hat von diesem meinem Briefe keine Ahnung. Ich waere Ihnen deshalb dankbar, wenn die darin angegebenen Tatsachen ueber seine Lage soweit wie moeglich diskret behandelt werden koennten.

Mit bestem Dank im voraus
und mit vorzueglicher Hochachtung

Dr. Ernst Warschauer (Details anzeigen)

Ein Durchschlag liegt zur gefl. Bedienung bei.


Fußnoten, Anmerkungen

Register

aWarschauer, Ernst
bNew York City
cTillich, Paul
dBab, Julius
eBab, Julius
fBab, Julius
gBab, Julius
hNew York City
iBab, Julius
jDeutschland
kBab, Julius
lShaw, George Bernard
mShaw, George Bernard
nBab, Mrs.
oBab, Julius
pBab, Julius
qWarschauer, Ernst

Überlieferung

Signatur
Deutschland, Frankfurt a.M., Goethe-Universität Frankfurt, Universitätsbibliothek Frankfurt, UBA Ffm
Typ

Brief, maschinenschriftlich

Postweg
unbekannt - unbekannt

Entitäten

Personen

Orte

Zitiervorschlag

Brief von Ernst Warschauer an Paul Tillich vom 9. Februar 1942, in: Paul Tillich, Korrespondenz. Digitale Edition, hg. von Christian Danz und Friedrich Wilhelm Graf. https://tillich-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L10553.html, Zugriff am ????.

Für Belege in der Wikipedia

{{Internetquelle |url=https://tillich-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L10553.html |titel=Brief von Ernst Warschauer an Paul Tillich vom 9. Februar 1942 |werk=Paul Tillich, Korrespondenz. Digitale Edition. |hrsg=Christian Danz, Friedrich Wilhelm Graf |sprache=de | datum=09.02.1942 |abruf=???? }}
L10553.pdf