Der editierte Text

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d. 17. Mai 1936

Liebste süsse Geburtstagshannah, Frau, Freundin, Geliebte (Details anzeigen)!

Nun bist Du aufgewacht, sitzest beim Frühstück und hast hoffentlich mein Telegramm erhalten. Ich aber sitze in Zaandvoort (Details anzeigen), dem Badeort von Amsterdam (Details anzeigen) im Strandkorb, zwischen Sonne- und Wasser-Badenden unter strahlend blauem Himmel und heisser Sonne. Eben hat sich Fräulein Menschke (Details anzeigen), meine Frankfurter Englisch-Lehrerin verabschiedet und gestern Abend waren Geza Berger (Details anzeigen) und Ina Rudolph (Details anzeigen) bei Landauers (Details anzeigen), den Psychoanalytikern aus Frankfurt ... dies die Stimmung - das Nähere im Tagebuch. Gestern Abend habe ich Frl. Rudolph (Details anzeigen) an den Kerzenabend erinnert, den sie uns bereitet | und wo sie und bedient hat, als Du für eine Nacht aus Greiz (Details anzeigen) kamst. _[Eben ertönt Musik und alle holländischen Mädchen fingen an, plump und komisch miteinander zu tanzen] Es ist toll, wie sich in diesen Tagen Vergangenheit und Gegenwart verbinden. Die Reise hat etwas Psycho-Analytisches, Regressionshaftes... Ich sehe Dich an jenem Abend, den In Rudolph (Details anzeigen) als einen der Glanzabende ihres Lebens empfindet, mit der Pudelütze auf dem Anhalter (Details anzeigen) Bahnhof ankommen mit schunkelndem Gang als erste aus dem Zug, ich sehe den Platz am Ofen und das Bett im blauen Zimmer. Ich sehe Dich im Morgengrauen entschwinden ... ich weiss keine schönere Nach in meinem Leben. Das ist nun 15 Jahre her und dazwischen steht viel Schicksal, aber kein Schicksal, das mich auch nur einen Augenblick an den hätte irre machen können, was in jener Nacht entschieden wurde, dass wir zusammengehören. Es gibt kein irdisches Ding, das mir so gewiss ist, wie du.

| Wie mögt Ihr feiern? Was mag der Bub beitragen, was Erdmuthe (Details anzeigen) Dir dichten, wer mag kommen? Was magst Du fühlen, denken, dichten? Was wünschen? Welchen Wunsch werde ich erfüllen können? Im nächsten Jahr, im Lauf der nächsten zehn Jahre? ¿¿hainer (Details anzeigen) schreibt mir, dass manche in Oxford (Details anzeigen) mich im nächsten Sommer haben wollen; vielleicht könntest Du dann mit und ich könnte Dir das geliebte und bewunderte England (Details anzeigen) zeigen. Denn ich möchte Dir alles zeigen, was ich gesehen habe, weil es erst durch Deine Augen hindurch ganz mein eigen wird.

Kommen die Briefe mit den Tagebüchern so an, dass Du sie hintereinander lesen kannst? Ordne sie doch immer so ein, dass nichs verloren geht! Oft bedaure ich, dass ich sie nicht habe, denn es ist so unendlich viel passiert, dass selbst mein Gedächtnis versagt. Ich hätte Euch viel lieber am Meer als an {¿¿¿} gewusst. Hoffentlich gibt es nicht wieder | eine Enttäuschung. Wenn Du noch frei bist und es sich nicht um viel Geld handelt, gehe doch ans Meer, ich sorge für das Geld! Ich möchte, dass Ihr so glücklich seid wie ich es trotz aller Arbeit und Hetze bin.

Ihr Lieben, Liebsten

Süsse, süsse Hannah (Details anzeigen)!!

Ich küsse Dich!


Fußnoten, Anmerkungen

Register

a
b Nouvron-Vingré
cAmsterdam
dAbaelard, Peter
eBerger, Geza
fAbaelard, Peter
gAbaelard, Peter
hAbaelard, Peter
iFabricius, Cajus
jAbaelard, Peter
kAnhalter Bahnhof
lFarris, Erdmuthe
mAbaelard, Peter
n Nouvron-Vingré
oEngland
p
qTillich, Paul

Überlieferung

Signatur
USA, Cambridge, MA, Harvard University, Harvard Divinity School Library, Tillich, Paul, 1886-1965. Papers, 1894-1974., bMS 721/3(7)
Typ

Brief, handschriftlich

Postweg
unbekannt - unbekannt
voriger Brief in der Korrespondenz
Brief von Paul Tillich an Hannah Tillichvon Mai 1936
nächster Brief in der Korrespondenz
Telegramm von Paul Tillich an Hannah Tillichvom 17. Mai 1936

Entitäten

Personen

Orte

Zitiervorschlag

Brief von Paul Tillich an Hannah Tillichvom 17. Mai 1936, in: Paul Tillich, Korrespondenz. Digitale Edition, hg. von Christian Danz und Friedrich Wilhelm Graf. https://tillich-briefe.acdh.oeaw.ac.at/L10280.html, Zugriff am ????.

Für Belege in der Wikipedia

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